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Neue Pflichten für Händler und Handwerker in Kroatien: Bis zu 30.000 Euro Strafe

Von Kroatien News Redaktion·22. September 2026 um 11:46

Neue Pflichten für Händler und Handwerker in Kroatien: Bis zu 30.000 Euro Strafe

Ab dem 1. Oktober kommen auf Händler und zahlreiche Gewerbetreibende in Kroatien neue Pflichten zu. Hintergrund ist eine Ausweitung der sogenannten Ankerpreise, mit denen die kroatische Regierung mehr Transparenz bei der Preisentwicklung schaffen und verhindern will, dass steigende Kosten zu ungerechtfertigten Preiserhöhungen führen.

Für Unternehmen bedeutet die neue Regelung allerdings zusätzlichen Aufwand. Bei Verstößen können Geldstrafen von bis zu 30.000 Euro verhängt werden.

Preise müssen künftig noch genauer ausgewiesen werden

Nach Angaben des kroatischen Wirtschaftsministeriums muss ab dem 1. Oktober neben dem aktuellen Preis eines Produkts oder einer Dienstleistung auch der Preis angegeben werden, der am 10. September 2026 gegolten hat.

Für Produktgruppen, die bereits von der früheren Regelung erfasst waren – darunter Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Reinigungsmittel, Toilettenartikel und Haushaltswaren – bleibt dagegen weiterhin der Preis vom 2. Mai 2025 als Referenz maßgeblich.

Damit sollen Verbraucher leichter erkennen können, ob und in welchem Umfang sich Preise verändert haben.

Die Maßnahme ist Teil des inzwischen elften Maßnahmenpakets der kroatischen Regierung gegen steigende Preise.

Auch Online-Preislisten werden zur Pflicht

Eine weitere Neuerung betrifft Unternehmen mit einer eigenen Internetseite.

Händler und Dienstleister, die auf ihrer Website bereits Preislisten anbieten, müssen diese künftig in einem maschinenlesbaren XML- oder CSV-Format veröffentlichen.

Für Händler gilt dabei eine besonders strenge Aktualisierungspflicht: Die Preislisten müssen täglich und spätestens bis 8 Uhr aktualisiert werden.

Bei Dienstleistern muss die Aktualisierung jeweils dann erfolgen, wenn sich ein Preis verändert – ebenfalls spätestens bis 8 Uhr an diesem Tag.

Die veröffentlichten Preislisten müssen anschließend 30 Tage lang zugänglich bleiben.

Kleine Unternehmen sehen sich unter Druck

Gerade bei kleineren Betrieben sorgt die neue Regelung für Kritik.

Kristina Bakula von der Unternehmervereinigung „Glas poduzetnika“ bezeichnete die Ausweitung als problematisch. Während große Handelsketten über eigene IT-Abteilungen verfügten, könnten kleinere Unternehmen und Selbstständige vor erheblichen zusätzlichen Kosten stehen.

Betroffen sein könnten beispielsweise Landwirte, Automechaniker, Friseure und andere kleine Gewerbetreibende.

Wer seine Website bislang selbst oder mit gelegentlicher Hilfe betreut habe, müsse möglicherweise zusätzliche technische Unterstützung bezahlen, um die neuen Anforderungen einzuhalten.

Handwerkskammer fordert Rücknahme

Auch die Kroatische Handwerkskammer (HOK) fordert eine Rücknahme der neuen Regelung.

HOK-Präsident Dalibor Kratohvil berichtete von zahlreichen Anfragen verunsicherter Gewerbetreibender. Viele hätten nur wenig Zeit, sich auf die neuen Vorgaben einzustellen.

Besonders bei kleinen Online-Shops sei die Sorge groß.

Nach Angaben der Handwerkskammer denken einige Unternehmer bereits darüber nach, ihre Webshops vollständig zu schließen, weil ihnen der zusätzliche administrative und technische Aufwand zu groß erscheint.

Kratohvil betonte gleichzeitig, dass die Handwerkskammer das Ziel einer größeren Preistransparenz grundsätzlich nachvollziehen könne. Die neuen Anforderungen seien aus seiner Sicht jedoch eine zusätzliche Belastung für Unternehmen.

Ministerium verteidigt die Regelung

Das Wirtschaftsministerium weist die Kritik zurück.

Željko Krevzelj vom Wirtschaftsministerium erklärte, die Maßnahme richte sich nach den bereits bestehenden Regeln und solle vor allem dafür sorgen, dass Verbraucher Preisveränderungen leichter nachvollziehen können.

Er betonte außerdem, dass Unternehmen nicht plötzlich auf jeder Internetseite einen neuen Preisbereich einrichten müssten, wenn dort bislang überhaupt keine Preisliste vorhanden gewesen sei.

Das Ministerium kündigte zudem weitere Ausführungsregeln und Erläuterungen an, um die praktische Umsetzung der neuen Vorschriften zu präzisieren.

Bis zu 30.000 Euro Strafe

Besonders relevant für Händler und Gewerbetreibende sind die möglichen Konsequenzen bei Verstößen.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums können die Strafen zwischen 3.000 und 30.000 Euro liegen.

Die neuen Regelungen sollen ab 1. Oktober 2026 angewendet werden.

Für viele kleinere Unternehmen bedeutet das deshalb, dass sie ihre Preisangaben und gegebenenfalls auch ihre technischen Abläufe kurzfristig überprüfen müssen.

Streit über den richtigen Weg gegen die Inflation

Die Diskussion findet vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Energie- und Kraftstoffpreise statt. Die Regierung will verhindern, dass höhere Kosten automatisch zu weiteren Preissteigerungen bei anderen Produkten und Dienstleistungen führen.


Der frühere Wirtschaftsminister Davor Štern sieht grundsätzlich einen nachvollziehbaren Ansatz darin, Preissteigerungen transparenter zu machen. Gleichzeitig verwies er auf die starken Schwankungen auf dem internationalen Energiemarkt und darauf, dass die Möglichkeiten staatlicher Eingriffe begrenzt seien.

Damit stehen sich zwei Perspektiven gegenüber: Die Regierung setzt auf mehr Transparenz und Kontrolle, während Vertreter kleiner Unternehmen vor zusätzlicher Bürokratie und steigenden Kosten warnen.

Ab dem 1. Oktober müssen Händler und viele Gewerbetreibende in Kroatien deshalb genau darauf achten, wie sie ihre Preise ausweisen und aktualisieren. Für Verbraucher soll die neue Regelung mehr Transparenz bringen – für Unternehmen bedeutet sie zunächst vor allem zusätzliche Pflichten und bei Verstößen empfindliche Strafen.

Foto: Marcus Brandt / dpa / picture alliance


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