ReisenEigenbeitrag

Kroatien wirbt in London um Urlauber für 2027: Rekordtourismus stößt an neue Grenzen

Von Kroatien News Redaktion·05. November 2026 um 13:17

Kroatien wirbt in London um Urlauber für 2027: Rekordtourismus stößt an neue Grenzen

Auf der internationalen Tourismusmesse World Travel Market in London präsentiert Kroatien seine Reiseangebote und wirbt um neue Gäste für das kommende Jahr. Nach den Rekordzahlen von 2025 und einem weiterhin positiven, aber langsameren Wachstum 2026 stellt sich die Frage: Kann Kroatien 2027 an seine Erfolge anknüpfen? Entscheidend werden dabei nicht nur neue Flugverbindungen und attraktive Reiseangebote sein, sondern auch die Preise und die Qualität des touristischen Angebots.

Kroatien richtet seinen Blick bereits auf die nächste Urlaubssaison. Auf der World Travel Market (WTM), die vom 3. bis 5. November 2026 in London stattfindet, präsentiert die Kroatische Zentrale für Tourismus gemeinsam mit 32 kroatischen Mitausstellern das touristische Angebot des Landes.

Im Mittelpunkt stehen Gespräche mit internationalen Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften und weiteren Partnern. Ziel ist es, die Präsenz Kroatiens auf wichtigen Auslandsmärkten zu stärken, neue Reiseprogramme zu entwickeln und die Erreichbarkeit der kroatischen Urlaubsregionen weiter zu verbessern.

Besonders der britische Markt spielt dabei eine wichtige Rolle. Die kroatische Tourismuszentrale führte in London unter anderem Gespräche mit Jet2.com, Jet2holidays, easyJet holidays und British Airways. Dabei ging es auch um mögliche Erweiterungen bestehender Angebote und zusätzliche Verbindungen für 2027.

Doch die Präsentation in London ist nicht nur eine gewöhnliche Werbeveranstaltung. Sie zeigt auch, vor welchen Herausforderungen der kroatische Tourismus nach mehreren erfolgreichen Jahren steht.

Tourismusjahr 2026: Kroatien wächst weiter, allerdings langsamer

Die bisherigen Zahlen für 2026 fallen positiv aus. Nach Angaben des kroatischen eVisitor-Systems wurden von Januar bis Ende September insgesamt 20,1 Millionen Ankünfte und 104,9 Millionen Übernachtungen registriert.

Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht das einem Anstieg von zwei Prozent bei den Ankünften und einem Prozent bei den Übernachtungen.

Auch der September entwickelte sich erfreulich. In diesem Monat wurden rund 2,6 Millionen Ankünfte und 14,3 Millionen Übernachtungen gezählt. Beide Werte lagen drei Prozent über dem September 2025.

Das zeigt, dass Kroatien auch nach dem Ende der klassischen Sommerferienzeit gefragt bleibt. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Zuwächse inzwischen überschaubarer ausfallen. Das Land bewegt sich bereits auf einem sehr hohen touristischen Niveau.

Dass die Zahl der Ankünfte stärker steigt als die Zahl der Übernachtungen, deutet zudem darauf hin, dass die Aufenthaltsdauer nicht im gleichen Maße zunimmt. Für die Tourismusbranche wird deshalb immer wichtiger, nicht nur möglichst viele Besucher anzuziehen, sondern auch längere Aufenthalte und eine höhere Wertschöpfung zu erreichen.

Rückblick: 2024 und 2025 waren bereits starke Tourismusjahre

Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, wie erfolgreich sich Kroatien als internationales Urlaubsziel entwickelt hat.

Im Jahr 2024 wurden in kommerziellen Beherbergungsbetrieben rund 20,2 Millionen Ankünfte und 93,7 Millionen Übernachtungen registriert. Gegenüber 2023 bedeutete das ein Plus von 3,9 Prozent bei den Ankünften und 1,4 Prozent bei den Übernachtungen.

2025 setzte sich diese Entwicklung fort. In kommerziellen Unterkünften wurden rund 20,7 Millionen Ankünfte und 94,8 Millionen Übernachtungen gezählt. Das waren erneut Zuwächse gegenüber dem Vorjahr.

Nach der umfassenderen Bilanz der kroatischen Tourismuszentrale erreichte Kroatien 2025 sogar mehr als 21,8 Millionen Ankünfte und 110,1 Millionen Übernachtungen. Damit wurde erstmals die Marke von 110 Millionen Übernachtungen überschritten.

Wichtig bei diesem Vergleich: Die Zahlen des eVisitor-Systems und die Statistiken des kroatischen Statistikamtes erfassen nicht exakt denselben Bereich. Das eVisitor-System berücksichtigt unter anderem auch nichtkommerzielle Unterkünfte und den nautischen Tourismus. Die genannten DZS-Zahlen beziehen sich dagegen auf kommerzielle Beherbergungsbetriebe.

