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Neuer Maksimir: Zagreb braucht nicht einfach nur ein neues Stadion – Zagreb braucht ein Wahrzeichen

Von Kroatien News Redaktion·29. September 2026 um 14:43

Neuer Maksimir: Zagreb braucht nicht einfach nur ein neues Stadion – Zagreb braucht ein Wahrzeichen

Nach Jahrzehnten der Diskussion schien Zagreb endlich vor der Entscheidung zu stehen, wie die Zukunft des Maksimir aussehen soll. Doch kaum war der Sieger des internationalen Architekturwettbewerbs bekanntgegeben, begann die Debatte erneut. Viele Dinamo-Fans lehnen den ausgewählten Entwurf ab, inzwischen wird sogar über die Möglichkeit eines neuen Wettbewerbs gesprochen. Für uns liegt darin vor allem eine Chance: Zagreb sollte jetzt nicht nur darüber diskutieren, welcher Entwurf gebaut werden soll. Die Stadt sollte sich grundsätzlich fragen, was sie mit dem neuen Maksimir eigentlich erreichen möchte. Denn nach all den Jahren wäre es zu wenig, lediglich ein altes Stadion durch ein neues zu ersetzen.

Es gibt Stadien, die weit mehr sind als Sportstätten. Sie werden zu Bestandteilen einer Stadt, zu Orten, an denen sich persönliche Erinnerungen und große Momente einer gemeinsamen Geschichte verbinden. Das Maksimir gehört zweifellos dazu. Für Generationen von Dinamo-Anhängern ist dieser Ort mit Spielen, Derbys, Meisterschaften und europäischen Abenden verbunden. Auch die kroatische Nationalmannschaft hat hier einen wichtigen Teil ihrer Geschichte geschrieben. Wer über Maksimir spricht, spricht deshalb nicht ausschließlich über Beton, Tribünen und einen Fußballplatz, sondern über einen Ort, der über Jahrzehnte eine besondere Bedeutung für Zagreb und den kroatischen Fußball entwickelt hat.

Gleichzeitig ist die Realität nicht mehr zu übersehen. Das bestehende Stadion ist baulich längst an seine Grenzen gelangt. Die Probleme sind seit Jahren bekannt, das Erdbeben von 2020 hat die Situation zusätzlich verschärft. Ein grundlegender Neubau ist deshalb keine Frage des Komforts mehr, sondern eine Notwendigkeit. Umso bemerkenswerter ist, dass Zagreb so lange gebraucht hat, um an diesen Punkt zu kommen.

Nun gibt es erstmals seit vielen Jahren einen konkreten Siegerentwurf. Das italienische Büro VG13 Architects setzte sich in einem internationalen Wettbewerb mit 88 eingereichten Arbeiten aus mehr als 20 Ländern durch. Vorgesehen ist eine moderne, überdachte Arena mit rund 35.000 Sitzplätzen, eingebettet in ein größeres Sport- und Freizeitareal rund um Maksimir und Svetice. Der Entwurf ist das Ergebnis eines umfangreichen Wettbewerbs und keineswegs eine zufällige oder oberflächliche Entscheidung.

Trotzdem ist die Reaktion vieler Dinamo-Fans deutlich ausgefallen. Sie hatten sich ein Stadion mit einem anderen Charakter vorgestellt und kritisieren insbesondere die Aufteilung der Tribünen sowie das Erscheinungsbild der Arena. Diese Kritik muss nicht automatisch bedeuten, dass der Siegerentwurf architektonisch schlecht ist. Eine Fachjury und die Anhänger eines Fußballvereins betrachten ein solches Projekt zwangsläufig aus unterschiedlichen Perspektiven. Die einen beurteilen städtebauliche und architektonische Kriterien, die anderen fragen sich, wie sich ihre zukünftige Heimat bei einem großen Derby oder einem europäischen Abend anfühlen wird.

