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Kroatien reagiert auf neue Energiekrise: Regierung kündigt Herbstpaket an

Von Kroatien News Redaktion·05. September 2026 um 14:27

Kroatien reagiert auf neue Energiekrise: Regierung kündigt Herbstpaket an

Die Energiepreise steigen, die Inflation zieht wieder an: Kroatiens Regierung bereitet ein neues Hilfspaket für Bürger und Unternehmen vor. Ministerpräsident Andrej Plenković kündigte Maßnahmen für die kommende Regierungssitzung an. Im Mittelpunkt stehen erneut Energiepreise, der Schutz der Kaufkraft und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Doch diesmal ist die Ausgangslage eine andere als während der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Kroatien bekommt es erneut mit steigenden Energiekosten zu tun.

Ministerpräsident Andrej Plenković hat für die nächste Sitzung seiner Regierung ein neues Herbstpaket zur Abfederung der Energiekrise angekündigt. Es soll sowohl private Haushalte als auch Unternehmen unterstützen und die Folgen der internationalen Energiepreisentwicklung begrenzen. Auslöser ist nach Darstellung der Regierung vor allem die angespannte Lage im Nahen Osten und der dadurch verstärkte Druck auf die internationalen Energiemärkte. (Poslovni Dnevnik)

Der Zeitpunkt ist politisch und wirtschaftlich heikel.

Denn gleichzeitig zieht die Inflation in Kroatien wieder an.

Nach Angaben des kroatischen Statistikamtes lag die jährliche Verbraucherpreisinflation im August 2026 bei 4,1 Prozent. Im Juli waren es noch 3,9 Prozent gewesen. Besonders stark stiegen die Energiepreise: Sie lagen im August 17,4 Prozent über dem Vorjahresmonat. Auch Dienstleistungen verteuerten sich deutlich – um 7,2 Prozent. (Poslovni Dnevnik)

Damit rückt ein Thema wieder in den Mittelpunkt, das die kroatische Regierung eigentlich schon hinter sich lassen wollte.

Die Energiepreise werden erneut zum Problem

Kroatien hatte in den vergangenen Jahren umfangreiche staatliche Maßnahmen ergriffen, um Haushalte und Unternehmen vor den Folgen der Energiekrise zu schützen.

Seit 2020 summiert sich der Umfang der verschiedenen staatlichen Hilfspakete nach Angaben von Plenković inzwischen auf rund neun Milliarden Euro. Noch im März 2026 hatte die Regierung ein weiteres Paket mit einem Volumen von 450 Millionen Euro beschlossen. Damals wurden unter anderem die Preise für Strom und Gas stabil gehalten und der Anstieg der Kraftstoffpreise begrenzt. (Vlada Hrvatske)

Nun deutet sich die nächste Intervention an.

Das zeigt zugleich, wie empfindlich die kroatische Wirtschaft auf internationale Energiepreisschocks reagiert.

Denn höhere Energiepreise treffen nicht nur Autofahrer und Haushalte. Sie erhöhen auch die Kosten für Unternehmen, Transporte, Hotels, Gastronomie, Landwirtschaft und Industrie.

Am Ende können sie sich über die gesamte Wirtschaft hinweg in höheren Preisen niederschlagen.

Inflation von 4,1 Prozent ist ein Warnsignal

Die aktuelle Inflationsrate ist zwar weit entfernt von den extremen Teuerungsraten der vergangenen Energiekrise. Sie liegt aber deutlich über dem Niveau, das sich eine Volkswirtschaft dauerhaft wünschen würde.

Besonders problematisch ist die Zusammensetzung der Preissteigerungen.

Wenn beispielsweise Energie teurer wird, steigen nicht nur die direkten Haushaltskosten. Unternehmen geben einen Teil ihrer höheren Kosten häufig weiter. Transportunternehmen müssen mehr für Kraftstoff bezahlen, Hotels benötigen mehr Energie, Restaurants haben höhere Betriebs- und Einkaufskosten.

So kann aus einem externen Energiepreisschock eine breitere Inflation entstehen.

Genau dieses Übergreifen auf andere Preise möchte die kroatische Regierung verhindern.

Plenković erklärte, die Regierung arbeite kontinuierlich daran, die Auswirkungen der internationalen Preissteigerungen abzufedern. Dadurch seien unter anderem Diesel, Benzin, Flüssiggas und andere Energieträger für Bürger und Wirtschaft günstiger, als sie es ohne staatliche Eingriffe wären. (Poslovni Dnevnik)

Was genau im neuen Herbstpaket steckt, ist noch offen

Wichtig ist: Das neue Paket war zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht endgültig beschlossen.

