Giftiger Kugelfisch vor Rijeka gefangen – Forscher warnt vor tödlicher Gefahr
Von Kroatien News Redaktion·18. September 2026 um 11:34

Ein ungewöhnlicher Fang vor Rijeka sorgt derzeit für Aufmerksamkeit und macht zugleich auf ein zunehmendes Problem in der Adria aufmerksam: den giftigen und invasiven Silberstreifen-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus).
Der Fischer Dražen Puškaš hatte einen rund 1,5 Kilogramm schweren Fisch gefangen. Zunächst wollte er das Tier wieder ins Meer zurücksetzen. Dank des Eingreifens des Meeresforschers Pero Ugarković und des Meeresliebhabers Andrej Simčić wurde der Kugelfisch jedoch gesichert und später dem Naturkundemuseum in Rijeka übergeben.
Für den Meeresforscher ist der Fund ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Art zunehmend in kroatischen Gewässern ausbreitet.
Forscher räumt mit gefährlichen Mythen auf
Nach dem Fang kursierten offenbar verschiedene Behauptungen über den Fisch. Besonders problematisch ist laut Ugarković der Vergleich mit dem japanischen Fugu.
Der Silberstreifen-Kugelfisch gehört demnach nicht zu den Kugelfischarten, deren Zubereitung in Japan erlaubt ist. Eine entsprechende Annahme könne deshalb lebensgefährlich sein.
Der Grund ist das hochgiftige Tetrodotoxin.
Besonders wichtig: Nicht nur einzelne Organe des Fisches sind gefährlich. Das Gift kann sich auch im Muskelfleisch und in der Haut befinden. Die Konzentration kann je nach Tier, Geschlecht und Jahreszeit unterschiedlich sein.
Der Fisch ist deshalb nicht zum Verzehr geeignet.
Nicht mit bloßen Händen vom Haken lösen
Auch beim Umgang mit einem gefangenen Kugelfisch ist Vorsicht geboten.
Nach Angaben des Forschers besteht durch eine einfache Berührung der Haut nicht unmittelbar eine relevante Vergiftungsgefahr. Trotzdem sollten nach dem Kontakt gründlich die Hände gewaschen und Augen, Mund sowie offene Wunden nicht berührt werden.
Eine wesentlich größere Gefahr geht von den außergewöhnlich kräftigen Zähnen des Tieres aus. Der Kugelfisch kann damit schwere Verletzungen verursachen.
Wer einen solchen Fisch an der Angel hat, sollte deshalb keinesfalls versuchen, ihn mit den Händen vom Haken zu lösen. Stattdessen sollten geeignete, möglichst lange Zangen verwendet werden.
Auch tote Exemplare dürfen nicht einfach am Strand zurückgelassen werden. Hunde, Katzen oder andere Tiere könnten den Fisch fressen und dadurch vergiftet werden.
In der Adria werden immer mehr Kugelfische registriert
Der Fund bei Rijeka ist kein Einzelfall. Laut Ugarković wurde der Silberstreifen-Kugelfisch bereits mehrfach in diesem Jahr in kroatischen Gewässern festgestellt.
Der Forscher geht davon aus, dass die Zahl der Tiere weiter zunehmen könnte. Als Beispiel verweist er auf die Situation im südlichen Ägäischen Meer, wo die Art bereits erhebliche Probleme für die Fischerei verursacht.
Der Kugelfisch ist dabei nicht nur wegen seines Giftes problematisch. Er ist ein räuberischer Fisch, der mit seinen kräftigen Zähnen verschiedene andere Meerestiere fressen kann.
Vier Kugelfischarten in der Adria
Nach Angaben des Forschers wurden in der Adria inzwischen vier Kugelfischarten nachgewiesen. Nur eine davon gilt als ursprünglich heimisch.
Im gesamten Mittelmeer sind mittlerweile 13 Kugelfischarten bekannt, von denen der überwiegende Teil nicht ursprünglich aus diesem Gebiet stammt.
Die Ausbreitung gebietsfremder Arten wird unter anderem mit der Erwärmung des Mittelmeers und den Veränderungen der marinen Ökosysteme in Verbindung gebracht.
Im östlichen Mittelmeer hat die Ausbreitung der Kugelfische bereits deutlich größere Ausmaße angenommen. Dort versuchen Fischer und Behörden seit Jahren, mit den Auswirkungen umzugehen.
Forscher sieht wirtschaftliche Nutzung als mögliche Lösung
Ugarković hält einen dauerhaften, staatlich finanzierten Fang der Tiere allerdings nicht für die beste langfristige Lösung.
Stattdessen sieht er Möglichkeiten, die Tiere wirtschaftlich zu verwerten. Untersucht werden demnach unter anderem die Nutzung der Haut, die Gewinnung von Kollagen und Fettsäuren sowie die Verarbeitung zu Fischmehl.
Das Gift müsste dabei selbstverständlich zuvor sicher entfernt werden.
Die Idee dahinter: Wenn aus dem Fang der invasiven Art ein wirtschaftlich interessantes Produkt entsteht, könnte der Markt selbst einen Anreiz schaffen, die Bestände zu reduzieren, ohne dass der Staat dauerhaft für den Fang bezahlen muss.
Ausrottung kaum realistisch
Eine vollständige Beseitigung der Art aus dem Mittelmeer hält der Forscher für praktisch unmöglich.
Der Silberstreifen-Kugelfisch ist sehr mobil und inzwischen über ein riesiges Gebiet verbreitet. Lokale Fangaktionen können deshalb zwar einzelne Tiere entfernen, dürften aber kaum ausreichen, um die Gesamtpopulation dauerhaft zu reduzieren.
Stattdessen müsse man sich zunehmend auf den Umgang mit der neuen Situation einstellen.
Was Fischer und Angler tun sollten
Für Fischer und Angler ist vor allem eines wichtig: Ein gefangener Silberstreifen-Kugelfisch sollte niemals gegessen werden.
Auch eine Weitergabe an Haustiere ist ausgeschlossen.
Gefangene Exemplare sollten möglichst sicher behandelt und den zuständigen wissenschaftlichen Einrichtungen gemeldet werden. Wertvolle Exemplare können für Forschungszwecke oder zur Dokumentation an geeignete Institutionen übergeben werden.
Der aktuelle Fisch aus dem Raum Rijeka wurde auf diese Weise dem Naturkundemuseum Rijeka übergeben.
Der Fund zeigt damit nicht nur die Gefahr durch eine hochgiftige Fischart, sondern auch eine größere Veränderung im Adriatischen Meer.
Der Silberstreifen-Kugelfisch kommt in kroatischen Gewässern zunehmend vor – und wer ihn fängt, sollte wissen: Dieser Fisch gehört weder auf den Teller noch in die Hände von Ungeübten.



