Serbien wählt ein neues Parlament – Kroaten bleiben erneut ohne eigene Vertretung
Von Kroatien News Redaktion·25. Oktober 2026 um 11:58

Bei der Parlamentswahl in Serbien am heutigen 25. Oktober fehlt eine eigene kroatische Kandidatenliste. Obwohl zwischen Kroatien und Serbien ein Abkommen zum Schutz nationaler Minderheiten besteht, haben die rund 39.000 Kroaten in Serbien keinen garantierten Sitz im nationalen Parlament. In Kroatien ist die politische Vertretung der serbischen Minderheit dagegen gesetzlich abgesichert.
In Serbien wird heute ein neues Parlament gewählt. Während zahlreiche politische Listen um die Stimmen der Wähler werben, fehlt eine eigene Kandidatenliste der kroatischen Minderheit. Damit bleibt den Kroaten in Serbien erneut die Möglichkeit verwehrt, über eine eigene Liste gezielt einen Vertreter in die Nationalversammlung in Belgrad zu entsenden.
Der Hintergrund liegt auch im serbischen Wahlsystem: Für die kroatische Minderheit ist kein eigener Parlamentssitz reserviert. Sie muss daher über eine eigene Liste oder eine politische Zusammenarbeit mit anderen Parteien den Einzug ins Parlament erreichen. Die dafür geltenden Voraussetzungen stellen kleine Minderheiten vor erhebliche Hürden.
Rund 39.000 Kroaten ohne garantierten Parlamentssitz
Nach Angaben des kroatischen Parlamentsausschusses für Kroaten im Ausland leben rund 39.000 Angehörige der kroatischen Minderheit in Serbien. Besonders stark ist die Gemeinschaft in der Vojvodina vertreten.
Trotz ihrer historischen Verwurzelung in der Region verfügt die kroatische Minderheit über keinen garantierten Sitz in der serbischen Nationalversammlung. Vertreter der Gemeinschaft kritisieren seit Jahren, dass eine eigene parlamentarische Vertretung unter den geltenden Bedingungen nur schwer zu erreichen sei.
Bei der Wahl am 25. Oktober steht keine eigene kroatische Minderheitenliste zur Verfügung. Damit fehlt den kroatischen Wählern eine entsprechende Option, ihre Interessen über eine eigene Liste ins Parlament einzubringen.
Ein Abkommen, das bislang nicht ausreichend umgesetzt wird
Dabei haben Kroatien und Serbien bereits 2004 ein bilaterales Abkommen zum Schutz der Rechte ihrer jeweiligen nationalen Minderheiten unterzeichnet. Es wurde 2005 ratifiziert und sieht unter anderem den Schutz der Sprache, der kulturellen Identität, der Bildung und die Beteiligung an Entscheidungen über Minderheitenrechte vor.
Aus Sicht kroatischer Vertreter wird dieses Abkommen jedoch nicht ausreichend umgesetzt. Im Mai 2026 erklärte Marin Piuković aus der kroatischen Gemeinschaft in Serbien vor einem Ausschuss des kroatischen Parlaments, dass die Kroaten in Serbien weiterhin keinen Vertreter in der Nationalversammlung hätten. Er verwies ausdrücklich auf das bestehende Abkommen und die fehlende politische Repräsentation.
Auch die kroatische Regierung fordert seit Jahren, dass die Kroaten in Serbien auf nationaler Ebene vergleichbare Möglichkeiten zur politischen Vertretung erhalten, wie sie die serbische Minderheit in Kroatien besitzt.
In Kroatien sind Minderheitensitze gesetzlich garantiert
Der Vergleich mit Kroatien zeigt einen deutlichen Unterschied. Dort garantiert das Verfassungsrecht über die Rechte nationaler Minderheiten deren Vertretung im Parlament. Die serbische Minderheit gehört zu den Gruppen, für die eigene Mandate vorgesehen sind.
Nach dem kroatischen Wahlrecht stehen Minderheiten, die mehr als 1,5 Prozent der Bevölkerung ausmachen, bis zu drei Sitze zu. Für andere anerkannte Minderheiten sind ebenfalls eigene Vertretungsmöglichkeiten vorgesehen. Die serbische Minderheit verfügt über drei garantierte Parlamentssitze.
In Serbien gibt es dagegen keine vergleichbare Garantie eines eigenen Sitzes für die kroatische Minderheit. Damit unterscheiden sich die gesetzlichen Voraussetzungen für die parlamentarische Vertretung der beiden Gemeinschaften deutlich.
Eine Frage der Gleichbehandlung
Die fehlende kroatische Kandidatenliste bei der heutigen Wahl macht ein Problem sichtbar, das über den Wahltermin hinausgeht: Ein Abkommen zum Schutz nationaler Minderheiten schafft allein noch keine gleichwertigen politischen Beteiligungsmöglichkeiten, wenn die entsprechenden Rechte nicht wirksam umgesetzt werden.
Kroatische Vertreter fordern deshalb, dass Serbien seine Verpflichtungen erfüllt und der kroatischen Minderheit eine verlässlichere politische Vertretung auf nationaler Ebene ermöglicht.
Die Parlamentswahl am 25. Oktober findet somit ohne eine eigene kroatische Minderheitenliste statt. Während Kroatien die parlamentarische Vertretung der serbischen Minderheit gesetzlich absichert, bleibt eine entsprechende Garantie für die Kroaten in Serbien aus. Die Frage, wie das bilaterale Abkommen künftig umgesetzt werden soll, bleibt damit ein wichtiger Punkt in den Beziehungen zwischen Zagreb und Belgrad.
Foto: KI Symbolbild