Genau deshalb halten wir die aktuelle Diskussion für interessant. Sie sollte nicht bei der Frage stehen bleiben, ob der Entwurf gefällt oder nicht. Viel wichtiger ist die Frage, welche Erwartungen Zagreb überhaupt an dieses Projekt stellen sollte.

Es geht um die Zukunft einer Hauptstadt

Wir bei Kroatien News sind der Meinung, dass Zagreb bei der Planung des neuen Maksimir von Anfang an größer hätte denken können. Damit meinen wir nicht, dass ein möglichst teures oder möglichst großes Stadion automatisch die beste Lösung wäre. Ein Stadion muss wirtschaftlich funktionieren, infrastrukturell erreichbar sein und zu den tatsächlichen Bedürfnissen einer Stadt passen. Diese Fragen dürfen bei einem Projekt dieser Größenordnung selbstverständlich nicht ausgeblendet werden.

Aber sie sind nicht die einzige Perspektive.

Zagreb ist die Hauptstadt Kroatiens. Dinamo Zagreb ist der erfolgreichste und international bekannteste Fußballverein der Stadt und einer der bedeutendsten Vereine des Landes. Gleichzeitig hat die kroatische Nationalmannschaft in den vergangenen Jahrzehnten eine sportliche Entwicklung genommen, die weit über die Größe des Landes hinausgeht. Kroatien gehört inzwischen dauerhaft zur internationalen Fußballlandschaft und hat bei den größten Turnieren der Welt eine Geschichte geschrieben, auf die das Land mit Recht stolz ist.

Vor diesem Hintergrund erscheint uns die Frage berechtigt, ob ein Stadion mit rund 35.000 Plätzen tatsächlich die größtmögliche Vision für Zagreb sein sollte.

Wir würden uns wünschen, dass ernsthaft über eine Arena mit 60.000 Sitzplätzen nachgedacht wird.

Nicht, weil die Zahl 60.000 an sich etwas Magisches hätte. Und auch nicht, weil ein größeres Stadion automatisch besser wäre. Vielmehr geht es um den Anspruch, der hinter einer solchen Entscheidung stehen würde. Ein Stadion dieser Größenordnung könnte Zagreb langfristig eine internationale Fußballarena geben, die bei großen Vereins- und Länderspielen ihre volle Wirkung entfaltet und gleichzeitig über Jahrzehnte genügend Spielraum für die Entwicklung des Sports und der Stadt bietet.

Man baut ein Stadion nicht für die Gegenwart

Vielleicht wird genau dieser Punkt in der gegenwärtigen Diskussion zu wenig berücksichtigt. Ein Stadion wird nicht für die nächsten fünf Jahre errichtet. Es soll Jahrzehnte bestehen und Generationen überdauern. Die Menschen, die heute über seine Größe und Architektur entscheiden, werden möglicherweise schon lange nicht mehr in ihren heutigen Funktionen tätig sein, wenn das Gebäude seine eigentliche Geschichte erst entwickelt.

Deshalb sollte die Planung nicht ausschließlich von der Frage ausgehen, wie viele Zuschauer Dinamo heute durchschnittlich benötigt. Sie sollte auch berücksichtigen, welche Rolle Zagreb in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren spielen könnte und welche Veranstaltungen ein solches Stadion dann aufnehmen soll.

Ein großes internationales Spiel in einer voll besetzten Arena ist etwas anderes als ein gewöhnlicher Ligaspieltag. Ein bedeutendes Europapokalspiel, ein großes Derby oder ein wichtiges Länderspiel erzeugt eine Dimension, die sich nicht allein in den wirtschaftlichen Zahlen eines durchschnittlichen Spieltags ausdrücken lässt. Genau für solche Momente werden große Stadien gebaut.

Und Maksimir besitzt bereits etwas, das man nicht planen kann: Geschichte.

Die Aufgabe eines Neubaus sollte deshalb nicht darin bestehen, diese Geschichte zu beenden, sondern ihr einen zeitgemäßen Rahmen zu geben.

