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Landwirtschaft in Kroatien: Preise steigen, während sie in Europa fallen

Von Kroatien News Redaktion·10. September 2026 um 20:37

Landwirtschaft in Kroatien: Preise steigen, während sie in Europa fallen

Während landwirtschaftliche Erzeugnisse in der Europäischen Union derzeit deutlich günstiger werden, entwickeln sich die Preise in Kroatien in die entgegengesetzte Richtung. Im zweiten Quartal 2026 gehörte Kroatien gemeinsam mit Malta zu den Ländern mit dem stärksten Anstieg der Agrarpreise innerhalb der EU. Für Verbraucher ist das deshalb relevant, weil sich Veränderungen auf der Ebene der Landwirtschaft mit Verzögerung auch in den Preisen für Lebensmittel bemerkbar machen können.

Nach den jüngsten Daten von Eurostat lagen die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Kroatien zwischen April und Juni um 3,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Damit lag das Land gemeinsam mit Malta an der Spitze der EU. Noch zu Jahresbeginn war der Abstand deutlich größer gewesen: Im ersten Quartal hatten die kroatischen Agrarpreise 8,6 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen.

Der Blick auf die gesamte Europäische Union zeigt, wie ungewöhnlich diese Entwicklung ist. EU-weit gingen die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse im zweiten Quartal um 5,8 Prozent zurück. Es war bereits das dritte Quartal in Folge mit einem Rückgang. Besonders deutlich fiel die Bewegung in Dänemark aus, wo Agrarprodukte 17,2 Prozent günstiger waren als ein Jahr zuvor. In Irland betrug der Rückgang 16,2 Prozent, in Lettland und Estland jeweils 14,5 Prozent. Insgesamt verzeichneten 20 EU-Mitgliedstaaten sinkende Preise.

Auch bei wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen war die Entwicklung in Europa deutlich rückläufig. Milch verbilligte sich im Jahresvergleich im Durchschnitt um 16,6 Prozent, Getreide um 5,6 Prozent und frisches Obst um 8,3 Prozent. Gleichzeitig gab es allerdings Produkte, die teurer wurden: Frisches Gemüse kostete EU-weit 6,4 Prozent mehr, während Eier um 1,7 Prozent zulegten.

Kroatiens Bauern stehen unter besonderem Kostendruck

Dass die Preise landwirtschaftlicher Produkte in Kroatien steigen, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Landwirte von dieser Entwicklung besonders stark profitieren. Denn gleichzeitig sind ihre eigenen Produktionskosten erheblich gestiegen. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen einem höheren Verkaufspreis und einer besseren wirtschaftlichen Situation der landwirtschaftlichen Betriebe.

Im zweiten Quartal lagen die Preise für Waren und Dienstleistungen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, in Kroatien um 8,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit gehörte das Land auch bei den sogenannten Inputkosten zu den EU-Staaten mit den stärksten Zuwächsen. Im ersten Quartal hatte diese Kostenkategorie in Kroatien dagegen noch 2,3 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen.

Besonders auffällig ist der Anstieg bei den Kraftstoffkosten. Motorenkraftstoffe, die von der Statistik zu den landwirtschaftlichen Produktionskosten gerechnet werden, waren in Kroatien im zweiten Quartal 84,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Auch Düngemittel und Bodenverbesserer verteuerten sich deutlich, um 14,7 Prozent. Bei den wichtigen NPK-Düngern wurde ein Anstieg von 16 Prozent registriert.

Damit wird verständlich, warum steigende Erzeugerpreise für die kroatische Landwirtschaft nicht automatisch eine Entlastung bedeuten. Ein Teil der zusätzlichen Einnahmen kann durch höhere Kosten für Energie, Treibstoff und Betriebsmittel wieder aufgezehrt werden. Für viele Betriebe ist deshalb nicht allein entscheidend, wie viel sie für ihre Produkte erhalten, sondern wie groß die Differenz zwischen Verkaufspreis und Produktionskosten bleibt.

Gemüse wird zum auffälligen Preistreiber

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei frischem Gemüse. In Kroatien waren die Preise im zweiten Quartal 7,8 Prozent höher als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Das ist bemerkenswert, weil Gemüsepreise starken saisonalen und witterungsbedingten Schwankungen unterliegen.

