Kroatien steigert Solarstromproduktion um 43 Prozent – doch beim Strom bleibt das Land abhängig vom Ausland
Von Kroatien News Redaktion·29. Oktober 2026 um 08:00

Kroatiens Solarenergie erlebt einen kräftigen Aufschwung. Im Sommer 2026 erzeugten die Solarkraftwerke 43 Prozent mehr Strom als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig musste das Land mehr als ein Viertel seines Strombedarfs durch Nettoimporte decken. Der Ausbau erneuerbarer Energien macht Fortschritte, doch bis zur größeren Energieunabhängigkeit bleibt noch einiges zu tun.
Kroatien baut seine Solarstromproduktion weiter aus. Wie aktuelle Daten des kroatischen Verbands für erneuerbare Energien (OIEH) zeigen, haben die Solarkraftwerke des Landes im Sommer 2026 deutlich mehr Strom erzeugt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zwischen Juni und September stieg die Produktion um 43 Prozent.
Damit wird Solarenergie für die kroatische Stromversorgung immer wichtiger. Besonders in den heißen Sommermonaten, wenn Klimaanlagen und Kühlsysteme den Stromverbrauch nach oben treiben, können Photovoltaikanlagen einen wichtigen Beitrag leisten.
Die Entwicklung knüpft an den bereits zuvor beobachteten Ausbau der Solarenergie in Kroatien an. Wie auch der deutsche Fachbericht von Erneuerbare Energien hervorhebt, gewinnt die Stromerzeugung aus Sonnenenergie zunehmend an Bedeutung. Allerdings zeigen die aktuellen Zahlen auch, dass steigende Solarproduktion allein noch nicht ausreicht, um den Strombedarf des Landes vollständig zu decken.
43 Prozent mehr Solarstrom im Sommer
Von Juni bis September 2026 produzierten kroatische Solarkraftwerke insgesamt 810 Gigawattstunden Strom. Das waren 43 Prozent mehr als im Sommer 2025. Allein im August wurde mit 220 Gigawattstunden ein neuer monatlicher Rekord erreicht.
Zum Vergleich: Die Solarenergie deckte in diesem Zeitraum rund 11,8 Prozent des gesamten kroatischen Stromverbrauchs. Damit übertraf die Solarstromproduktion sogar die Strommenge, die Windkraftanlagen im selben Zeitraum erzeugten.
Ein wichtiger Grund für den Zuwachs ist der kontinuierliche Ausbau der installierten Leistung. Zum 1. September 2026 verfügte Kroatien über Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1.578 Megawatt. Innerhalb eines Jahres kamen 388 Megawatt hinzu.
Die Zahlen zeigen, dass sich die Solarenergie von einer vergleichsweise kleinen Ergänzung zu einem zunehmend wichtigen Bestandteil des kroatischen Energiesystems entwickelt.
Mehr Solarstrom, aber weiterhin hohe Stromimporte
Trotz der positiven Entwicklung bleibt Kroatien auf Strom aus dem Ausland angewiesen. Im Sommer 2026 lag der Stromverbrauch des Landes bei insgesamt 6.874 Gigawattstunden. Gleichzeitig musste Kroatien netto 1.810 Gigawattstunden importieren. Das entspricht 26,3 Prozent des Verbrauchs.
Der Wert der importierten Elektrizität belief sich nach der Analyse des OIEH auf rund 249 Millionen Euro.
Ein wichtiger Faktor war die außergewöhnliche Wetterlage. Die Temperaturen lagen im Sommer durchschnittlich 2,6 Grad über dem langjährigen Mittel. Insgesamt wurden 45 Tage von Hitzewellen geprägt. Dadurch stieg der Strombedarf, insbesondere für die Kühlung von Gebäuden und Anlagen.
Gleichzeitig litten die Wasserkraftwerke unter der Trockenheit. Die Zuflüsse in die Stauseen erreichten lediglich 43 Prozent des üblichen Niveaus. Die Wasserkraftproduktion ging gegenüber dem Vorjahressommer um 13,8 Prozent zurück.
