Altersarmut in Kroatien: 36,3 Prozent der Rentner gefährdet – bei alleinlebenden Senioren sogar 64,4 Prozent
Von Kroatien News Redaktion·17. Oktober 2026 um 10:18

Die finanzielle Lage vieler Rentner in Kroatien bleibt alarmierend. Mehr als ein Drittel der Rentner ist von Armut bedroht. Besonders dramatisch ist die Situation für ältere Menschen, die allein leben: In dieser Gruppe liegt die Armutsgefährdungsquote bei 64,4 Prozent. Ein Vergleich mit Deutschland zeigt, wie unterschiedlich die soziale Lage älterer Menschen in beiden Ländern ausfällt.
Wer in Kroatien nach einem langen Arbeitsleben in Rente geht, kann nicht automatisch auf einen finanziell abgesicherten Lebensabend hoffen. Die neuesten Daten des kroatischen Statistikamtes für 2025 zeichnen ein ernüchterndes Bild: 36,3 Prozent der Rentner sind armutsgefährdet. Bei Frauen unter den Rentnern liegt die Quote mit 39,2 Prozent sogar höher als bei Männern mit 32,8 Prozent.
Besonders prekär ist die Situation für ältere Menschen, die ihren Haushalt allein führen. Nach den kroatischen Statistiken waren 2025 insgesamt 64,4 Prozent der alleinlebenden Menschen ab 65 Jahren von Armut bedroht. Damit gehört diese Gruppe zu den am stärksten gefährdeten Teilen der Bevölkerung.
Die Zahlen machen deutlich, dass Altersarmut in Kroatien kein Randproblem ist. Sie betrifft Menschen, deren Einkommen häufig kaum Spielraum für unerwartete Ausgaben lässt – etwa für Medikamente, Energie, Lebensmittel oder notwendige Reparaturen.
Alleinlebende Senioren besonders stark betroffen
Das Armutsrisiko steigt deutlich, wenn ältere Menschen allein leben und ihre laufenden Kosten nicht mit einer weiteren Person teilen können. Miete, Strom, Heizung, Lebensmittel und andere Ausgaben müssen dann aus einem einzigen Einkommen bezahlt werden.
Die kroatischen Daten zeigen außerdem, dass Frauen besonders häufig betroffen sind. Bei alleinlebenden Haushalten von Frauen lag die Armutsgefährdungsquote 2025 bei 58,8 Prozent. Das betrifft nicht ausschließlich Rentnerinnen, verdeutlicht aber die wirtschaftlichen Risiken, denen alleinlebende Frauen ausgesetzt sind.
Ein wesentlicher Hintergrund ist, dass die spätere Rentenhöhe stark von der Erwerbsbiografie abhängt. Wer lange Zeit mit niedrigem Einkommen gearbeitet hat, unterbrochene Beschäftigungszeiten aufweist oder wegen familiärer Verpflichtungen weniger verdient hat, verfügt im Alter häufig über geringere finanzielle Rücklagen.
Deutschland im Vergleich: Deutlich niedrigere Armutsgefährdung
Auch in Deutschland ist Altersarmut ein ernstes gesellschaftliches Problem. Die Größenordnung fällt jedoch deutlich niedriger aus als in Kroatien.
Nach den endgültigen Ergebnissen der europäischen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen für 2025 waren in Deutschland 19,5 Prozent der Menschen ab 65 Jahren armutsgefährdet. In Kroatien lag die Armutsgefährdungsquote für Rentner bei 36,3 Prozent. Die Werte beziehen sich allerdings auf unterschiedliche Personengruppen und sind deshalb nicht vollständig direkt vergleichbar.

Quellen und Bezugsgrößen: Kroatisches Statistikamt, Daten für 2025; Statistisches Bundesamt und Eurostat. Die Werte für Rentner und für Menschen ab 65 Jahren beruhen auf unterschiedlichen statistischen Abgrenzungen.
Auch beim Vergleich der Gesamtbevölkerung liegt Kroatien über Deutschland. Die Armutsgefährdungsquote betrug 2025 in Kroatien 20,3 Prozent, während sie in Deutschland bei 16,1 Prozent lag.
Die Zahlen zeigen: Das Risiko, mit einem niedrigen Einkommen auskommen zu müssen, ist in Kroatien insgesamt höher. Besonders deutlich wird der Unterschied bei älteren Menschen, die von einer Rente leben und keine weiteren Einkommensquellen haben.
Was bedeutet „armutsgefährdet“ überhaupt?
Die statistische Armutsgefährdung bedeutet nicht zwangsläufig, dass jemand ohne Wohnung oder ohne Lebensmittel dasteht. Nach der in der EU verwendeten Definition gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn ihr verfügbares Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens im jeweiligen Land beträgt.
Die Schwelle hängt damit vom nationalen Einkommensniveau ab. Sie ist keine einheitliche Summe für ganz Europa. Deshalb lässt sich aus den Prozentwerten allein nicht unmittelbar ableiten, wie viel Geld einem Rentner in Kroatien oder Deutschland monatlich zur Verfügung steht.
Für Deutschland lag die Armutsgefährdungsschwelle für einen alleinlebenden Menschen 2025 bei 1.445 Euro netto im Monat. In Kroatien gilt eine andere Einkommensschwelle, die sich am dortigen Einkommensniveau orientiert.
Niedrige Renten und steigende Lebenshaltungskosten
Ein wesentlicher Belastungsfaktor für kroatische Rentner sind die laufenden Lebenshaltungskosten. Selbst wenn Renten im Laufe der Zeit erhöht werden, können steigende Preise für Lebensmittel, Energie, Medikamente und Dienstleistungen einen großen Teil dieser Zuwächse aufzehren.
Besonders schwierig ist die Situation für Menschen, die keine Ersparnisse besitzen, keine zusätzliche Unterstützung aus der Familie erhalten und im Alter mit gesundheitlichen Einschränkungen konfrontiert sind. Schon eine unerwartete Rechnung kann dann zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden.
Hinzu kommt, dass die Eigentumsverhältnisse allein nur bedingt Auskunft über die tatsächliche finanzielle Sicherheit geben. Wer in einer eigenen Immobilie lebt, muss zwar möglicherweise keine Miete zahlen, benötigt aber weiterhin Geld für Nebenkosten, Instandhaltung und den täglichen Bedarf.
Eine zentrale Herausforderung für Kroatiens Sozialpolitik
Die Daten verdeutlichen, wie wichtig eine langfristige Strategie gegen Altersarmut ist. Dazu gehören angemessene Renten, gezielte Unterstützung für Menschen mit besonders niedrigen Einkommen und ein funktionierendes Netz sozialer Hilfen.
Besonders alleinlebende ältere Menschen benötigen Aufmerksamkeit, weil sie ihre Ausgaben nicht mit einem Partner teilen können und im Alltag häufiger auf sich allein gestellt sind. Auch die finanzielle Situation älterer Frauen verdient besondere Beachtung.
Der Vergleich mit Deutschland zeigt zugleich, dass Altersarmut kein ausschließlich kroatisches Problem ist. Allerdings liegt das Risiko in Kroatien deutlich höher. Für viele Rentner entscheidet sich damit jeden Monat aufs Neue, ob das Einkommen nicht nur für die Grundversorgung, sondern auch für ein Leben mit ausreichend sozialer Teilhabe reicht.
Die alarmierendste Zahl bleibt die Situation alleinlebender Senioren: Fast zwei Drittel dieser Gruppe in Kroatien sind von Armut bedroht. Sie macht deutlich, dass ein langes Arbeitsleben allein keine Garantie für finanzielle Sicherheit im Alter ist.