Zagreb könnte ein neues Wahrzeichen schaffen

Damit kommen wir zu dem Punkt, der uns bei diesem Projekt besonders wichtig ist.

Wir wünschen uns nicht einfach ein neues Stadion. Wir wünschen uns ein Gebäude, das zu Zagreb gehört.

Das bedeutet nicht, dass es extravagant oder spektakulär um jeden Preis sein muss. Ein Wahrzeichen entsteht nicht allein durch ungewöhnliche Formen oder eine besonders auffällige Fassade. Es entsteht dann, wenn ein Bauwerk eine eigene Identität entwickelt und von den Menschen mit der Stadt verbunden wird.

Genau diese Möglichkeit bietet Maksimir.

Das Stadion könnte zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes werden und gleichzeitig Teil eines größeren Sport- und Freizeitareals sein. Es könnte auch außerhalb von Spieltagen genutzt werden und damit stärker in das alltägliche Leben Zagrebs eingebunden werden. Der Standort bietet die Möglichkeit, Sport, öffentliche Räume und die besondere Umgebung von Maksimir miteinander zu verbinden.

Das Entscheidende wäre dabei, dass das Stadion nicht wie ein austauschbares internationales Produkt wirkt, das ebenso gut in einer anderen europäischen Stadt stehen könnte. Zagreb sollte nicht versuchen, irgendein berühmtes Stadion zu kopieren. Die Stadt sollte ihre eigene Antwort finden.

Dinamo und der kroatische Fußball verdienen eine große Bühne

Für Dinamo wäre ein neues Maksimir natürlich in erster Linie die neue Heimat des Vereins. Doch die Bedeutung des Projekts reicht aus unserer Sicht weiter.

Dinamo ist nicht irgendein Nutzer eines beliebigen Stadions. Der Verein ist eng mit Zagreb verbunden und hat einen wesentlichen Teil seiner Geschichte an diesem Ort geschrieben. Genau deshalb sollte die neue Arena den Anspruch haben, dieser Geschichte eine angemessene Zukunft zu geben.

Dasselbe gilt in anderer Form für die Nationalmannschaft.

Kroatien hat sich im internationalen Fußball längst einen Namen gemacht. Die Erfolge bei Weltmeisterschaften haben das Land auf eine Weise sichtbar gemacht, die weit über den Sport hinausgeht. Natürlich soll der kroatische Fußball auch weiterhin in anderen Städten des Landes präsent sein. Aber die Hauptstadt sollte die Möglichkeit besitzen, die größten internationalen Fußballabende in einer entsprechend dimensionierten Arena auszutragen.

Eine solche Arena könnte deshalb eine Bedeutung bekommen, die über Dinamo hinausgeht, ohne ihre Verbindung zu Dinamo zu verlieren.

Die jetzige Diskussion sollte deshalb größer geführt werden

Dass der Siegerentwurf bei Teilen der Öffentlichkeit auf Widerstand stößt, ist unter diesen Umständen vielleicht sogar eine Gelegenheit. Denn solange die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Projekts noch nicht unumkehrbar ist, besteht die Möglichkeit, noch einmal grundsätzlich über die Zielsetzung nachzudenken.

Es geht nicht darum, eine internationale Jury gegen die Fans auszuspielen. Es geht auch nicht darum, Architektur nach einer Internetabstimmung zu beurteilen. Und schon gar nicht sollte eine einzelne Momentaufnahme darüber entscheiden, wie ein Bauwerk für die nächsten Jahrzehnte aussehen soll.

Aber die Reaktion der Fans zeigt, dass es eine Erwartung gibt, die ernst genommen werden sollte: Viele Menschen wünschen sich nicht lediglich ein funktionierendes Stadion, sondern eine Arena, mit der sie sich identifizieren können.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Ein Stadion kann technisch hervorragend geplant sein und trotzdem nicht automatisch zu einem emotionalen Mittelpunkt werden. Diese Verbindung entsteht erst, wenn Architektur, Ort, Verein und Menschen zusammenpassen.