Unabhängig von dieser unterschiedlichen Erfassung ist der Trend eindeutig: Kroatien hat sich auf einem sehr hohen touristischen Niveau etabliert. Die großen Wachstumssprünge früherer Jahre werden allerdings schwieriger.

Großbritannien bleibt ein wichtiger Markt

Ein besonderer Schwerpunkt der Präsentation in London liegt auf den Gästen aus Großbritannien.

In den ersten zehn Monaten des Jahres 2026 registrierte Kroatien nach Angaben der Tourismuszentrale rund 841.000 Ankünfte britischer Gäste und 4,1 Millionen Übernachtungen. Das entspricht einem Anstieg von zwei Prozent bei den Ankünften und einem Prozent bei den Übernachtungen gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025.

Für Kroatien ist der britische Markt besonders interessant, weil britische Urlauber unterschiedliche Reiseformen nutzen. Neben klassischen Badeurlauben an der Adriaküste spielen auch Städtereisen, Rundreisen und Kurzurlaube eine wichtige Rolle.

Davon profitieren beispielsweise Dubrovnik, Split und Zadar, aber auch Zagreb und andere Reiseziele im Landesinneren.

Die Gespräche mit Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern sollen dazu beitragen, diese Nachfrage weiter auszubauen. Mehr Flugverbindungen und passende Reiseangebote könnten insbesondere außerhalb der klassischen Sommermonate zusätzliche Gäste nach Kroatien bringen.

Die Preisfrage könnte über den Erfolg von 2027 entscheiden

So positiv die touristischen Zahlen auch sind: Eine der größten Herausforderungen für Kroatien bleibt die Wettbewerbsfähigkeit bei den Preisen.

In den vergangenen Jahren sind die Kosten für Urlaub in vielen kroatischen Regionen gestiegen. Das betrifft Unterkünfte, Restaurants, Lebensmittel und zahlreiche touristische Dienstleistungen.

Touristen vergleichen heute stärker als früher. Sie prüfen nicht nur die Schönheit eines Reiseziels, sondern auch, was sie für ihr Geld bekommen. Wenn ein Urlaub in Kroatien deutlich teurer wird als vergleichbare Angebote in anderen Mittelmeerländern, kann das die Entscheidung beeinflussen.

Auch die kroatische Regierung hat wiederholt auf die Bedeutung eines angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnisses hingewiesen. Höhere Preise allein garantieren keinen langfristigen Erfolg. Entscheidend ist, dass die Qualität der Angebote mit der Preisentwicklung Schritt hält.

Für die Betriebe ist das nicht immer einfach, denn auch sie müssen mit höheren Kosten für Personal, Energie, Lebensmittel und Dienstleistungen umgehen.

Kroatien steht deshalb vor der Aufgabe, seine touristischen Angebote weiterzuentwickeln und gleichzeitig für unterschiedliche Urlaubergruppen erschwinglich zu bleiben.


Gäste geben mehr aus – aber was bedeutet das wirklich?

Eine aktuelle Untersuchung des kroatischen Instituts für Tourismus liefert weitere Hinweise auf die Entwicklung des Marktes.

Für die Studie TOMAS Croatia 2025–2026 wurden 14.770 Touristen an 153 Reisezielen befragt und mehr als 4.200 Beherbergungsbetriebe berücksichtigt.

Nach den Ergebnissen gaben Gäste in den kroatischen Adriagebieten durchschnittlich 162 Euro pro Person und Tag aus. Das waren 15 Prozent mehr als bei der Vergleichserhebung im Jahr 2022.

Im kontinentalen Kroatien lag der durchschnittliche Betrag bei 164 Euro pro Person und Tag. Hier betrug der Anstieg gegenüber 2022 sogar 21 Prozent.

Die Untersuchung zeigt außerdem, dass Kroatien sowohl neue Gäste gewinnt als auch eine starke Stammkundschaft besitzt. Der Anteil internationaler Besucher, die das Land zum ersten Mal bereisten, stieg von 14 Prozent im Jahr 2022 auf 22 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig hatten 60 Prozent der internationalen Gäste Kroatien bereits mindestens dreimal besucht.

Besonders positiv bewerteten die Urlauber die Naturschönheit, die Sicherheit, die Atmosphäre und die Gastfreundschaft.

Allerdings muss auch hier differenziert werden: Höhere Ausgaben bedeuten nicht automatisch, dass Touristen tatsächlich mehr Leistungen konsumieren. Ein Teil des Anstiegs kann schlicht auf gestiegene Preise zurückzuführen sein.

