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Rijeka will Bürger fürs Anzeigen von Müllsündern bezahlen – bis zu 660 Euro Belohnung

Von Kroatien News Redaktion·22. Oktober 2026 um 13:54

Rijeka will Bürger fürs Anzeigen von Müllsündern bezahlen – bis zu 660 Euro Belohnung

Wer in Rijeka beobachtet, wie jemand illegal Müll entsorgt, könnte dafür künftig Geld bekommen. Die kroatische Hafenstadt plant ein ungewöhnliches Modell: Bürger, die illegale Müllablagerungen melden und dabei helfen, die Verantwortlichen ausfindig zu machen, sollen mit der Hälfte der tatsächlich kassierten Geldstrafe belohnt werden. Bei einem Unternehmen könnte die Prämie bis zu 660 Euro betragen.

Mit dem Vorstoß will die Stadtverwaltung die illegale Entsorgung von Abfällen eindämmen und die Bevölkerung stärker in den Schutz öffentlicher Flächen einbeziehen. Die Regelung ist allerdings noch nicht in Kraft. Zunächst soll die Öffentlichkeit zu den geplanten Verfahrensregeln Stellung nehmen können.

Die Hälfte der kassierten Strafe geht an den Hinweisgeber

Das Prinzip klingt einfach: Wer beobachtet, dass jemand Müll verbotswidrig ablädt, soll den Vorfall bei der kommunalen Ordnungsbehörde melden können. Entscheidend ist jedoch, dass eine bloße Beschwerde nicht ausreicht.

Die Behörden müssen den Verstoß feststellen, den Verursacher identifizieren und eine Geldstrafe verhängen. Außerdem muss das Geld tatsächlich eingegangen sein. Erst dann soll die Person, die den entscheidenden Hinweis geliefert hat, die Hälfte der gezahlten Strafe erhalten.

Nach den derzeit genannten Bußgeldsätzen ergeben sich folgende mögliche Prämien:

  • 130 Euro bei einer eingezogenen Geldstrafe von 260 Euro
  • 330 Euro bei einer eingezogenen Geldstrafe von 660 Euro
  • 660 Euro bei einer eingezogenen Geldstrafe von 1.320 Euro

Die Beträge hängen davon ab, welche Art von Verursacher belangt wird. Für Privatpersonen und verantwortliche Personen in Unternehmen beträgt die genannte Strafe 260 Euro. Für selbstständige Gewerbetreibende sind 660 Euro vorgesehen, für juristische Personen wie Unternehmen 1.320 Euro.

Die Höchstprämie von 660 Euro setzt somit voraus, dass ein Unternehmen mit der entsprechenden Strafe belegt wird und diese auch tatsächlich bezahlt.

Fotos, Videos und genaue Angaben sollen helfen

Damit die Behörden einen Fall verfolgen können, müssen die Hinweise nachvollziehbar sein. Nach den bisher veröffentlichten Informationen ist ein besonderes Meldeformular vorgesehen. Meldungen sollen unter anderem elektronisch, per Post oder persönlich bei der kommunalen Ordnungsbehörde eingereicht werden können.

Für die Beweissicherung sind konkrete Angaben zum Vorfall wichtig. Dazu können Fotos oder Videos, das Kennzeichen eines Fahrzeugs sowie Ort und Zeitpunkt der Müllentsorgung gehören. Ob die eingereichten Belege ausreichen, muss anschließend von den zuständigen Stellen geprüft werden.

Die Prämie soll nicht allein für das Melden einer vermuteten Verschmutzung gezahlt werden. Sie ist an den erfolgreichen Nachweis des Verstoßes, die Identifizierung des Verursachers und den tatsächlichen Eingang der Geldstrafe geknüpft.

Auch ganze Stadtviertel sollen profitieren

Die Stadtverwaltung denkt nicht nur an einzelne Hinweisgeber. Zusätzlich soll der Stadtteil beziehungsweise der örtliche Bezirksausschuss profitieren, in dessen Gebiet im Laufe eines Jahres die meisten Bürger erfolgreich eine Prämie erhalten.

