IWF senkt Kroatiens Wachstumsprognose – dennoch wächst das Land schneller als Deutschland
Von Kroatien News Redaktion·13. Oktober 2026 um 09:13

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für Kroatien mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum als noch im Frühjahr erwartet. Nach der aktuellen Prognose soll das Bruttoinlandsprodukt des Landes 2026 um 2,2 Prozent steigen. Im April hatte der IWF noch ein Wachstum von 2,6 Prozent vorausgesagt. Gleichzeitig bleibt der Inflationsdruck hoch, während sich auch das erwartete Defizit in der Leistungsbilanz vergrößert.
Die neuen Zahlen zeigen: Die kroatische Wirtschaft wächst zwar weiter, verliert aber an Dynamik. Im Vergleich zu Deutschland fällt die Prognose dennoch günstiger aus.
Wachstum fällt niedriger aus als erwartet
Laut der aktuellen Einschätzung des IWF dürfte die kroatische Wirtschaft im Jahr 2026 um 2,2 Prozent wachsen. Damit korrigiert der Fonds seine vorherige Prognose um 0,4 Prozentpunkte nach unten.
Auch für 2027 erwartet der IWF ein etwas langsameres Wachstum als zuvor. Das Bruttoinlandsprodukt soll dann um 2,3 Prozent zulegen. In seiner Frühjahrsprognose war der Fonds noch von jeweils 2,6 Prozent für 2026 und 2027 ausgegangen.
Zum Vergleich: Für 2025 beziffert der IWF das Wachstum der kroatischen Wirtschaft auf 3,4 Prozent. Damit dürfte sich die wirtschaftliche Dynamik im laufenden Jahr spürbar abschwächen.
Ein schwächeres Wachstum bedeutet allerdings nicht, dass die Wirtschaftsleistung schrumpft. Vielmehr geht der IWF davon aus, dass Kroatien weiter expandiert – nur langsamer als bisher angenommen.
Kroatien wächst schneller als Deutschland
Im direkten Vergleich mit Deutschland fällt die Prognose für Kroatien günstiger aus. Der IWF erwartet für die deutsche Wirtschaft 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent. Für Kroatien liegt die Vorhersage dagegen bei 2,2 Prozent. Damit dürfte die kroatische Wirtschaft um 0,9 Prozentpunkte stärker wachsen als die deutsche.
Beide Länder müssen sich auf ein anspruchsvolles wirtschaftliches Umfeld einstellen. Während Deutschland nach einer längeren Phase schwacher Konjunktur auf eine Erholung hofft, verliert auch Kroatien gegenüber dem Vorjahr an Wachstumstempo. Der Vergleich zeigt allerdings nur die erwartete Veränderung der Wirtschaftsleistung – er sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, wie sich Löhne, Preise und Lebensstandard in den beiden Ländern entwickeln.
Inflation bleibt ein zentrales Problem
Neben dem geringeren Wachstum bereitet auch die Preisentwicklung Sorgen. Der IWF erwartet für Kroatien 2026 eine Inflationsrate von 4,5 Prozent. Im Frühjahr hatte die Prognose noch bei 4,4 Prozent gelegen.
Für 2027 rechnet der Fonds mit einer Teuerungsrate von 3,3 Prozent. Damit würde sich der Preisanstieg zwar verlangsamen, die Inflation bliebe aber weiterhin deutlich spürbar.
Für Verbraucher ist dabei entscheidend, dass eine sinkende Inflationsrate nicht automatisch bedeutet, dass die Preise wieder fallen. Sie besagt lediglich, dass die Preise langsamer steigen. Das Preisniveau bleibt damit grundsätzlich höher als in den Vorjahren.
Gerade für Haushalte, die einen großen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel, Wohnen, Energie und andere laufende Ausgaben aufwenden müssen, bleibt die Kaufkraft deshalb ein wichtiges Thema.
Leistungsbilanzdefizit dürfte weiter steigen
Auch bei der außenwirtschaftlichen Entwicklung fällt die Einschätzung des IWF ungünstiger aus. Für 2026 erwartet der Fonds ein Defizit in der kroatischen Leistungsbilanz von 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im April hatte die Prognose noch bei 3,8 Prozent gelegen.
Die Leistungsbilanz erfasst unter anderem den Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie grenzüberschreitende Einkommen und laufende Übertragungen. Ein Defizit bedeutet, dass die entsprechenden Ausgaben und Abflüsse insgesamt höher ausfallen als die Einnahmen und Zuflüsse.
Für 2027 rechnet der IWF weiterhin mit einem Leistungsbilanzdefizit von 3,3 Prozent des BIP. Damit könnte sich die Lage gegenüber 2026 etwas verbessern, ohne dass das Defizit vollständig verschwindet.
Arbeitslosigkeit bleibt vergleichsweise niedrig
Ein positiverer Aspekt der Prognose ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Der IWF erwartet für Kroatien 2026 eine Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent. Für 2027 wird ein leichter Anstieg auf 4,6 Prozent prognostiziert.
Damit rechnet der Fonds trotz des schwächeren Wirtschaftswachstums weiterhin mit einer relativ niedrigen Arbeitslosigkeit. Die Entwicklung zeigt zugleich, dass sich eine Abkühlung der Konjunktur nicht zwangsläufig sofort in einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit niederschlagen muss.
Wie stabil sich der Arbeitsmarkt tatsächlich entwickelt, wird unter anderem davon abhängen, wie sich die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, die Investitionen und die wirtschaftliche Lage wichtiger Handelspartner entwickeln.
Was die Prognose für Kroatien bedeutet
Die neuen IWF-Zahlen zeichnen ein gemischtes Bild der kroatischen Wirtschaft. Einerseits wird weiteres Wachstum erwartet, und die Arbeitslosigkeit dürfte niedrig bleiben. Andererseits fällt die Wachstumsprognose geringer aus, die Inflation bleibt hoch und das erwartete Leistungsbilanzdefizit nimmt zu.
Für Kroatien wird entscheidend sein, ob Investitionen, Konsum und wirtschaftliche Produktivität ausreichend stark bleiben, um das Wachstum zu stützen. Gleichzeitig muss das Land mit den Folgen anhaltender Preissteigerungen und den Risiken eines unsicheren internationalen Wirtschaftsumfelds umgehen.
Das Fazit: Der IWF erwartet für Kroatien keinen wirtschaftlichen Stillstand, aber eine langsamere Expansion als bisher angenommen. Mit einem prognostizierten Wachstum von 2,2 Prozent im Jahr 2026 bleibt die Wirtschaft auf Wachstumskurs und dürfte zugleich schneller wachsen als Deutschland, für das der Fonds 1,3 Prozent erwartet.
Foto: KI generiertes Symbolbild



