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Thompson verzichtet auf mehr als eine Million Euro – Vukovar profitiert vom Konzert

Von Kroatien News Redaktion·10. September 2026 um 08:51

Thompson verzichtet auf mehr als eine Million Euro – Vukovar profitiert vom Konzert

Das Konzert von Marko Perković Thompson in Vukovar hat nicht nur zehntausende Menschen angezogen, sondern auch wirtschaftlich deutliche Spuren hinterlassen. Nun sorgt eine weitere Zahl für Aufmerksamkeit: Der kroatische Sänger verzichtet nach Angaben der Stadt auf seinen gesamten Nettogewinn von mehr als einer Million Euro. Bürgermeister Marijan Pavliček bedankt sich öffentlich und findet ungewöhnlich deutliche Worte für den Musiker.

Es ist eine Geste, die in Kroatien für Aufmerksamkeit sorgt: Marko Perković Thompson will den Gewinn seines großen Konzerts in Vukovar nicht für sich behalten. Nach Angaben der Stadt Vukovar beläuft sich der Nettogewinn der Veranstaltung auf 1.008.466 Euro. Das Geld soll stattdessen in konkrete Projekte fließen.

Ein Teil der Summe ist für den Bau des Stadions „12 hrvatskih redarstvenika“ in Vukovar vorgesehen. Ein weiterer Teil soll dem Projekt „Budi dio sna“ zugutekommen, mit dem der Bau eines Studentenwohnheims der Salesianer in Zagreb unterstützt werden soll.

Bürgermeister Marijan Pavliček reagierte auf die Entscheidung mit überschwänglichem Lob für den Sänger. Er bezeichnete dessen Verzicht auf den Gewinn als außergewöhnliche Geste und dankte Thompson öffentlich für die Entscheidung.

Doch die Geschichte des Konzerts ist größer als die Spende eines prominenten Musikers. Die Veranstaltung zeigt zugleich, welche wirtschaftliche Bedeutung ein solches Großereignis für eine Stadt wie Vukovar haben kann.

Ein Konzert bringt Bewegung in die Stadt

Am 29. August wurde Vukovar zum Treffpunkt für zahlreiche Besucher aus ganz Kroatien. Die Auswirkungen lassen sich inzwischen auch anhand der Zahlen der kroatischen Steuerverwaltung erkennen.

Am Konzerttag wurden in Vukovar 97.132 Rechnungen mit einem Gesamtwert von rund 1,75 Millionen Euro registriert. Zum Vergleich: Am selben Kalendertag des Vorjahres waren es lediglich 45.162 Rechnungen mit einem Gesamtwert von rund 702.000 Euro.

Der Unterschied ist erheblich. Der fiskalisierte Umsatz lag damit mehr als eine Million Euro über dem Vergleichswert des Vorjahres.

Natürlich lässt sich nicht jeder zusätzliche Euro ausschließlich auf das Konzert zurückführen. Dennoch ist der Zusammenhang offensichtlich: Eine Großveranstaltung, die zahlreiche Menschen in eine kleinere Stadt bringt, erzeugt zusätzliche Nachfrage bei Restaurants, Cafés, Geschäften, Unterkünften und anderen Dienstleistern.

Besonders deutlich wurde dieser Effekt in der Gastronomie.

Restaurants und Cafés erleben außergewöhnlichen Umsatzsprung

Nach Angaben der Steuerverwaltung wurden am Konzerttag allein in der Gastronomie mehr als 1,09 Millionen Euro Umsatz registriert. Im Vorjahr waren es am entsprechenden Tag lediglich rund 47.000 Euro gewesen.

Auch die Zahl der ausgestellten Rechnungen zeigt die Dimension des Ereignisses. Statt gut 6.000 Rechnungen wurden diesmal mehr als 49.000 Rechnungen registriert.

Für die örtliche Gastronomie bedeutete der Konzerttag damit einen außergewöhnlichen Geschäftsschub.

Restaurants, Cafés, Bars und andere gastronomische Betriebe profitierten unmittelbar vom Zustrom der Besucher. Viele Menschen, die für das Konzert nach Vukovar kamen, verbrachten schließlich nicht nur die Stunden vor und während der Veranstaltung in der Stadt. Sie mussten essen, trinken und teilweise auch übernachten.

