Kroatien investiert Milliarden in die Bahn: 1,7 Milliarden Euro für laufende Projekte
Von Kroatien News Redaktion·30. Oktober 2026 um 11:02

Bis 2035 sind weitere sechs Milliarden Euro für die Modernisierung des kroatischen Schienennetzes vorgesehen. Neue Gleise sollen die Fahrzeiten verkürzen, die Sicherheit verbessern und den Güterverkehr stärken – besonders rund um den Hafen Rijeka.
Kroatien treibt die Modernisierung seiner Eisenbahn voran. Aktuell laufen Bahnprojekte mit einem Gesamtwert von rund 1,7 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2035 sollen weitere Investitionen in Höhe von etwa sechs Milliarden Euro folgen. Ziel ist ein schnellerer, sichererer und zuverlässigerer Bahnverkehr für Reisende und Unternehmen.
Wie der kroatische Wirtschafts- und Nachrichtenportal Poslovni dnevnik am 30. Oktober berichtet, stehen dabei sowohl die Erneuerung bestehender Strecken als auch der Ausbau wichtiger Bahnverbindungen im Mittelpunkt.
Milliarden für wichtige Bahnstrecken
Zu den größten laufenden Vorhaben zählt die Modernisierung der Strecke Dugo Selo–Novska. Für das Projekt sind rund 900 Millionen Euro vorgesehen. Ebenfalls bedeutend ist der Ausbau der Verbindung Hrvatski Leskovac–Karlovac, für den etwa 350 Millionen Euro veranschlagt werden.
Weitere Arbeiten betreffen unter anderem Strecken in Slawonien und Istrien sowie die Verbindungen im Raum Zadar und Knin. Die Strecke Vukovar–Vinkovci ist laut dem Bericht bereits fertiggestellt.
Nach Angaben von Žarko Tušek, Staatssekretär im kroatischen Ministerium für Meer, Verkehr und Infrastruktur, wurden außerdem bereits Projekte mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Euro abgeschlossen. In den vergangenen acht Jahren flossen zudem fast 700 Millionen Euro in die Instandhaltung des Eisenbahnsektors.
Bis zu 160 km/h auf der Strecke Dugo Selo–Novska
Ein zentraler Schritt ist der Ausbau der Strecke Dugo Selo–Novska zu einer zweigleisigen, elektrifizierten Verbindung. Derzeit ist dieser Abschnitt der früheren internationalen Bahnverbindung zwischen Mitteleuropa und Südosteuropa noch eingleisig.
Nach Abschluss der Arbeiten sollen Züge dort mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h fahren können. Das zweite Gleis soll die Kapazität erhöhen und den Bahnverkehr leistungsfähiger und sicherer machen. Die Verbindung ist Teil eines wichtigen internationalen Verkehrskorridors, der Kroatien mit den Nachbarstaaten verbindet.
Neue Bahnstrecke soll den Hafen Rijeka stärken
Langfristig kommt dem Ausbau der Bahnverbindungen zum Hafen Rijeka eine besondere Bedeutung zu. Die bestehende Strecke kann nach Einschätzung der Verantwortlichen nicht sämtliche zusätzlichen Gütermengen aufnehmen. Ein Teil der Fracht wird deshalb auf der Straße transportiert.
Als strategisches Zukunftsprojekt gilt die geplante Niederflur- beziehungsweise Flachlandbahn in Richtung Rijeka, für die Investitionen von rund fünf Milliarden Euro geschätzt werden. Sie soll den Gütertransport erleichtern und die Anbindung des Hafens an das europäische Bahnnetz verbessern.
Auch zusätzliche Logistik- und Hafeninfrastruktur, darunter ein möglicher neuer Güterterminal auf der Insel Krk, wird in den strategischen Überlegungen genannt. Diese Vorhaben sind langfristige Planungen und nicht mit bereits laufenden Bauprojekten gleichzusetzen.
Wann profitieren Reisende?
Erste spürbare Verbesserungen könnten nach Einschätzung von Marijan Ćužić von der kroatischen Bahninfrastrukturgesellschaft HŽ Infrastruktura bereits in zwei bis drei Jahren sichtbar werden. Genannt wurden unter anderem Verbesserungen auf Verbindungen in Richtung der ungarischen Grenze sowie auf Strecken in Istrien, im Raum Knin und Zadar und entlang der sogenannten Podravska magistrala.
Der vollständige Nutzen der Investitionen dürfte sich jedoch erst über einen längeren Zeitraum entfalten. Der Verkehrswissenschaftler Mladen Nikšić rechnet damit, dass die umfassenden Verbesserungen in etwa zehn Jahren deutlich spürbar sein könnten.
Neben moderneren Gleisen seien dafür auch zuverlässige Fahrpläne, pünktliche Züge, gut gewartete Fahrzeuge und eine bessere Qualität des Bahnangebots entscheidend.
Sicherheit bleibt ein wichtiges Thema
Neben der Modernisierung der Infrastruktur wurde auch die Sicherheit des Bahnverkehrs angesprochen. Nikšić verwies insbesondere auf Unfälle mit Güterzügen auf der Strecke nach Rijeka. Als mögliche Risikofaktoren nannte er unter anderem Kommunikationsprobleme, die Einhaltung von Verfahren und den Wartungszustand der Fahrzeuge.
HŽ Infrastruktura erklärte, vorläufige Untersuchungen zu jüngsten Unfällen hätten bislang keine Fehler an der Infrastruktur ergeben. Die Untersuchungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Verbesserungen bei Schulungen, Kommunikation und Kontrollen bleiben damit wichtige Aufgaben.
Kroatiens Bahn steht vor einem langen Umbau
Mit den laufenden Projekten im Umfang von 1,7 Milliarden Euro und den geplanten weiteren sechs Milliarden Euro bis 2035 will Kroatien sein Schienennetz schrittweise auf ein moderneres Niveau bringen. Besonders wichtig sind dabei leistungsfähige internationale Korridore und eine bessere Verbindung zwischen Bahn, Häfen und Logistikzentren.
Für Fahrgäste bedeutet das perspektivisch kürzere Reisezeiten und zuverlässigere Verbindungen. Für die Wirtschaft geht es vor allem darum, mehr Güter auf der Schiene zu transportieren und Kroatiens Rolle als Verkehrsdrehscheibe zwischen Mitteleuropa und der Adria zu stärken. Wie schnell diese Ziele erreicht werden, hängt wesentlich davon ab, ob die Projekte planmäßig umgesetzt und die Infrastrukturinvestitionen durch bessere Betriebsqualität ergänzt werden.
Foto: KI Symbolbild