Dieser Bezirk könnte zusätzliche Mittel für die Gestaltung und Pflege öffentlicher Flächen bekommen. Denkbar sind beispielsweise Begrünungsmaßnahmen, die Pflege von Grünanlagen oder die Verschönerung öffentlicher Plätze.

Damit verfolgt Rijeka zwei Ziele: Einerseits sollen diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die Abfälle illegal entsorgen. Andererseits soll die Bevölkerung einen Anreiz erhalten, sich aktiv für ein sauberes Wohnumfeld einzusetzen.

Die Grundlage wurde bereits 2025 beschlossen

Die Idee ist nicht völlig neu. Der Stadtrat von Rijeka beschloss bereits am 11. Dezember 2025 eine Regelung zur Verhinderung illegaler Müllablagerungen. Sie trat am 1. Januar 2026 in Kraft und sieht unter anderem Maßnahmen gegen unerlaubt entsorgte Abfälle vor.

Die nun vorgestellten Prämien sollen diese Grundlage praktisch umsetzen. Dafür müssen die genauen Bedingungen für Meldungen, Nachweise und Auszahlungen festgelegt werden. Vor der Einführung ist deshalb eine öffentliche Konsultation vorgesehen, in der Bürger und betroffene Stellen ihre Anmerkungen einbringen können.

Bereits bei der politischen Diskussion über das Modell gab es Bedenken. Kritiker warnten vor möglichen Missbräuchen und davor, dass finanzielle Anreize zu unnötigen oder falschen Anschuldigungen führen könnten. Die Stadtverwaltung setzt dagegen auf die Mitwirkung der Bevölkerung und darauf, dass klare Regeln die Umsetzung nachvollziehbar machen.


Rijeka kämpft mit großen Mengen an Sperrmüll

Der Vorstoß fällt in eine Zeit, in der die Abfallentsorgung die Stadt auch finanziell vor Herausforderungen stellt. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 wurden in Rijeka mehr als 9.000 Tonnen Sperrmüll gesammelt – fast 1.000 Tonnen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zugleich stiegen die Kosten für dessen Entsorgung um mehr als 17 Prozent.

Die Stadt plant deshalb insgesamt 450.000 Euro für den Umgang mit Sperrmüll ein. Davon sind 300.000 Euro für die Verbesserung eines Standorts im Stadtteil Pehlin vorgesehen, unter anderem für Asphaltierung, Brandschutz und Videoüberwachung. Weitere 150.000 Euro sollen die Kosten für die Behandlung und Entsorgung des Abfalls mitfinanzieren.

Ein weiteres Problem sind falsch geparkte Fahrzeuge, die Müllbehälter blockieren und dadurch die Arbeit der städtischen Entsorgung erschweren oder verhindern. Das kommunale Unternehmen Čistoća will deshalb mit einer Informationskampagne für mehr Rücksichtnahme werben. An besonders problematischen Stellen könnten später auch Sanktionen folgen.

Wird das Modell für andere kroatische Städte zum Vorbild?

Rijeka setzt mit der geplanten Belohnung auf einen finanziellen Anreiz, um illegale Müllentsorgung besser verfolgen zu können. Ob die Maßnahme tatsächlich zu weniger Abfall auf Straßen und Grünflächen führt, wird sich erst nach ihrer Einführung zeigen.

Entscheidend wird sein, dass die Regeln transparent sind, Hinweise sorgfältig geprüft werden und die Prämien ausschließlich bei nachgewiesenen Verstößen ausgezahlt werden. Gelingt das, könnte das Modell auch für andere kroatische Städte interessant werden, die mit illegalen Müllablagerungen und steigenden Entsorgungskosten zu kämpfen haben.

Foto: KI Symbolbild


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