Die stärkere Solarstromproduktion konnte diese Verluste teilweise ausgleichen, aber nicht vollständig kompensieren.
Solarenergie hilft besonders während der Mittagsspitzen
Ein wesentlicher Vorteil der Solarenergie besteht darin, dass sie gerade dann viel Strom erzeugt, wenn im Sommer der Bedarf für Klimaanlagen besonders hoch ist.
Die zusätzliche Produktion kann den Druck auf den Strommarkt während der Tagesstunden verringern. Allerdings entsteht ein Problem am Abend: Wenn die Sonne untergeht, sinkt die Solarstromproduktion schnell, während der Strombedarf weiterhin hoch sein kann.
Deshalb spielen Batteriespeicher und andere flexible Stromquellen eine zunehmend wichtige Rolle. Sie könnten überschüssige Energie aus den Mittagsstunden speichern und später wieder zur Verfügung stellen.
Nach Angaben des OIEH verfügt Kroatien bislang nur über begrenzte Batteriespeicherkapazitäten. Der Ausbau solcher Anlagen gilt deshalb als eine wichtige Voraussetzung dafür, die Vorteile der wachsenden Solarstromproduktion besser zu nutzen.
Erneuerbare Energien decken mehr als 40 Prozent des Sommerverbrauchs
Betrachtet man sämtliche erneuerbaren Energiequellen zusammen, ergibt sich ein differenziertes Bild. Im Sommer 2026 deckten erneuerbare Energien insgesamt 41,72 Prozent des kroatischen Stromverbrauchs.
Neben der Solarenergie spielten Wasserkraft und Windenergie weiterhin eine wichtige Rolle. Allerdings fiel die Stromproduktion aus Windkraft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent niedriger aus.
Die Entwicklung verdeutlicht, wie stark die Stromversorgung von den Wetterbedingungen abhängig ist. Während Solarenergie bei Hitze und Sonnenschein besonders leistungsfähig ist, benötigt ein stabiles Energiesystem einen ausgewogenen Mix verschiedener Energiequellen sowie ausreichende Speichermöglichkeiten.
Kroatien hat noch erhebliches Potenzial
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Kroatien bei der Solarenergie vorankommt. Das Land verfügt über günstige Voraussetzungen für Photovoltaik, insbesondere in den sonnenreichen Küstenregionen und im dalmatinischen Hinterland.
Damit das Wachstum langfristig zu einer geringeren Abhängigkeit von Stromimporten führt, müssen jedoch weitere Solaranlagen ans Netz gehen. Gleichzeitig sind Investitionen in Windkraft, Stromnetze und Batteriespeicher erforderlich.
Auch der Ausbau der Netzinfrastruktur ist entscheidend. Neue Anlagen können nur dann einen wirksamen Beitrag leisten, wenn der erzeugte Strom zuverlässig aufgenommen, verteilt und bei Bedarf gespeichert werden kann.
Fazit: Ein wichtiger Schritt, aber noch keine Energieunabhängigkeit
Der Anstieg der Solarstromproduktion um 43 Prozent ist ein deutliches Zeichen für den Fortschritt der Energiewende in Kroatien. Die Rekordproduktion im August und die wachsende installierte Leistung zeigen, dass die Sonnenenergie zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Gleichzeitig macht der hohe Nettoimportanteil deutlich, dass der Ausbau noch nicht ausreicht, um den gesamten Strombedarf des Landes zu decken. Trockenheit, Hitze und schwankende Windverhältnisse stellen zusätzliche Herausforderungen dar.
Kroatien steht damit vor einer doppelten Aufgabe: Es muss die erneuerbare Stromproduktion weiter ausbauen und zugleich dafür sorgen, dass Energie besser gespeichert und zu den benötigten Zeiten verfügbar gemacht werden kann. Erst das Zusammenspiel dieser Maßnahmen kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von Stromimporten langfristig zu verringern.



