Ökonom warnt: Kroatiens Inflation könnte in zwei Monaten auf sechs bis sieben Prozent steigen
Von Kroatien News Redaktion·22. September 2026 um 09:43

Die steigenden Kraftstoffpreise könnten in Kroatien schon bald deutlich größere Auswirkungen auf die Verbraucher haben. Der Wirtschaftswissenschaftler und frühere Wirtschaftsminister Ljubo Jurčić warnt davor, dass die Inflation innerhalb von zwei Monaten auf sechs bis sieben Prozent steigen könnte, sollte der derzeitige Preisanstieg bei Diesel und anderen Kraftstoffen anhalten.
Jurčić äußerte sich dazu in der kroatischen Fernsehsendung „RTL Direkt“. Entscheidend sei vor allem, wie lange die hohen Energiepreise bestehen bleiben.
Hohe Dieselpreise könnten sich durch die gesamte Wirtschaft ziehen
Nach Einschätzung des Ökonomen wirken sich steigende Öl- und Dieselpreise nicht sofort auf alle Bereiche der Wirtschaft aus. Mit einer gewissen Verzögerung würden die höheren Kosten jedoch zunehmend an die Verbraucher weitergegeben.
Wie schnell das geschehe, hänge von der jeweiligen Branche ab. In der Landwirtschaft beispielsweise könne es fünf bis sechs Monate dauern, bis sich höhere Energiekosten vollständig in den Preisen widerspiegeln. In der Fischerei könne der Effekt dagegen bereits innerhalb weniger Tage sichtbar werden.
Im Durchschnitt rechnet Jurčić mit etwa zwei Monaten, bis sich ein deutlicher Anstieg der Ölpreise auf die gesamte Wirtschaft auswirkt.
Sollte der Dieselpreis deshalb über längere Zeit auf dem derzeit hohen Niveau bleiben, könnten die Folgen für die Verbraucher erheblich sein.
Transport und Logistik wären besonders schnell betroffen
Als eine der ersten Branchen würde laut Jurčić der Transportsektor die Auswirkungen spüren.
Steigen die Kosten für Diesel, müssen Transportunternehmen diese zusätzlichen Ausgaben entweder selbst tragen oder an ihre Kunden weitergeben. Das kann wiederum zu höheren Preisen für Waren und Dienstleistungen führen.
Auch Logistikunternehmen und Fischer gehören nach seiner Einschätzung zu den besonders stark betroffenen Gruppen.
Für Fischer seien die Auswirkungen besonders gravierend, da Kraftstoff einen sehr großen Anteil ihrer gesamten Kosten ausmache. Jurčić beziffert diesen Anteil auf rund 70 Prozent.
Gefahr einer „Inflationsstimmung“
Der Ökonom sieht allerdings nicht nur die direkten Auswirkungen höherer Energiekosten als Problem.
Er warnt auch vor einer sogenannten Inflationserwartung. Wenn Verbraucher und Unternehmen damit rechnen, dass die Preise weiter steigen, könnten auch Unternehmen ihre Preise erhöhen, obwohl ihre eigenen Kosten gar nicht entsprechend gestiegen sind.
So könne eine Art Inflationsstimmung entstehen, die den Preisauftrieb zusätzlich verstärkt.
Sechs bis sieben Prozent nur bei anhaltendem Preisdruck
Jurčić betont, dass seine Prognose an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist.
Sollte sich die Situation bei den Kraftstoffpreisen stabilisieren, könnte der starke Preisdruck seiner Einschätzung nach noch abgefangen werden. Er hoffe, dass sich die Lage innerhalb eines Monats beruhige.
Bleiben die hohen Öl- und Dieselpreise jedoch bestehen, sieht er ein deutlich größeres Risiko.
Sollte Rohöl bei etwa 100 bis 110 US-Dollar pro Barrel liegen und die Situation beim Diesel unverändert bleiben, könnte die Inflation in Kroatien nach seiner Einschätzung innerhalb von zwei Monaten sechs bis sieben Prozent erreichen.
Es handelt sich dabei ausdrücklich um eine Einschätzung des Ökonomen und nicht um eine offizielle Inflationsprognose der kroatischen Regierung oder einer Zentralbank.
Regierung hat bereits bei Dieselsteuer eingegriffen
Die kroatische Regierung versucht bereits, den Anstieg der Kraftstoffpreise abzufedern. Unter anderem wurde die Verbrauchsteuer auf Diesel zuletzt um drei Cent pro Liter gesenkt.
Jurčić hält weitere Instrumente für möglich. Er nannte unter anderem eine flexiblere Mehrwertsteuer sowie in besonderen Situationen auch staatliche Eingriffe in die Preisbildung.
Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, staatliche Unterstützung stärker auf diejenigen zu konzentrieren, die sie tatsächlich benötigen.
Unterstützung gezielter verteilen
Nach Ansicht des Ökonomen sollte der Staat nicht grundsätzlich den Kraftstoffpreis für alle Verbraucher subventionieren.
Stattdessen sollten Hilfen gezielt an Haushalte mit geringeren Einkommen fließen. Als Beispiel nannte Jurčić Familien mit Kindern, niedrigeren Einkommen und laufenden Krediten, für die zusätzliche Kosten besonders schwer zu verkraften seien.
Er hält es dagegen für wenig sinnvoll, auch Haushalte mit deutlich höheren Einkommen und entsprechend höherem Kraftstoffverbrauch in gleichem Umfang zu unterstützen.
Jurčić sieht ein grundsätzliches Problem bei den Einkommen
Der frühere Wirtschaftsminister sieht das Problem Kroatiens allerdings nicht allein bei den steigenden Kraftstoffpreisen.
Seiner Einschätzung nach sind vor allem die vergleichsweise niedrigen Einkommen ein entscheidender Faktor dafür, wie stark Preissteigerungen die Bevölkerung treffen.
Wenn Lebensmittel, Energie, Transport und andere Lebenshaltungskosten steigen, haben Haushalte mit geringeren Einkommen entsprechend weniger Spielraum.
Neue Preisregeln für Händler ebenfalls kritisiert
Jurčić äußerte sich zudem kritisch zu den neuen Regeln für Händler, die ab 1. Oktober gelten sollen. Händler müssen dann mehrere Preisangaben ausweisen, darunter den Referenzpreis, den niedrigsten Preis der vergangenen 30 Tage und den aktuellen Verkaufspreis.
Der Ökonom bezweifelt, dass diese Maßnahme einen wesentlichen Einfluss auf die Preisentwicklung haben wird.
Für die Verbraucher dürfte deshalb vor allem die Entwicklung der Energiepreise entscheidend bleiben.
Ob Kroatien tatsächlich eine Inflationsrate von sechs oder sieben Prozent erreichen könnte, hängt letztlich davon ab, wie lange die derzeit hohen Kraftstoffpreise bestehen bleiben. Jurčićs Warnung macht jedoch deutlich, dass steigende Dieselpreise nicht nur an der Tankstelle spürbar werden könnten – sondern mit Verzögerung auch bei Transport, Waren und Dienstleistungen.
Foto: Luka Stanzl / Pixsell



