Neues Maksimir-Stadion in Zagreb: Alternativer Entwurf begeistert mit Bergdach und Mega-Bildschirm
Von Kroatien News Redaktion·30. Oktober 2026 um 20:03

Ein ukrainisches Architekturbüro hat seine Vision für das neue Maksimir-Stadion vorgestellt. Der Entwurf „Zagrebački greben“ sieht ein Dach mit Anklängen an die Berge rund um Zagreb, eine geschlossene Nordtribüne für die Bad Blue Boys und einen riesigen Medienbildschirm vor. Die geschätzten Kosten liegen bei rund 200 Millionen Euro.
Das neue Stadion Maksimir in Zagreb bleibt eines der meistdiskutierten Sportprojekte Kroatiens. Während der ausgewählte Entwurf des italienischen Architekturbüros VG13 Architects weiterhin für Diskussionen sorgt, hat nun auch das ukrainische Studio TVORZI seinen alternativen Vorschlag ausführlicher präsentiert. Besonders auffällig sind das von der Landschaft inspirierte Dach und die Gestaltung der Nordtribüne, auf der die treuesten Fans von Dinamo Zagreb stehen sollen.
Wichtig dabei: Der Entwurf von TVORZI hat den Architekturwettbewerb nicht gewonnen. Er zeigt eine alternative Vision für das Stadion und den angrenzenden Sportkomplex Svetice.
Ein Stadion, das an die Berge erinnern soll
Der Architekt und Mitgründer des Studios, Dmitrij Šakal, erklärte in einer ausführlichen Präsentation, dass Maksimir für ihn weit mehr als ein Fußballstadion sei. Ziel sei es gewesen, einen zusammenhängenden Sport- und Stadtraum zu schaffen, der eng mit Zagreb verbunden bleibt.
Das Projekt trägt den Namen „Zagrebački greben“, was sich sinngemäß als „Zagreber Gebirgskamm“ übersetzen lässt. Die äußere Gestaltung orientiert sich an der Medvednica, dem Gebirge nördlich der kroatischen Hauptstadt. Auch die historische Stadtentwicklung Zagrebs mit den Stadtteilen Kaptol und Gradec floss in die architektonischen Überlegungen ein.
Das Dach sollte trotz seiner leichten Seil- und Membrankonstruktion an eine Berglandschaft erinnern. Damit wollten die Planer dem Stadion ein unverwechselbares Erscheinungsbild geben, das nicht einfach auf eine andere Stadt übertragen werden könnte.
35.355 Plätze und vollständig überdachte Tribünen
Der alternative Entwurf sieht ein Stadion mit 35.355 Zuschauerplätzen vor. Sämtliche Tribünen wären überdacht, sodass die Zuschauer bei Regen besser geschützt wären.
Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Architekten der Nordtribüne. Sie sollte als geschlossener, kraftvoller Bereich gestaltet werden, der den Fans von Dinamo Zagreb eine möglichst intensive Atmosphäre bietet.
Ein riesiger Medienbildschirm hinter der Tribüne sollte die Stimmung bei Spielen zusätzlich verstärken. Außerhalb des Fußballbetriebs könnte die Fläche auch für Konzerte und andere Großveranstaltungen genutzt werden.
Nach Vorstellung der Planer wäre die digitale Infrastruktur damit nicht nur ein optisches Element, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen Konzepts.
200 Millionen Euro für Stadion und Sportkomplex
Die Kosten des Projekts werden auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Für mögliche Erweiterungen kalkulierte das Architekturbüro weitere 20 Millionen Euro.
Der Entwurf beschränkt sich nicht auf das Stadion selbst. Das Gesamtkonzept umfasst eine Fläche von etwa 23 Hektar und soll den Sportkomplex Svetice sowie die umliegenden Stadträume einbeziehen.
Die wirtschaftliche Grundlage sollte auf mehreren Einnahmequellen beruhen: Neben Fußballspielen und Eintrittskarten für Konzerte nannten die Architekten Gastronomie, Konferenzveranstaltungen, einen Vereinsmuseum, die Fußballakademie, Parkplätze und vermietbare Werbeflächen.
Laut Šakal ergaben die Berechnungen je nach Bewertungsmethode eine mögliche Amortisationszeit von sieben bis zehn Jahren nach Fertigstellung. Dabei handelt es sich um die Kalkulation der Projektverfasser, nicht um eine unabhängig bestätigte Prognose.
Die Stadionfrage bleibt umstritten
Die Zukunft von Maksimir beschäftigt Fans, Politik und Sportöffentlichkeit seit Jahren. Ende September 2026 wurde der Entwurf von VG13 Architects aus Italien zum Sieger des internationalen Wettbewerbs gekürt. Insgesamt waren 88 Vorschläge aus mehr als 20 Ländern eingereicht worden.
Die Entscheidung löste eine breite Debatte aus. Viele Fans und Bürger äußerten Kritik am ausgewählten Design. Auch die Frage, wie stark die Wünsche der Anhänger bei der weiteren Planung berücksichtigt werden sollen, ist weiterhin ein Thema.
Dinamo-Präsident Zvonimir Boban hatte nach der Bekanntgabe des Siegerentwurfs ebenfalls betont, dass die Bedenken vieler Fans ernst genommen werden müssten. Die Diskussion ist damit nicht allein eine Frage der Architektur, sondern auch der Identität des Vereins und seiner Anhängerschaft.
Der alternative Vorschlag von TVORZI zeigt, wie unterschiedlich ein modernes Maksimir gedacht werden kann: als reine Fußballarena oder als multifunktionaler Sport- und Veranstaltungsort, der stärker mit der Stadtlandschaft verbunden ist.
Wann könnte der Neubau beginnen?
Nach dem veröffentlichten Zeitplan der Stadt Zagreb sollen die Planungs- und Genehmigungsverfahren für das ausgewählte Projekt weitergeführt werden. Ein möglicher Baubeginn ist derzeit für 2029 vorgesehen; der Abriss des alten Stadions wird für 2027 erwartet.
Ob und in welcher Form Elemente anderer Entwürfe in die weitere Diskussion einfließen, ist offen. Der TVORZI-Vorschlag ist bislang eine alternative Konzeptidee und keine beschlossene Bauplanung.
Für Dinamo Zagreb und seine Anhänger bleibt die Hoffnung auf ein modernes Stadion bestehen. Ob das künftige Maksimir tatsächlich ein markantes Bergdach, eine riesige digitale Fanwand oder ganz andere architektonische Merkmale erhalten wird, entscheidet sich erst im weiteren Planungsprozess.