Gerade für eine Stadt, die nicht zu den großen kroatischen Küstenzentren des internationalen Massentourismus gehört, können solche Besucherströme einen erheblichen wirtschaftlichen Effekt haben.

Auch der Einzelhandel profitierte

Der Einfluss des Konzerts beschränkte sich allerdings nicht auf die Gastronomie.

Im Einzelhandel wurden am 29. August mehr als 37.900 Rechnungen mit einem Gesamtwert von rund 512.500 Euro registriert. Im Vorjahr waren es knapp 30.200 Rechnungen im Wert von rund 459.700 Euro gewesen.

Der Umsatz lag damit um rund 52.800 Euro über dem Vergleichswert.


Der Effekt fällt hier deutlich kleiner aus als in der Gastronomie. Das ist wenig überraschend. Besucher eines Konzerts geben einen großen Teil ihres Geldes für Essen, Getränke und die unmittelbare Veranstaltung aus. Trotzdem zeigt auch der Einzelhandel, dass eine solche Großveranstaltung über den Veranstaltungsort selbst hinaus wirtschaftliche Auswirkungen haben kann.

Für Vukovar ist das mehr als eine Tagesbilanz

Vukovar nimmt innerhalb Kroatiens eine besondere Stellung ein. Kaum eine andere Stadt ist so eng mit der Erinnerung an den kroatischen Unabhängigkeitskrieg verbunden.

Die Belagerung und Zerstörung der Stadt 1991 gehören zu den prägendsten Ereignissen der jüngeren kroatischen Geschichte. Vukovar wird deshalb bis heute vor allem als Symbol des kroatischen Widerstands und der Erinnerung wahrgenommen.

Das Thompson-Konzert fügt dieser Wahrnehmung eine weitere Dimension hinzu.

Für einen Tag wurde Vukovar nicht nur zum Ort des Gedenkens, sondern zum Zentrum eines riesigen musikalischen Ereignisses. Zehntausende Besucher kamen in die Stadt, die lokale Wirtschaft erhielt einen deutlichen Impuls und am Ende bleibt eine Million Euro für konkrete Projekte.

Pavliček bedankt sich bei Thompson

Bürgermeister Marijan Pavliček nahm die Nachricht zum Anlass, sich öffentlich bei Thompson zu bedanken.

Besonders hebt er hervor, dass der Sänger auf einen Gewinn von mehr als einer Million Euro verzichtet. In seiner Reaktion würdigt Pavliček Thompson als einen Menschen, der mit seiner Entscheidung Verantwortung übernehme und der Stadt beziehungsweise sozialen Projekten etwas zurückgebe.

Das Verhältnis zwischen dem Bürgermeister und dem Sänger ist dabei nicht erst durch die Spende entstanden.

Pavliček hatte Thompson bereits zuvor ausdrücklich nach Vukovar eingeladen. Nachdem es in Zagreb Diskussionen über die Genehmigung beziehungsweise Durchführung von Großkonzerten des Sängers gegeben hatte, hatte der Bürgermeister Vukovar als möglichen Veranstaltungsort ins Spiel gebracht.

Das Konzert war damit von Anfang an auch politisch und gesellschaftlich aufgeladen.

Thompson bleibt eine umstrittene Figur

Marko Perković Thompson gehört zu den bekanntesten kroatischen Musikern. Seine Lieder sind für viele seiner Anhänger eng mit Patriotismus, Religion, dem kroatischen Unabhängigkeitskrieg und der nationalen Identität verbunden.

Gleichzeitig ist Thompson seit vielen Jahren eine kontroverse Figur. Kritiker werfen ihm beziehungsweise Teilen seines Umfelds vor, mit Symbolen und historischen Bezügen zu arbeiten, die mit der faschistischen Ustascha-Bewegung verbunden werden. Seine Auftritte sorgen deshalb regelmäßig für politische Debatten.

Auch das Konzert in Vukovar muss vor diesem Hintergrund betrachtet werden.

Die aktuelle Spendenentscheidung ist davon allerdings zunächst unabhängig zu bewerten. Dass Thompson seinen Nettogewinn für konkrete Projekte zur Verfügung stellt, ist eine Tatsache. Ebenso sind die von der Steuerverwaltung veröffentlichten Umsatz- und Rechnungszahlen konkrete Daten.

Die politische Bewertung des Sängers bleibt davon getrennt.

Wohin die mehr als eine Million Euro fließen

Besonders interessant ist, dass die Einnahmen nicht für ein einziges Projekt verwendet werden sollen.