Was erwartet Kroatien im Tourismusjahr 2027?

Eine konkrete und verlässliche Prognose, um wie viel Prozent der kroatische Tourismus 2027 wachsen wird, liegt derzeit nicht vor. Die bisherigen Entwicklungen und die strategische Ausrichtung der Tourismusbranche lassen jedoch einige Trends erkennen.

Mehr Flugverbindungen und internationale Reiseangebote

Die Gespräche auf der Messe in London zeigen, dass Kroatien seine internationale Erreichbarkeit weiter verbessern möchte. Zusätzliche Flugverbindungen und neue Reiseprogramme könnten vor allem Städte und Regionen stärken, die bisher weniger stark von internationalen Gästen profitieren.

Städtereisen und Kurzurlaube

Kroatien möchte stärker als Reiseziel für das gesamte Jahr wahrgenommen werden. Städte wie Zagreb, Split, Dubrovnik und Zadar bieten dafür gute Voraussetzungen. Kultur, Gastronomie, Veranstaltungen und historische Sehenswürdigkeiten können auch außerhalb der Badesaison Besucher anziehen.

Eine längere Saison

Die Monate Mai, Juni, September und Oktober bleiben wichtige Wachstumsfelder. Wenn es gelingt, mehr Gäste in diesen Zeiträumen nach Kroatien zu bringen, könnte das die Auslastung der Betriebe verbessern und die starke Konzentration auf Juli und August etwas reduzieren.

Mehr Qualität statt ausschließlich mehr Besucher

Langfristig wird es für Kroatien immer wichtiger, nicht nur die Zahl der Ankünfte zu steigern. Nachhaltigkeit, hochwertige Unterkünfte, gute Dienstleistungen und ein vielfältiges Angebot dürften stärker in den Mittelpunkt rücken.

Preisbewusste Urlauber

Auch die wirtschaftliche Entwicklung in den Herkunftsländern wird eine wichtige Rolle spielen. Wenn Haushalte stärker auf ihre Ausgaben achten müssen, werden Reiseziele mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis im Vorteil sein. Das betrifft nicht nur Kroatien, sondern den gesamten europäischen Tourismusmarkt.

Fazit: Kroatien hat gute Voraussetzungen, muss sich aber weiterentwickeln

Kroatien startet mit einer starken Ausgangslage in die Planungen für das Tourismusjahr 2027. Die Rekordzahlen von 2025, das moderate Wachstum 2026 und die anhaltende Nachfrage aus wichtigen Auslandsmärkten zeigen, dass das Land weiterhin zu den gefragten Urlaubszielen Europas gehört.

Ein weiteres erfolgreiches Tourismusjahr ist daher durchaus realistisch. Ein neuer Rekord ist jedoch kein Selbstläufer.

Die Präsentation in London macht deutlich, worauf Kroatien künftig setzen möchte: bessere internationale Anbindungen, neue Reiseangebote, mehr Städtereisen und eine stärkere Nachfrage außerhalb der Hauptsaison.

Die entscheidende Frage wird aber sein, ob Kroatien seinen Gästen weiterhin ein attraktives Gesamtpaket bieten kann. Denn neben der landschaftlichen Schönheit und dem mediterranen Lebensgefühl entscheiden letztlich auch die Preise, die Qualität und das Urlaubserlebnis darüber, ob sich Reisende erneut für die Adriaküste entscheiden.

2027 könnte für Kroatien ein weiteres gutes Tourismusjahr werden. Damit das Wachstum langfristig anhält, wird jedoch nicht allein die Zahl der Urlauber entscheidend sein, sondern vor allem die Qualität des Tourismus.

Grundlage dieses Artikels sind Angaben der Kroatischen Zentrale für Tourismus (HTZ), des kroatischen Statistikamtes (DZS), des kroatischen Instituts für Tourismus sowie der European Travel Commission.

Foto: Kroatischen Zentrale für Tourismus


Kommentare

Zum Kommentieren bitte anmelden – mit Google oder Apple.

    Mehr aus Reisen

    Advent in Kroatien: Immer mehr Städte deckeln die Preise – Standbetreiber sind unzufrieden
    ReisenKroatien NewsEigenbeitrag

    Advent in Kroatien: Immer mehr Städte deckeln die Preise – Standbetreiber sind unzufrieden

    Fritule, Bratwürste und Glühwein gehören zu den Klassikern kroatischer Weihnachtsmärkte. Doch die Preise sorgen zunehmend für Diskussionen. Nach Pula und Split will auch Osijek die Kosten für ausgewählte Produkte auf den Adventsmärkten begrenzen. Während viele Besucher die Idee begrüßen, warnen Standbetreiber vor wirtschaftlichen Problemen.

    04.11.2026

    Unterstützen Sie Kroatien News