Kroatien und der nachhaltige Tourismus: Was der GDS-Index 2026 zeigt
Von Kroatien News Redaktion·26. September 2026 um 10:17

Nachhaltigkeit wird im internationalen Tourismus zunehmend messbar. Der neue GDS-Index 2026 zeigt dabei eine Entwicklung, die auch für Kroatien interessant ist: Für Reiseziele reicht es immer weniger, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu haben. Entscheidend wird, was davon tatsächlich umgesetzt und messbar erreicht wird.
Der kroatische Tourismus steht dabei vor einer besonderen Herausforderung. Das Land ist stark vom Tourismus abhängig, gleichzeitig stehen viele Regionen – insbesondere an der Adriaküste – unter dem Druck steigender Besucherzahlen, zunehmenden Verkehrs, hoher Belastungen für Wasser- und Abfallinfrastruktur sowie der wachsenden Anforderungen an den Schutz von Natur und Lebensqualität.
Fast neun von zehn Destinationen verbessern sich
Der GDS-Index, der vom Global Destination Sustainability Movement veröffentlicht wird, vergleicht die Nachhaltigkeitsleistung teilnehmender Reiseziele.
Die Ausgabe 2026 kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: 89 Prozent der Destinationen, die bereits im Vorjahr und auch 2026 bewertet wurden, konnten ihre Punktzahl verbessern.
Gleichzeitig wird der Abstand zwischen den führenden Destinationen und dem restlichen Teilnehmerfeld kleiner. Der durchschnittliche Wert der bewerteten Destinationen liegt inzwischen bei 74,27 Prozent – ein neuer Höchststand innerhalb des Index.
Die Entwicklung zeigt laut GDS-Movement, dass Nachhaltigkeit inzwischen in vielen Destinationen stärker in konkrete Maßnahmen übergeht.
Was wird überhaupt bewertet?
Der GDS-Index betrachtet nicht nur einzelne Umweltmaßnahmen.
Insgesamt werden 74 Indikatoren aus vier Bereichen berücksichtigt:
- Umwelt
- soziale Nachhaltigkeit
- touristische Unternehmen und Lieferketten
- Destinationsmanagement
Dazu gehören beispielsweise Klimaschutz, Energieverbrauch, Wasser, Abfall, Verkehr und Biodiversität.
Aber auch soziale Fragen werden berücksichtigt. Dazu zählen unter anderem Sicherheit, Barrierefreiheit, soziale Teilhabe, Einbindung der Bevölkerung und die Frage, wie stark Einheimische in die Entwicklung des Tourismus einbezogen werden.
Beim Destinationsmanagement geht es wiederum darum, ob es konkrete Strategien, Ziele, Messungen und Verantwortlichkeiten gibt.
Genau hier liegt die Bedeutung für Kroatien
Für Kroatien ist besonders der Bereich Destinationsmanagement interessant.
Denn die zentrale Frage lautet nicht mehr nur: Hat eine Stadt oder Region eine Strategie für nachhaltigen Tourismus?
Die wichtigere Frage lautet:
Was hat diese Strategie tatsächlich verändert?
Das ist für Kroatien relevant, weil viele touristische Regionen inzwischen mit sehr konkreten Problemen umgehen müssen.
In der Hochsaison steigt die Belastung von Straßen, Parkplätzen, Wasserleitungen und Abwassersystemen. Gleichzeitig nimmt der Druck auf Wohnraum und öffentliche Flächen zu. Hinzu kommen Fragen des Kreuzfahrttourismus, der Müllentsorgung und des Schutzes empfindlicher Küsten- und Naturräume.
Nachhaltigkeit ist damit für Kroatien längst nicht mehr nur ein Image-Thema.
Dubrovnik zeigt, wohin die Entwicklung geht
Ein Beispiel dafür ist Dubrovnik.
Die Stadt verfolgt bereits seit mehreren Jahren Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Massentourismus. Dazu gehören unter anderem das Projekt „Respect the City“, Besuchersteuerung und das Dubrovnik Pass-System.
Auch beim Kreuzfahrttourismus setzt Dubrovnik auf eine Begrenzung der Besucherströme. Nach Angaben der Europäischen Kommission dürfen inzwischen maximal 4.500 Kreuzfahrtgäste beziehungsweise zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in der Stadt ankommen.
Das Ziel ist, die Zahl der Besucher besser zu steuern und gleichzeitig die historische Altstadt sowie die Lebensqualität der Einwohner zu schützen.
Dubrovnik wurde außerdem für 2026 von der Europäischen Kommission als „European Green Pioneer of Smart Tourism“ ausgezeichnet. Dabei wurden unter anderem nachhaltiges Tourismusmanagement, intelligente Mobilität, Digitalisierung und der Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes hervorgehoben.
Kroatien muss Tourismus und Lebensqualität zusammenbringen
Gerade hier liegt eine der größten Herausforderungen für Kroatien.
Der Tourismus bringt enorme wirtschaftliche Bedeutung für das Land. Gleichzeitig darf die steigende Zahl der Besucher nicht dazu führen, dass die Destinationen selbst an Attraktivität verlieren oder die Lebensqualität der Bevölkerung sinkt.
Die Frage lautet deshalb zunehmend:
Wie viele Touristen kann eine Destination aufnehmen – und unter welchen Bedingungen?
Dazu gehören nicht nur die Zahl der Übernachtungen. Entscheidend sind auch Wasserverbrauch, Abfall, Verkehr, Energie, Wohnraum und die Belastung der Infrastruktur.
Gerade bei stark besuchten Küstenorten kann eine nachhaltige Entwicklung deshalb bedeuten, Besucherströme gezielter zu verteilen und bestimmte Bereiche während der Spitzenzeiten zu entlasten.
Nachhaltigkeit wird zum messbaren Wettbewerbsfaktor
Der GDS-Index zeigt gleichzeitig, dass sich der internationale Maßstab verändert.
Destinationen konkurrieren nicht mehr ausschließlich um möglichst viele Besucher. Immer wichtiger wird die Frage, wie gut sie den Tourismus organisieren und welche Auswirkungen er auf die Menschen und die Umwelt vor Ort hat.
Das betrifft auch Hotels, Restaurants, Veranstaltungsorte und andere Unternehmen der Tourismusbranche. Der Index berücksichtigt deshalb zunehmend die gesamte touristische Lieferkette.
Auch bei der Zertifizierung zeigt sich laut GDS-Movement ein deutlicher Anstieg: Der Anteil zertifizierter Hotelzimmer im untersuchten Bestand ist seit 2023 von rund 34 auf knapp 59 Prozent gestiegen.
Für Kroatien ist das Thema wichtiger denn je
Der GDS-Index bewertet nicht Kroatien als Gesamtland. Er ist ein Instrument für teilnehmende Destinationen und erlaubt deshalb keine pauschale Aussage darüber, wie nachhaltig der kroatische Tourismus insgesamt ist.
Dennoch zeigt die internationale Entwicklung, wohin sich der Tourismus bewegt.
Für Kroatien dürfte deshalb entscheidend sein, ob die einzelnen Städte und Regionen ihre Nachhaltigkeitsstrategien in konkrete Maßnahmen übersetzen können – und ob diese Maßnahmen anschließend auch messbare Ergebnisse liefern.
Denn genau das ist die zentrale Botschaft des GDS-Index 2026: Nachhaltigkeit wird zunehmend nicht mehr daran gemessen, was eine Destination verspricht, sondern daran, was sie tatsächlich verändert.
Foto: Kroatien News



