Kroaten bleiben länger bei ihren Eltern als alle anderen EU-Bürger – die Zahlen sind erstaunlich
Von Kroatien News Redaktion·23. September 2026 um 08:44

Junge Menschen in Kroatien verlassen das Elternhaus so spät wie in keinem anderen Land der Europäischen Union. Neue Zahlen von Eurostat zeigen, wie groß der Unterschied zu anderen EU-Staaten tatsächlich ist.
Im Jahr 2025 zogen junge Menschen in Kroatien im Durchschnitt erst mit 31,5 Jahren aus dem Elternhaus aus. Damit liegt Kroatien erneut an der Spitze der EU-Länder mit dem höchsten Auszugsalter.
Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt verlassen junge Menschen das Elternhaus bereits mit 26,3 Jahren.
Der Unterschied beträgt damit mehr als fünf Jahre.
Drei von vier jungen Erwachsenen leben noch bei den Eltern
Noch deutlicher wird die Situation beim Blick auf den Anteil der jungen Menschen, die weiterhin mit ihren Eltern zusammenleben.
Im Jahr 2025 lebten in Kroatien 75,3 Prozent der 18- bis 34-Jährigen noch im Elternhaushalt.
EU-weit lag der Anteil bei 49,8 Prozent.
Damit leben in Kroatien rund drei von vier jungen Erwachsenen in dieser Altersgruppe noch bei ihren Eltern.
Auch Griechenland und die Slowakei liegen weit oben
Kroatien ist mit dieser Entwicklung nicht allein.
In Griechenland liegt das durchschnittliche Alter beim Auszug aus dem Elternhaus bei 30,9 Jahren. In der Slowakei sind es ebenfalls 30,9 Jahre.
Auch in Italien und Spanien verlassen junge Menschen das Elternhaus im Durchschnitt erst mit etwas mehr als 30 Jahren.
Am anderen Ende der Statistik stehen dagegen vor allem die nordischen Länder.
In Finnland liegt das durchschnittliche Auszugsalter bei rund 21 Jahren. In Dänemark sind es 21,8 Jahre. In Estland und Litauen verlassen junge Menschen das Elternhaus durchschnittlich mit etwa 22,7 Jahren.
Zwischen Kroatien und Finnland liegen damit ungefähr zehn Jahre.
Viele der jungen Menschen arbeiten bereits
Interessant ist, dass der späte Auszug in Kroatien nicht ausschließlich mit Studium oder Arbeitslosigkeit erklärt werden kann.
Ein großer Teil der jungen Erwachsenen, die noch bei ihren Eltern leben, arbeitet bereits.
Das bedeutet: Für viele geht es nicht darum, dass sie keinen eigenen Lebensunterhalt verdienen, sondern darum, dass der Schritt in einen eigenen Haushalt schwierig oder schlicht nicht attraktiv genug ist.
Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle.
Wohnungen sind für viele junge Menschen schwer erreichbar
Ein wichtiger Punkt sind die Wohnkosten.
Vor allem in Städten und beliebten Regionen Kroatiens sind Wohnungen in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Gleichzeitig ist das Angebot an bezahlbaren Mietwohnungen begrenzt.
Wer als junger Arbeitnehmer ein eigenes Einkommen hat, muss deshalb abwägen, ob sich eine eigene Wohnung finanziell überhaupt realisieren lässt.
Neben den Mieten spielen auch die hohen Kaufpreise eine Rolle. Für viele junge Menschen ist der Erwerb einer eigenen Immobilie ohne Unterstützung der Familie kaum vorstellbar.
Auch die familiäre Struktur spielt eine Rolle
Doch nicht alles lässt sich mit den Wohnkosten erklären.
In Kroatien ist es gesellschaftlich weit verbreitet, dass mehrere Generationen länger unter einem Dach leben. Eltern unterstützen ihre erwachsenen Kinder, während diese wiederum im gemeinsamen Haushalt Aufgaben übernehmen.
Der Auszug mit Anfang 20, wie er beispielsweise in Teilen Nordeuropas üblich ist, gilt deshalb nicht überall als notwendiger oder selbstverständlicher Schritt.
Für viele Familien ist es wirtschaftlich und praktisch sinnvoller, länger zusammenzuwohnen.
Kroatien unterscheidet sich damit deutlich vom Norden Europas
Die Zahlen zeigen einen bemerkenswerten Unterschied innerhalb der EU.
Während junge Erwachsene in Ländern wie Finnland oder Dänemark relativ früh einen eigenen Haushalt gründen, bleiben sie in Kroatien deutlich länger im Elternhaus.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass kroatische Jugendliche oder junge Erwachsene weniger selbstständig sind.
Vielmehr treffen hier Wohnkosten, Einkommen, Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt und traditionelle Familienstrukturen aufeinander.
Ein Thema, das Kroatien noch länger beschäftigen dürfte
Der Wohnungsmarkt dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen.
Wenn junge Menschen sich eine eigene Wohnung kaum leisten können oder nur schwer eine bezahlbare Mietwohnung finden, verlängert sich zwangsläufig die Zeit im Elternhaus.
Die aktuellen Zahlen zeigen deshalb nicht nur eine gesellschaftliche Besonderheit, sondern auch ein wirtschaftliches Problem: Für viele junge Kroaten ist der Schritt in die eigene Wohnung deutlich schwieriger als für Gleichaltrige in anderen Teilen Europas.
Mit einem durchschnittlichen Auszugsalter von 31,5 Jahren bleibt Kroatien damit weiterhin das EU-Land, in dem junge Menschen am längsten bei ihren Eltern leben.
Foto: KI



