Benzin in Kroatien könnte ab Dienstag erneut günstiger werden – warum geht das in Deutschland nicht genauso?
Von Kroatien News Redaktion·25. Oktober 2026 um 11:21

Autofahrer in Kroatien können auf eine Entlastung hoffen: Der Preis für Eurosuper 95 könnte ab Dienstag, dem 27. Oktober, um acht Cent pro Liter sinken. Diesel soll dagegen unverändert bleiben. Doch warum kann die kroatische Regierung Höchstpreise festlegen, während die Spritpreise in Deutschland weitgehend vom Markt bestimmt werden?
Gute Nachrichten für Autofahrer in Kroatien: Ab Dienstag könnte normales Benzin spürbar günstiger werden. Nach bislang unbestätigten Informationen soll der Höchstpreis für Eurosuper 95 von derzeit 1,73 Euro auf 1,65 Euro pro Liter sinken.
Noch ist die Preissenkung allerdings nicht offiziell beschlossen. Die kroatische Regierung will am Montag, dem 26. Oktober, über die neuen Kraftstoffpreise entscheiden. Erst danach steht fest, ob die angekündigte Entlastung tatsächlich kommt.
Diese Preise sind im Gespräch
Sollte die angekündigte Änderung bestätigt werden, könnten ab Dienstag folgende Höchstpreise gelten:
- Eurosuper 95: 1,65 Euro pro Liter statt bisher 1,73 Euro
- Diesel: weiterhin 1,87 Euro pro Liter
- Blauer Diesel: weiterhin 1,43 Euro pro Liter
Die Angaben sind vorläufig. Außerdem können die tatsächlich verlangten Preise je nach Tankstelle und Kraftstoffprodukt abweichen.
Für Autofahrer würde die mögliche Senkung durchaus einen Unterschied machen: Bei einer Tankfüllung von 50 Litern ließen sich vier Euro sparen. Bei 60 Litern wären es 4,80 Euro.
Warum kann Kroatien die Spritpreise regulieren?
Die kroatische Regierung legt seit Monaten regelmäßig Höchstpreise für bestimmte Kraftstoffe fest. Die Preise werden anhand einer Formel berechnet, die unter anderem die Entwicklung der Einkaufspreise für Kraftstoffe im vorherigen Sieben-Tage-Zeitraum berücksichtigt. Auch die zulässigen Gewinnmargen und staatlichen Abgaben fließen in die Berechnung ein.
Die Regierung überprüft die Regelung wöchentlich und kann die Höchstpreise an die aktuelle Entwicklung anpassen. Die jeweils beschlossenen Preise gelten für einen begrenzten Zeitraum.
Das Ziel: Starke Preissteigerungen sollen abgefedert werden, damit sich Veränderungen auf den internationalen Energiemärkten nicht vollständig und unmittelbar an den Tankstellen niederschlagen.
Die Regulierung bedeutet allerdings nicht, dass Kraftstoff dauerhaft billig bleibt. Steigen die Einkaufskosten stark, kann auch der staatlich festgelegte Höchstpreis steigen. Der Staat begrenzt damit vor allem die kurzfristige Preisentwicklung, kann die Kosten für Öl und Kraftstoff aber nicht beliebig beeinflussen.
Und warum geht das in Deutschland nicht genauso?
Die Frage stellen sich viele Autofahrer in Deutschland, wenn sie die Preise an den Tankstellen sehen. Grundsätzlich könnte auch Deutschland stärker in die Preisbildung eingreifen. Die Bundesregierung setzt jedoch auf andere Instrumente als eine regelmäßig erneuerte Preisobergrenze nach kroatischem Vorbild.
Der Preis an deutschen Tankstellen setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: Dazu gehören die Kosten für Rohöl und Verarbeitung, Transport und Vertrieb, die Margen der Unternehmen sowie Steuern und Abgaben. Besonders relevant sind die Energiesteuer, die Mehrwertsteuer und die CO₂-Bepreisung.
Deutschland kann die Kosten für Autofahrer durch Steuersenkungen oder andere Maßnahmen beeinflussen. Eine Senkung der Steuer garantiert aber nicht automatisch, dass der Preis an der Zapfsäule dauerhaft entsprechend fällt. Gleichzeitig können steigende Beschaffungskosten einen Teil der Entlastung wieder aufzehren.
Der Unterschied zu Kroatien liegt deshalb vor allem in der politischen Entscheidung: Kroatien setzt auf eine regelmäßige staatliche Begrenzung der Höchstpreise. Deutschland lässt die Preise grundsätzlich stärker durch den Markt bestimmen und greift vor allem über Steuern und zeitlich begrenzte Maßnahmen ein.
Würde ein kroatisches Modell auch in Deutschland funktionieren?
Eine Preisobergrenze könnte Autofahrer kurzfristig vor besonders starken Preissprüngen schützen. Sie wäre aber kein kostenloses Instrument.
Wird der zulässige Verkaufspreis zu niedrig angesetzt, könnten Tankstellen und Anbieter unter Druck geraten. Auch die Versorgung, der Wettbewerb und die Frage, wie sich die Einkaufskosten entwickeln, müssten berücksichtigt werden. Zudem wären die europäischen und nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen zu prüfen.
Eine Steuersenkung hat andere Vor- und Nachteile: Sie kann Verbraucher entlasten, kostet den Staat aber Einnahmen. Und sobald eine befristete Maßnahme ausläuft, kann die Belastung wieder steigen.
Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, dass das kroatische Modell automatisch besser wäre. Es zeigt jedoch, dass eine Regierung die Kraftstoffpreise stärker begrenzen kann, wenn sie sich politisch dafür entscheidet und die wirtschaftlichen Folgen in Kauf nimmt.
Was bedeutet das für Urlauber in Kroatien?
Deutsche Urlauber, die in den kommenden Tagen durch Kroatien fahren, sollten die offizielle Preisentscheidung am Montag abwarten. Wird die Senkung bestätigt, gilt der neue Höchstpreis voraussichtlich ab Dienstag, dem 27. Oktober.
Vor dem Tanken lohnt sich außerdem ein Preisvergleich: Nicht jede Tankstelle verlangt für jedes Kraftstoffprodukt denselben Preis. Insbesondere an Autobahnen können die Preise höher liegen als an Tankstellen abseits der Hauptverkehrsachsen.
Fazit: Kroatien könnte den Preis für Eurosuper 95 ab Dienstag um acht Cent pro Liter senken. Noch ist die Entscheidung nicht offiziell bestätigt. Der Vergleich mit Deutschland zeigt, dass staatliche Eingriffe in die Spritpreise möglich sind – die Frage ist, welches Modell Verbraucher wirksam entlastet und welche wirtschaftlichen Folgen damit verbunden sind.
Foto: INA dd