Besonders kräftig stieg der Preis von Bohnen. Sie kosteten im Frühjahr fast 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch frisches Obst wurde in Kroatien teurer, allerdings mit einem deutlich moderateren Anstieg von rund vier Prozent. Eier verteuerten sich um 7,7 Prozent.

Diese Entwicklung steht teilweise im Kontrast zu den Bewegungen auf den europäischen Agrarmärkten. Sie zeigt zugleich, dass die Preise im Supermarkt nicht allein von den europäischen Rohstoffmärkten bestimmt werden. Produktionsbedingungen, Wetter, Energiepreise, Transportkosten, Löhne, regionale Angebotsstrukturen und die Entwicklung der Nachfrage spielen ebenfalls eine Rolle.

Für die Verbraucher ist deshalb ein wichtiger Unterschied zu beachten: Ein Rückgang der Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf europäischer Ebene bedeutet nicht automatisch, dass Lebensmittel im Supermarkt im gleichen Umfang billiger werden. Zwischen dem landwirtschaftlichen Erzeuger und dem Endkunden liegen Verarbeitung, Logistik, Handel und weitere Kostenstufen.

Ein Problem, das über die Landwirtschaft hinausgeht

Die Zahlen machen deutlich, dass Kroatien derzeit mit einer besonderen Kombination konfrontiert ist: Die Erzeugerpreise steigen, gleichzeitig steigen aber auch die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion deutlich. Hinzu kommt, dass die allgemeine Preisentwicklung im Land weiterhin über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Damit wird die Landwirtschaft zu einem wichtigen Teil der kroatischen Inflationsdebatte. Steigende Produktionskosten können langfristig dazu führen, dass Landwirte ihre Preise anheben müssen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Werden diese höheren Preise anschließend entlang der Lieferkette weitergegeben, kann sich der Effekt letztlich auch bei den Verbrauchern bemerkbar machen.

Für Kroatien ist die Entwicklung zudem deshalb von Bedeutung, weil das Land einen vergleichsweise kleinen Agrarmarkt besitzt und bei zahlreichen Lebensmitteln auf Importe angewiesen ist. Die europäische Preisentwicklung kann damit eine wichtige Rolle spielen. Wenn heimische Produktionskosten schneller steigen als in anderen Mitgliedstaaten, kann sich die Wettbewerbsposition kroatischer Produzenten gegenüber ausländischen Anbietern verschlechtern.

Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit anderen EU-Ländern, dass die Probleme nicht ausschließlich auf Kroatien beschränkt sind. EU-weit sind die Kosten für landwirtschaftliche Betriebsmittel im zweiten Quartal deutlich gestiegen. Besonders Energie und Schmierstoffe verteuerten sich im Durchschnitt um 22 Prozent, die Preise für Kraftstoffe sogar um 33,1 Prozent. Düngemittel und Bodenverbesserer kosteten durchschnittlich 13,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.


Der kroatische Sonderfall liegt deshalb weniger darin, dass die Landwirtschaft überhaupt mit höheren Kosten konfrontiert ist. Auffällig ist vielmehr, dass die Erzeugerpreise gleichzeitig weiter steigen, während sie in den meisten anderen EU-Staaten bereits deutlich zurückgehen.

Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob sich diese Entwicklung fortsetzt oder ob sich die kroatischen Agrarpreise dem europäischen Trend annähern. Für Verbraucher wäre ein Rückgang der Erzeugerpreise grundsätzlich eine gute Nachricht, doch er würde nicht zwangsläufig unmittelbar zu sinkenden Lebensmittelpreisen führen. Für die Landwirte wiederum wäre ein Preisrückgang problematisch, wenn ihre eigenen Kosten auf dem derzeit hohen Niveau bleiben.

Die aktuellen Zahlen erzählen deshalb eine kompliziertere Geschichte als die Schlagzeile vom „größten Preisanstieg“. Kroatiens Landwirtschaft verkauft ihre Produkte derzeit zu höheren Preisen als vor einem Jahr, muss für ihre Produktion aber ebenfalls deutlich mehr bezahlen. Während Europa insgesamt bereits in eine Phase sinkender Agrarpreise eingetreten ist, steht Kroatien damit vor der Frage, wie lange sich diese ungewöhnliche Entwicklung noch halten lässt – und wer am Ende die höheren Kosten der Lebensmittelproduktion trägt.

Foto: Tagesschau


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