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18. September: Kroatien feiert den Tag der Marine – und erinnert an einen Sieg von 887

Von Kroatien News Redaktion·18. September 2026 um 09:20

18. September: Kroatien feiert den Tag der Marine – und erinnert an einen Sieg von 887

Am 18. September begeht Kroatien den Tag der kroatischen Marine (Dan Hrvatske ratne mornarice). Das Datum erinnert an eine Seeschlacht, die sich am 18. September 887 im Raum von Makarska ereignete. Damals besiegten die Neretvaner eine venezianische Flotte und töteten den venezianischen Dogen Pietro I. Candiano.

Die Schlacht gehört heute zur kroatischen maritimen Erinnerung. Gleichzeitig wirft sie eine interessante historische Frage auf: Wer waren die Menschen, die Venedig damals besiegten – und kann man sie tatsächlich als Kroaten bezeichnen?

Eine Schlacht vor Makarska

Im 9. Jahrhundert war die östliche Adriaküste politisch keineswegs so klar aufgeteilt, wie man es aus heutiger Perspektive vielleicht vermuten könnte. Zwischen der Cetina und der Neretva bestand die Neretvanische Fürstentum, das auch mehrere Inseln kontrollierte, darunter Brač, Hvar, Korčula und Mljet.

Venedig versuchte damals, seinen Einfluss auf der östlichen Adriaküste auszubauen. Der venezianische Doge Pietro I. Candiano brach deshalb mit zwölf Schiffen zu einem Feldzug gegen die Neretvaner auf.

Die venezianischen Truppen landeten im Raum der heutigen Makarska-Riviera und gingen zunächst erfolgreich gegen die örtliche Bevölkerung vor.

Doch die Neretvaner schlugen zurück.

Die venezianische Armee geriet zunehmend unter Druck und musste sich zu ihren Schiffen zurückziehen. Der Doge selbst versuchte zu fliehen, wurde jedoch gefasst und am 18. September 887 getötet. Nur ein kleiner Teil der venezianischen Truppen erreichte anschließend auf einem beschädigten Schiff die Heimat.

Wer waren die Neretvaner?

Genau an diesem Punkt wird die Geschichte besonders interessant.

Die historischen Quellen unterscheiden zwischen Kroaten und Neretvanern. Der venezianische Chronist Johannes Diaconus, eine der wichtigsten Quellen für die Ereignisse, bezeichnete die Neretvaner als eigene Gruppe.

Auch die kroatische Enzyklopädie des Lexikographischen Instituts Miroslav Krleža führt die Neretvaner als eigenständige politische und ethnische Gemeinschaft auf. Sie bezeichnet sie nicht einfach als Synonym für Kroaten.

Die Neretvaner – auch Neretljani oder Narentani genannt – waren slawischer Herkunft und lebten zwischen Cetina und Neretva sowie auf den umliegenden Inseln. Als eigenständiger politischer Akteur werden sie in den Quellen bereits im 9. Jahrhundert erwähnt.

Ihre politische Gemeinschaft bestand über längere Zeit und verschwand erst im Verlauf des Mittelalters als eigenständige Größe aus den Quellen.

Moderne Begriffe lassen sich nicht einfach übertragen

Die Frage, ob die Neretvaner von 887 „Kroaten“ waren, lässt sich deshalb nicht mit den Kategorien beantworten, die wir heute für nationale Identität verwenden.

Im 9. Jahrhundert existierten weder Nationalstaaten im modernen Sinn noch einheitliche Vorstellungen von Nationalität, wie wir sie heute kennen.

Die Menschen in der Region waren Slawen und standen in engem kulturellen und geografischen Zusammenhang mit anderen slawischen Gemeinschaften an der östlichen Adriaküste. Gleichzeitig bildeten die Neretvaner eine eigene politische Gemeinschaft.

Deshalb wäre es historisch problematisch, die damalige Bevölkerung einfach mit der modernen kroatischen Nation gleichzusetzen.

Wann wurde das Gebiet Teil Kroatiens?

Auch die spätere Entwicklung lässt sich nicht auf einen einzigen Zeitpunkt reduzieren.

Die Quellen deuten darauf hin, dass das Gebiet der ehemaligen Neretvanischen Fürstentums nach dem Jahr 1000 zunehmend in den kroatischen Herrschaftsbereich einbezogen wurde. Besonders für das 11. Jahrhundert gibt es Hinweise auf eine stärkere Verbindung mit dem kroatischen Königreich.

Nach Angaben der kroatischen Enzyklopädie wurde die ehemalige Neretvanische Fürstentum schließlich nach 1050 Teil Kroatiens. Lokale Amtsträger erscheinen später im Umfeld des kroatischen Königs Zvonimir.

Damit wurde aus einem ehemals eigenständigen politischen Raum schrittweise ein Bestandteil des kroatischen Herrschaftsgebiets.

Warum ist die Schlacht heute der Tag der kroatischen Marine?

Die Seeschlacht von 887 besitzt in Kroatien eine besondere symbolische Bedeutung. Seit 1991 wird der 18. September als Tag der kroatischen Marine begangen.

In Makarska wird die Erinnerung an die Schlacht besonders gepflegt. Dort finden regelmäßig Gedenkveranstaltungen und Nachstellungen des historischen Seegefechts statt. Auch heute, am 18. September 2026, erinnert die Stadt mit einem umfangreichen Programm an die Schlacht von 887. Geplant sind unter anderem eine Kranzniederlegung an der Gedenktafel zur Seeschlacht sowie eine historische Nachstellung im Hafen.

Damit verbindet der heutige Feiertag die moderne kroatische Marine mit einer mehr als tausend Jahre zurückliegenden Episode der Adriageschichte.

Ein kroatischer Gedenktag mit einer komplizierten Geschichte

Die Schlacht von Makarska ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich historische Ereignisse betrachtet werden können.


Aus heutiger kroatischer Perspektive steht der 18. September für einen bedeutenden Sieg einer slawischen Seemacht über Venedig und ist eng mit der Geschichte der kroatischen Marine verbunden.

Historisch genauer muss man jedoch zwischen der heutigen kroatischen Identität und der politischen Realität des 9. Jahrhunderts unterscheiden. Die Quellen nennen die damaligen Kämpfer Neretvaner, nicht einfach Kroaten.

Das schmälert nicht die Bedeutung der Schlacht für die Geschichte des heutigen kroatischen Raums. Im Gegenteil: Gerade die Entwicklung von den eigenständigen Neretvanern über die mittelalterliche Einbindung in das kroatische Königreich bis zur modernen kroatischen Marine macht die Geschichte so interessant.

Am 18. September 887 wurde vor Makarska ein venezianischer Feldzug entscheidend geschlagen. Mehr als 1.100 Jahre später erinnert Kroatien am selben Datum mit dem Tag der Marine an seine maritime Geschichte.

Foto: Marko Lukunić / Pixsell


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