Plenković kündigte es für die nächste Regierungssitzung an. Die konkreten Maßnahmen sollen anschließend festgelegt werden. (Poslovni Dnevnik)

Die bisherigen Hilfspakete geben allerdings einen Hinweis darauf, welche Instrumente Zagreb erneut einsetzen könnte.

Dazu gehören insbesondere:

  • Preisbegrenzungen oder staatliche Eingriffe bei Strom und Gas,
  • Maßnahmen gegen starke Kraftstoffpreissteigerungen,
  • gezielte Unterstützung für besonders belastete Haushalte,
  • Hilfen für Unternehmen,
  • Maßnahmen für besonders energieintensive Bereiche.

Bereits im März hatte Kroatien Strom- und Gaspreise bis zum Herbst stabil gehalten und gleichzeitig den Anstieg der Kraftstoffpreise begrenzt. Außerdem wurden spezielle Hilfen für besonders gefährdete Energieverbraucher, Landwirtschaft, Fischerei und den Personenverkehr beschlossen. (Vlada Hrvatske)

Für Unternehmen geht es um mehr als die Stromrechnung

Für die kroatische Wirtschaft steht inzwischen eine zweite Frage im Mittelpunkt: Wie verhindert man, dass die Energiekrise die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beschädigt?

Kroatien ist stark vom Tourismus abhängig. Hotels, Ferienanlagen, Restaurants und andere touristische Betriebe benötigen erhebliche Mengen Energie – insbesondere während der Sommersaison.

Steigende Kosten können deshalb unmittelbar auf die Margen der Unternehmen durchschlagen.

Gleichzeitig können Betriebe die höheren Kosten nicht unbegrenzt an ihre Kunden weitergeben.

Ein Hotel, das seine Preise stark erhöhen muss, riskiert beispielsweise Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Destinationen. Ein Industriebetrieb wiederum muss sich fragen, ob sich Produktion unter den neuen Kostenbedingungen noch lohnt.

Die Energiepolitik wird damit zu einem Teil der Standortpolitik.

Kroatien hat aus der vergangenen Krise gelernt

Die Regierung kann bei der aktuellen Krise auf Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zurückgreifen.

Als die Energiepreise nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine massiv stiegen, verabschiedete Zagreb umfangreiche Hilfsmaßnahmen. Damals ging es unter anderem um die Begrenzung von Strom- und Wärmepreisen, Kraftstoffpreise, soziale Unterstützung und Hilfen für Unternehmen.

Der damalige Maßnahmenkatalog hatte ein Volumen von rund 21 Milliarden Kuna, umgerechnet etwa 2,8 Milliarden Euro. (Vlada Hrvatske)

Seitdem hat die Regierung ihre Krisenpolitik mehrfach fortgesetzt.

Das aktuelle Paket wäre damit kein politischer Kurswechsel, sondern die Fortsetzung einer Strategie, die in Zagreb inzwischen zum festen Instrumentarium gehört.

Doch staatliche Preisdeckel haben einen Preis

Die Maßnahmen haben einen offensichtlichen Vorteil: Sie schützen Verbraucher kurzfristig vor einem starken Anstieg der Lebenshaltungskosten.

Doch die Rechnung verschwindet dadurch nicht.

Wenn der Staat Energiepreise künstlich niedrig hält, muss letztlich jemand die Differenz tragen. Das können der Staatshaushalt, staatliche Energieunternehmen oder andere Teile der Volkswirtschaft sein.

Genau deshalb sind solche Maßnahmen langfristig problematisch.

Sie können einen kurzfristigen Preisschock abfedern, lösen aber nicht das eigentliche Problem: die Abhängigkeit von internationalen Energiepreisen.

Für Kroatien bedeutet das, dass die Regierung gleichzeitig an einer langfristigen Lösung arbeiten muss.

Kroatien setzt auf eine stärkere Energieposition

Dabei sieht sich das Land grundsätzlich relativ gut aufgestellt.

Die Regierung betont, dass Kroatien über wichtige Energieinfrastruktur verfügt und deshalb besser gegen Versorgungsschocks geschützt sei als manche andere europäische Staaten. Dazu gehören unter anderem die LNG-Infrastruktur auf der Insel Krk sowie Verbindungen zum europäischen Gasnetz.

Bereits im Frühjahr erklärte Plenković, Kroatien sei hinsichtlich der Energieversorgung gut positioniert und müsse keine Versorgungsengpässe erwarten. (Vlada Hrvatske)

Das bedeutet allerdings nicht, dass Kroatien von internationalen Preisschwankungen unabhängig wäre.