Deshalb wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für eine große Vision

Wenn die Diskussion über das neue Maksimir tatsächlich noch einmal geöffnet wird, sollte Zagreb diese Gelegenheit nutzen. Dann sollte man nicht nur darüber sprechen, welcher Entwurf die besseren Tribünen besitzt oder welche architektonische Lösung überzeugender aussieht. Man sollte sich zuerst auf die Frage verständigen, welchen Anspruch dieses Stadion überhaupt erfüllen soll.

Unsere Antwort darauf ist klar: Wir würden uns wünschen, dass Zagreb den Mut hat, ein Projekt für mehrere Generationen zu denken.

Eine Arena mit 60.000 Sitzplätzen wäre dabei für uns kein Selbstzweck, sondern Ausdruck dieses Anspruchs. Sie wäre die Möglichkeit, aus dem neuen Maksimir eine große Fußballarena der Hauptstadt zu machen, die bei den wichtigsten Spielen des Landes und des Vereins ihre volle Dimension entfalten kann. Gleichzeitig müsste ein solches Projekt natürlich wirtschaftlich, verkehrstechnisch und städtebaulich verantwortbar sein.

Genau deshalb sollte darüber gesprochen werden.

Nicht erst dann, wenn wieder alles entschieden ist.

Sondern jetzt.


Denn das alte Maksimir bekommt nur einmal einen Nachfolger

Irgendwann wird das alte Stadion verschwinden. Das ist nach Jahrzehnten der Diskussion unvermeidbar. Mit ihm verschwindet ein Bauwerk, das zwar längst nicht mehr den Anforderungen des modernen Fußballs entspricht, dessen Geschichte aber untrennbar mit Zagreb verbunden ist.

Was danach kommt, wird diese Stadt für Jahrzehnte begleiten.

Vielleicht wird die entscheidende Frage deshalb irgendwann gar nicht mehr sein, welcher konkrete Entwurf 2026 den Architekturwettbewerb gewonnen hat. Vielleicht wird man später darauf zurückblicken und fragen, ob Zagreb damals die Gelegenheit erkannt hat, die sich ihm geboten hat.

Eine solche Gelegenheit gibt es nicht oft.

Eine Hauptstadt bekommt nicht alle paar Jahre die Möglichkeit, einen ihrer bedeutendsten Sportorte vollständig neu zu gestalten. Ein Verein wie Dinamo bekommt nicht alle Generationen eine neue Heimat. Und ein Land mit der internationalen Fußballgeschichte Kroatiens bekommt nicht ständig die Chance, seine sportliche Bedeutung auch architektonisch sichtbar zu machen.

Deshalb sollte der Anspruch entsprechend hoch sein.

Wir glauben, dass Zagreb mehr verdient als einen reinen Ersatz für das alte Maksimir. Die Stadt verdient ein Stadion, das ihre Entwicklung widerspiegelt, Dinamo verdient eine Arena, die seiner Geschichte und Bedeutung gerecht wird, und der kroatische Fußball verdient in seiner Hauptstadt eine Bühne, die auch international bestehen kann.

Ob es am Ende 35.000, 50.000 oder 60.000 Plätze werden, muss dabei anhand einer seriösen wirtschaftlichen und städtebaulichen Planung entschieden werden. Unsere Vision ist jedoch klar: Wir würden lieber heute mutig über ein Stadion für die nächsten fünfzig Jahre diskutieren, als in zwanzig Jahren feststellen zu müssen, dass Zagreb schon bei seiner größten Chance wieder zu klein gedacht hat.

Das neue Maksimir sollte deshalb nicht lediglich die Antwort auf ein jahrzehntealtes bauliches Problem sein.

Es sollte eine Antwort auf die Frage sein, welches Zagreb die Stadt ihren kommenden Generationen hinterlassen möchte.

Und genau deshalb sagen wir:

Zagreb braucht nicht einfach nur ein neues Stadion. Zagreb braucht ein Wahrzeichen.

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