Kroatien ist Europas Tourismus-Spitzenreiter – und steht vor großen Herausforderungen
Von Kroatien News Redaktion·20. Oktober 2026 um 11:11

Kroatien ist das Land mit der höchsten Tourismusintensität in der Europäischen Union. Nach den neuesten Daten von Eurostat kamen im Jahr 2025 auf jeden Einwohner durchschnittlich 24,5 Übernachtungen in touristischen Unterkünften. Damit liegt das Adri Land deutlich vor Malta und Zypern. Die Zahlen zeigen, wie prägend der Tourismus für Kroatiens Wirtschaft ist – aber auch, wie stark er den Alltag vieler Einwohner beeinflusst.
Kroatien liegt deutlich vor anderen Urlaubsländern
Der Abstand zu anderen beliebten Reisezielen in Europa ist beträchtlich. Mit durchschnittlich 24,5 touristischen Übernachtungen pro Einwohner führt Kroatien das EU-Ranking an. Malta folgt mit 21,7 Übernachtungen, Zypern kommt auf 19,4. Griechenland erreicht 15,1 und Österreich 14,6 Übernachtungen pro Einwohner.
Der EU-Durchschnitt lag 2025 bei sieben Übernachtungen pro Einwohner. Kroatien kommt damit auf mehr als das Dreifache dieses Wertes.
Die Tourismusintensität setzt die Zahl der Übernachtungen in gemieteten Unterkünften ins Verhältnis zur ständigen Bevölkerung. Sie macht dadurch sichtbar, wie groß der touristische Besucherstrom im Vergleich zur Einwohnerzahl eines Landes ist. Sie ist allerdings keine direkte Messung der Zahl einzelner Urlauber: Ein Gast, der zehn Nächte bleibt, trägt zehn Übernachtungen zur Statistik bei.
Fast 95 Millionen Übernachtungen im Jahr 2025
Auch die nationalen Tourismusdaten unterstreichen die Bedeutung des Sektors. Nach Angaben des kroatischen Statistikamtes wurden 2025 in kommerziellen Unterkünften rund 20,7 Millionen Ankünfte und 94,8 Millionen Übernachtungen registriert. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Ankünfte um 2,2 Prozent, die Zahl der Übernachtungen um 1,2 Prozent.
Der Großteil entfiel auf ausländische Gäste. Sie kamen auf rund 17,6 Millionen Ankünfte und 85,6 Millionen Übernachtungen. Deutsche Urlauber blieben dabei eine besonders wichtige Gruppe: Sie verbrachten 2025 rund 21 Millionen Nächte in Kroatien und stellten damit knapp ein Viertel aller ausländischen Übernachtungen.
Die Zahlen verdeutlichen, dass Kroatien nicht nur vom Sommerurlaub an der Adria lebt. Der Tourismus ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze, Restaurants, Reiseanbieter und zahlreiche weitere Dienstleister.
Der Erfolg konzentriert sich auf wenige Monate
Die hohe Tourismusintensität hat jedoch eine weitere Seite: Kroatiens Tourismus ist stark saisonabhängig. Nach einer Auswertung der Eurostat-Daten entfielen 2025 rund 54,5 Prozent aller touristischen Übernachtungen auf Juli und August. Damit konzentrierte sich mehr als die Hälfte des Jahresgeschäfts auf nur zwei Monate.
Diese Konzentration stellt viele Regionen vor praktische Herausforderungen. In der Hochsaison steigt der Bedarf an Personal, Wasser, Energie und Verkehrsinfrastruktur. Straßen und Ortszentren geraten unter Druck, während sich die Nachfrage nach Unterkünften und Dienstleistungen auf einen kurzen Zeitraum bündelt. Außerhalb der Saison müssen viele Betriebe dagegen mit deutlich weniger Gästen auskommen.
Für Kroatien ist deshalb nicht allein entscheidend, wie viele Touristen das Land besuchen. Ebenso wichtig ist die Frage, wie sich die Nachfrage über das Jahr verteilen lässt und wie stark auch das Hinterland, Städte und Regionen abseits der Küste vom Tourismus profitieren können.
Tourismus bringt Einnahmen, belastet aber auch Wohnraum und Infrastruktur
Die große Zahl der Übernachtungen ist ein wirtschaftlicher Vorteil. Sie schafft Arbeitsplätze und Einnahmen und trägt dazu bei, dass zahlreiche kleine Unternehmen ihren Lebensunterhalt sichern können. Gerade in Küstenorten ist der Tourismus für viele Familien ein wesentlicher Bestandteil ihrer wirtschaftlichen Existenz.
Gleichzeitig können hohe Besucherzahlen die Lebensbedingungen vor Ort verändern. In beliebten Urlaubsorten konkurrieren Feriengäste und Einheimische um begrenzten Wohnraum. Wo Wohnungen überwiegend für touristische Kurzzeitvermietungen genutzt werden, kann das Angebot für Menschen, die dauerhaft dort leben und arbeiten, knapper werden. Hinzu kommen saisonale Verkehrsprobleme, steigender Ressourcenverbrauch und eine starke Abhängigkeit vieler Unternehmen von wenigen Monaten im Jahr.
Die Eurostat-Zahl allein beweist nicht, dass diese Probleme überall gleich stark auftreten. Sie ist jedoch ein Hinweis darauf, wie hoch der touristische Druck im Verhältnis zur Bevölkerung ausfallen kann. Besonders auf Inseln und in kleinen Küstenorten können die Auswirkungen stärker spürbar sein als in größeren Städten.
Nicht nur mehr Gäste, sondern nachhaltigerer Tourismus
Die neuen Zahlen stellen Kroatien vor eine strategische Aufgabe. Das Land gehört zu den gefragtesten Reisezielen Europas. Langfristig wird es aber darauf ankommen, wirtschaftlichen Erfolg und Lebensqualität vor Ort miteinander zu verbinden.
Ein längerer Tourismuszeitraum könnte helfen, Arbeitsplätze besser über das Jahr zu verteilen und die Infrastruktur gleichmäßiger auszulasten. Kulturreisen, Aktivurlaub, Gastronomie, Wellness und Angebote im Landesinneren könnten zusätzliche Anreize außerhalb der klassischen Badesaison schaffen. Auch eine bessere Abstimmung zwischen Unterkünften, Verkehr, Wasserwirtschaft und kommunaler Planung wird wichtiger.
Kroatien muss dafür nicht zwangsläufig immer mehr Gäste anziehen. Entscheidend ist vielmehr, wie viel wirtschaftlicher Nutzen entsteht, wie dieser verteilt wird und welche Belastungen die Bevölkerung dafür tragen muss.
Spitzenplatz mit Verantwortung
Mit 24,5 Übernachtungen pro Einwohner führt Kroatien das EU-Ranking der Tourismusintensität für 2025 an. Die Statistik bestätigt die enorme Bedeutung des Fremdenverkehrs für das Land. Sie zeigt zugleich, warum die Debatte über Saisonverlängerung, Wohnraum, Infrastruktur und Nachhaltigkeit immer wichtiger wird.
Der Erfolg des kroatischen Tourismus wird sich künftig nicht allein an Rekordzahlen messen lassen. Ebenso entscheidend wird sein, ob Kroatien ein attraktives Urlaubsziel bleiben kann, ohne dass die Belastungen für Einwohner und Umwelt zu groß werden.
Foto: Kroatien News