Ein Teil des Geldes fließt in den Bau des Stadions „12 hrvatskih redarstvenika“ in Vukovar. Der Name erinnert an zwölf kroatische Polizisten, die während des Krieges getötet wurden. Das Stadionprojekt besitzt deshalb neben seiner sportlichen auch eine starke erinnerungspolitische Bedeutung.

Der zweite Teil geht an das Projekt „Budi dio sna“. Dabei handelt es sich um ein Vorhaben der Salesianer in Zagreb, bei dem ein Studentenwohnheim fertiggestellt werden soll.

Aus einem Konzert entstehen damit Investitionen in zwei sehr unterschiedliche Bereiche: Sport und lokale Infrastruktur in Vukovar auf der einen Seite, Bildung und studentisches Wohnen in Zagreb auf der anderen.

Großveranstaltungen können Städte verändern

Die Entwicklung in Vukovar zeigt dabei ein grundsätzlich interessantes Phänomen.

Großkonzerte sind für Städte zunächst eine logistische Herausforderung. Besucher müssen anreisen, untergebracht und versorgt werden. Straßen und öffentliche Verkehrsmittel werden stärker belastet, Sicherheitsmaßnahmen müssen organisiert werden und die Stadt benötigt zusätzliche Infrastruktur.

Doch auf der anderen Seite steht ein erheblicher wirtschaftlicher Effekt.

Hotels und Ferienwohnungen können zusätzliche Gäste aufnehmen. Restaurants und Cafés profitieren von höheren Besucherzahlen. Geschäfte verkaufen mehr. Taxifahrer, Veranstalter und zahlreiche weitere Dienstleister verdienen an den zusätzlichen Gästen.

Hinzu kommt der Werbeeffekt.

Menschen, die eine Stadt zum ersten Mal besuchen, können später als Touristen zurückkehren.

Für Vukovar könnte dieser Aspekt besonders interessant sein. Die Stadt besitzt mit ihrer Geschichte bereits eine starke touristische Identität. Großveranstaltungen können dazu beitragen, ein weiteres Bild der Stadt zu etablieren.

Eine ungewöhnliche Bilanz für einen einzigen Abend

Das Thompson-Konzert hinterlässt deshalb eine bemerkenswerte Bilanz.

Mehr als eine Million Euro Nettogewinn sollen in konkrete Projekte fließen. Gleichzeitig wurden in der Stadt am Veranstaltungstag Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 1,75 Millionen Euro fiskalisiert.

Noch beeindruckender ist der Blick auf die Gastronomie: Mehr als 1,09 Millionen Euro Umsatz wurden dort an diesem Tag registriert.

Damit wurde aus einem Konzert nicht nur ein kulturelles Großereignis, sondern auch ein kurzfristiger Wirtschaftsfaktor für Vukovar.

Ob sich daraus langfristig weitere touristische Effekte entwickeln, wird sich erst zeigen. Die Zahlen des Konzerttages machen jedoch deutlich, welches Potenzial große Veranstaltungen für kleinere Städte besitzen können.

Vukovar bekommt mehr als ein Konzert

Für Bürgermeister Pavliček ist die Sache klar: Er sieht in Thompsons Verzicht auf den Gewinn eine außergewöhnliche Geste und bedankt sich dafür öffentlich beim Sänger.

Für Vukovar dürfte jedoch noch etwas anderes entscheidend sein.

Die Stadt hat gezeigt, dass sie ein Großereignis dieser Größenordnung durchführen kann. Gleichzeitig fließt ein erheblicher Teil der wirtschaftlichen Erträge in Projekte zurück, die langfristig sichtbar bleiben sollen.

Das Stadion wird bleiben. Das Studentenwohnheim in Zagreb wird bleiben. Und möglicherweise werden auch einige der Besucher, die Vukovar erstmals wegen eines Konzerts besucht haben, irgendwann wiederkommen.

So könnte das Konzert am Ende eine Wirkung entfalten, die weit über einen einzigen Abend hinausgeht.

Thompson hat in Vukovar nicht nur vor einem großen Publikum gesungen. Sein Konzert hat der Stadt einen erheblichen wirtschaftlichen Impuls gegeben – und mehr als eine Million Euro für konkrete Projekte hinterlassen.

Foto: Marijan Pavliček / Facebook

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