Gas kann verfügbar sein und trotzdem teuer werden.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Versorgungssicherheit und Preisstabilität.

Die neue Krise kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt

Die kroatische Regierung steht damit vor einem schwierigen Balanceakt.

Einerseits muss sie verhindern, dass steigende Energiepreise die Kaufkraft der Bevölkerung zu stark schwächen.

Andererseits darf sie den Staatshaushalt nicht dauerhaft mit immer neuen Subventionen belasten.

Und schließlich müssen Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben.

Diese drei Ziele sind nicht immer miteinander vereinbar.

Eine großzügige Unterstützung der Haushalte kostet Geld. Eine starke Preisbegrenzung bei Energie belastet die öffentlichen Finanzen. Eine umfangreiche Unterstützung von Unternehmen kann wiederum den Wettbewerb verzerren.

Die Kunst der kommenden Monate wird deshalb darin bestehen, die Hilfe gezielter einzusetzen.

Besonders wichtig für Kroatiens Verbraucher

Für die Bevölkerung ist die Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil Energiepreise einen großen Einfluss auf das tägliche Leben haben.

Steigende Strom- und Gaspreise wirken sich unmittelbar auf Haushaltsbudgets aus. Noch stärker spüren Verbraucher häufig steigende Kraftstoffpreise, weil sie sich über Mobilität und Transportkosten auf viele andere Produkte auswirken.

Kroatien ist aufgrund seiner geografischen Struktur zudem stark auf den Straßenverkehr angewiesen.

Für viele Familien ist das Auto keine Luxusausgabe, sondern Voraussetzung für Arbeit, Einkauf und Alltag.

Ein dauerhafter Anstieg der Energiepreise würde daher weit über die Energierechnung hinausgehen.

Auch Deutschland sollte auf Kroatien schauen

Die Entwicklung ist nicht nur für Kroatien interessant.

Deutschland steht ebenfalls vor der Herausforderung, Energiepreise, Inflation und Wettbewerbsfähigkeit miteinander in Einklang zu bringen.

Der Unterschied liegt jedoch in der wirtschaftlichen Struktur.

Während Kroatien stark vom Tourismus abhängig ist und eine kleinere Volkswirtschaft besitzt, verfügt Deutschland über einen wesentlich größeren industriellen Sektor.

Für beide Länder gilt dennoch dieselbe Grundregel:

Eine Wirtschaft kann steigende Energiepreise kurzfristig abfedern. Dauerhaft kann sie ihnen nur durch niedrigere Energieabhängigkeit, höhere Effizienz und eine wettbewerbsfähige Energieversorgung begegnen.

Was jetzt entscheidend wird

Entscheidend wird daher nicht allein sein, wie groß das neue kroatische Hilfspaket ausfällt.

Wichtiger ist, wie es konstruiert wird.

Eine pauschale Subventionierung für alle Verbraucher wäre teuer und würde auch Haushalte unterstützen, die die höheren Preise problemlos tragen könnten.

Gezielte Hilfen für einkommensschwache Haushalte und besonders betroffene Unternehmen wären dagegen wesentlich effizienter.

Gleichzeitig braucht Kroatien langfristige Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

Denn jeder Euro, der heute für eine kurzfristige Preisstützung ausgegeben wird, kann nicht gleichzeitig für den Umbau des Energiesystems verwendet werden.

Fazit: Zagreb versucht, Zeit zu kaufen

Kroatiens angekündigtes Herbstpaket ist zunächst eine Reaktion auf einen neuen externen Schock.

Die Inflation ist auf 4,1 Prozent gestiegen, die Energiepreise liegen 17,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig sorgen geopolitische Spannungen für neue Unsicherheit auf den internationalen Energiemärkten. (Poslovni Dnevnik)

Die Regierung will deshalb erneut eingreifen.

Das ist kurzfristig nachvollziehbar.

Doch langfristig kann staatliche Unterstützung nur Zeit kaufen.

Die eigentliche Herausforderung bleibt bestehen: Kroatien muss seine Wirtschaft widerstandsfähiger gegen internationale Energiepreisschocks machen.

Das Land verfügt mit seiner LNG-Infrastruktur, seiner Lage an der Adria und dem Ausbau erneuerbarer Energien über wichtige Voraussetzungen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie lange die Regierung Energiepreise künstlich stabil halten kann.

Sondern:

Wie schnell kann Kroatien seine Energieversorgung so aufstellen, dass die nächste Krise weniger stark auf die Haushalte und Unternehmen durchschlägt?


Foto: Patrik Macek/PIXSELL

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