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Gasaffäre bei INA: Kroatisches Gericht bestätigt Anklage wegen 160 Millionen Euro

Von Kroatien News Redaktion·28. Oktober 2026 um 18:58

Gasaffäre bei INA: Kroatisches Gericht bestätigt Anklage wegen 160 Millionen Euro

Eine der größten Wirtschaftsskandale der jüngeren kroatischen Geschichte geht in die nächste Phase: Im Fall des Energiekonzerns INA hat ein Gericht in Zagreb die Anklage bestätigt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, mit dem Weiterverkauf von Erdgas einen Schaden von rund 160 Millionen Euro verursacht zu haben. Nun kann der Prozess beginnen.

Der kroatische Energiekonzern INA steht erneut im Mittelpunkt eines der größten Korruptionsverfahren des Landes. Am Mittwoch, dem 28. Oktober 2026, bestätigte das zuständige Gericht in Zagreb die Anklage in der sogenannten Gasaffäre. Damit ist der Weg für den anstehenden Prozess gegen die verbliebenen Beschuldigten frei.

Im Kern geht es um den Vorwurf, dass Erdgas über einen längeren Zeitraum zu ungewöhnlich günstigen, zuvor vereinbarten Preisen von INA gekauft und anschließend zu deutlich höheren Marktpreisen weiterverkauft wurde. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll dadurch ein finanzieller Schaden von rund 160 Millionen Euro entstanden sein.

Der Fall hatte im August 2022 für große Aufregung in Kroatien gesorgt. Die Dimension der mutmaßlichen Gewinne und die Beteiligung von Personen aus dem Umfeld des Energiekonzerns machten die Affäre zu einem der meistbeachteten Wirtschafts- und Korruptionsfälle des Landes.

Gas für 19,50 Euro gekauft und für bis zu 346 Euro verkauft

Nach den Vorwürfen der kroatischen Antikorruptionsstaatsanwaltschaft USKOK sollen die Geschäfte zwischen August 2020 und Ende August 2022 abgewickelt worden sein. In dieser Zeit stiegen die Energiepreise auf den europäischen Märkten erheblich.

Die Beschuldigten sollen diese Entwicklung ausgenutzt haben: Gas, das von INA zu vereinbarten Vorzugspreisen bezogen wurde, sei anschließend über zwischengeschaltete Unternehmen zu deutlich höheren Preisen weiterverkauft worden.

Ein besonders auffälliges Beispiel aus der Anklage verdeutlicht die Dimension der Preisunterschiede. Demnach soll Erdgas teilweise für 19,50 Euro pro Megawattstunde eingekauft und später für bis zu 346 Euro verkauft worden sein.

USKOK beziffert den mutmaßlich unrechtmäßig erzielten Vermögensvorteil auf rund 158 Millionen Euro. Der INA entstandene Schaden wird in den Berichten mit rund 160 Millionen Euro angegeben.

Wichtig ist dabei: Es handelt sich um Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Ob und in welchem Umfang die Beschuldigten strafrechtlich verantwortlich sind, muss das Gericht im Verfahren klären.

Wie der Konzern zum Zentrum der Affäre wurde

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der Verdacht, dass die günstigen Gaslieferungen innerhalb des Unternehmens ermöglicht und anschließend über weitere Firmen gewinnbringend weiterverkauft wurden.

Nach Darstellung der Anklage soll ein damaliger leitender Manager von INA seine Position genutzt haben, um die Lieferung des Gases an ein Handelsunternehmen zu ermöglichen. Dieses Unternehmen soll das Gas anschließend zu deutlich höheren Marktpreisen weiterverkauft haben.

Die Ermittler werfen den Beschuldigten außerdem vor, mit rückdatierten Dokumenten gearbeitet zu haben. Damit sollten die Geschäfte dem Anschein nach zu einem früheren Zeitpunkt vereinbart worden sein, als die Marktpreise noch niedriger lagen.

Auch die Verteilung und mögliche Verschleierung der erzielten Gewinne sind Gegenstand der Vorwürfe. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen dabei unter anderem Konten im familiären Umfeld eines Beschuldigten genutzt worden sein.

Die Anklage umfasst mehrere Personen aus dem Umfeld von INA sowie weitere Beteiligte und ein Unternehmen. Ein früherer Mitarbeiter hat inzwischen seine Schuld eingeräumt und eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft geschlossen. Gegen die übrigen Beschuldigten soll das Verfahren fortgesetzt werden.

Warum der Fall für Kroatien so brisant ist

INA gehört zu den bedeutenden Energieunternehmen Kroatiens und spielt eine wichtige Rolle bei der Versorgung des Landes mit Erdöl, Erdgas und Kraftstoffen. Der Konzern betreibt unter anderem Raffinerie- und Vertriebsaktivitäten und ist für die kroatische Wirtschaft von erheblicher Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund hat die Affäre weitreichende Folgen für das Vertrauen in die Unternehmensführung und die Kontrolle großer Energiegeschäfte. Der Vorwurf, dass durch den Weiterverkauf von Gas ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sein soll, macht den Fall besonders schwerwiegend.

Die Affäre wurde zudem in einer Zeit bekannt, in der hohe Energiepreise Haushalte und Unternehmen in ganz Europa belasteten. Während Verbraucher mit steigenden Kosten konfrontiert waren, sollen nach Darstellung der Staatsanwaltschaft einzelne Beteiligte von erheblichen Preisunterschieden profitiert haben.


Was die Bestätigung der Anklage bedeutet

Mit der Entscheidung des Gerichts ist eine wichtige Hürde im Verfahren genommen. Die Anklage wurde bereits im August 2024 erhoben. Nun kann der Prozess gegen die verbliebenen Beschuldigten vorbereitet und eröffnet werden.

Die Bestätigung bedeutet jedoch nicht, dass die Vorwürfe bereits bewiesen sind. Im Hauptverfahren müssen die Beweise geprüft, die Aussagen der Beteiligten bewertet und die jeweiligen Verantwortlichkeiten festgestellt werden.

Der Fall dürfte die kroatische Justiz und die Öffentlichkeit daher noch länger beschäftigen. Für INA geht es nicht nur um die Aufarbeitung eines mutmaßlichen finanziellen Schadens in Millionenhöhe, sondern auch um die Frage, wie solche Vorgänge innerhalb eines strategisch wichtigen Energiekonzerns möglich sein konnten.

Die Gasaffäre bleibt damit ein bedeutender Prüfstein für die Kontrolle staatlich relevanter Wirtschaftsbereiche und die Aufarbeitung von Korruptionsvorwürfen in Kroatien.

Foto: KI Symbolbild


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