Uljanik vor neuem Kapitel: Türkischer Investor übernimmt Mehrheit der Pulaer Werft
Von Kroatien News Redaktion·14. September 2026 um 11:54

Die traditionsreiche Uljanik-Werft in Pula steht vor einem entscheidenden Wendepunkt. Der kroatische Staat hat den Weg für den Einstieg eines türkischen Investors freigemacht. Der Centar za restrukturiranje i prodaju (CERP) akzeptierte das verbindliche Angebot des türkischen Unternehmens Kuzey Star Shipyard Denizcilik Sanayi ve Ticaret für 97,13 Prozent der Anteile an der Uljanik Brodogradnja 1856. Der angebotene Kaufpreis beträgt 12,05 Millionen Euro.
Damit könnte nach Jahren der Krise, Insolvenz und staatlicher Unterstützung ein neuer Abschnitt in der Geschichte des traditionsreichen Werftstandorts beginnen. Noch ist die Übernahme allerdings nicht endgültig abgeschlossen. Da es sich um einen Investor aus einem Drittstaat handelt, muss zunächst die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung der ausländischen Investition abgeschlossen werden.
12,05 Millionen Euro für fast die gesamte Werft
Der kroatische Staat hatte im Juni den Verkauf seiner Anteile an der Uljanik Brodogradnja 1856 ausgeschrieben. Insgesamt ging es um vier Geschäftsanteile, die zusammen 97,13 Prozent des Grundkapitals ausmachen. Als Mindestpreis waren rund 11,1 Millionen Euro festgelegt worden.
Das türkische Unternehmen bot schließlich 12,05 Millionen Euro und lag damit deutlich über der staatlichen Vorgabe. Der CERP-Verwaltungsrat nahm das Angebot nun an.
Für die Zukunft der Werft ist jedoch nicht allein der Kaufpreis entscheidend. Mit dem Verkauf sind klare Bedingungen verbunden. Der neue Eigentümer muss die Schiffbau- und Schiffsreparaturtätigkeit auf dem gesamten maritimen Konzessionsgebiet von Uljanik aufrechterhalten. Das Werftgelände soll also weiterhin seinem ursprünglichen industriellen Zweck dienen.
Damit macht der kroatische Staat deutlich, dass es bei der Transaktion nicht lediglich um den Verkauf eines großen Grundstücks in attraktiver Lage geht. Pula soll Werftstandort bleiben.
Türkischer Investor bringt Branchenerfahrung mit
Dass mit Kuzey Star ein Unternehmen aus der Türkei zum Zug kommt, ist für die weitere Entwicklung von besonderer Bedeutung. Der Käufer kommt selbst aus der maritimen Industrie und übernimmt damit nicht irgendeinen Industriebetrieb, sondern eine Werft mit Hafenanlagen, Konzessionsflächen und jahrzehntelanger Erfahrung im Schiffbau.
Gerade dieser industrielle Hintergrund könnte für Uljanik ein Vorteil sein. Nach den schwierigen Jahren braucht der Standort nicht nur Kapital, sondern vor allem Aufträge, technisches Know-how und eine langfristige Strategie.
Die Herausforderung besteht darin, die vorhandene Infrastruktur wieder dauerhaft auszulasten und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Werft zu erhöhen. Dafür werden Investitionen und neue Aufträge notwendig sein. Ebenso wichtig ist die Frage, ob es gelingt, ausreichend qualifizierte Fachkräfte am Standort zu halten beziehungsweise neue Mitarbeiter zu gewinnen.
Zweites Angebot aus Luxemburg wurde ausgeschlossen
Ursprünglich gab es zwei verbindliche Angebote für die Übernahme. Neben Kuzey Star hatte auch die luxemburgische Gesellschaft Mira Finance Holding ein Angebot abgegeben.
Dieses wurde jedoch nicht berücksichtigt. Der Grund lag nach Angaben des CERP nicht in der Höhe des Kaufpreises, sondern in den formalen Anforderungen an die Angebotsgarantie. Die vorgeschriebene Sicherheitsleistung war bei der Prüfung nicht in der erforderlichen Höhe auf dem Konto des CERP eingegangen.
Damit blieb am Ende das Angebot des türkischen Unternehmens übrig. Dieses erfüllte die formalen Voraussetzungen und lag zugleich über dem vom Staat festgelegten Mindestpreis.
Uljanik hat eine bewegte Vergangenheit
Der Eigentümerwechsel ist der vorläufige Höhepunkt einer langen und schwierigen Entwicklung. Uljanik war einst eines der bedeutendsten Industrieunternehmen Kroatiens. Die Werft prägte Pula über Generationen und war ein wichtiger Arbeitgeber für die gesamte Region.
Doch wirtschaftliche Probleme führten schließlich zum Zusammenbruch des alten Uljanik-Konzerns und zur Insolvenz. Der kroatische Staat versuchte anschließend, den Schiffbau in Pula zu retten und unter einer neuen Unternehmensstruktur wieder aufzubauen.
Die Uljanik Brodogradnja 1856 entstand in diesem Zusammenhang als neuer Träger des Werftbetriebs. Der Staat spielte dabei eine zentrale Rolle und stellte erhebliche Mittel zur Verfügung, um den Betrieb zu stabilisieren und den Fortbestand des Standorts zu ermöglichen.
Der nun geplante Verkauf markiert deshalb auch einen politischen Kurswechsel: Der Staat versucht, die Verantwortung für die weitere Entwicklung wieder stärker in private und industrielle Hände zu geben.
Für Pula geht es um mehr als einen Eigentümerwechsel
Die Bedeutung von Uljanik reicht weit über das Unternehmen selbst hinaus. Die Werft ist eng mit der wirtschaftlichen Geschichte Pulas und Istriens verbunden. Zahlreiche Familien in der Region haben über Generationen eine Verbindung zum Schiffbau.
Ein dauerhafter Neustart könnte deshalb auch für die regionale Wirtschaft erhebliche Bedeutung haben. Eine funktionierende Werft schafft nicht nur direkt Arbeitsplätze, sondern beschäftigt Zulieferer, Dienstleister, Transportunternehmen und zahlreiche weitere Betriebe.
Gleichzeitig befindet sich der europäische Schiffbau in einem internationalen Wettbewerb. Asiatische Werften dominieren große Teile des globalen Marktes, während europäische Unternehmen insbesondere bei Spezialschiffen, Reparaturen und technisch anspruchsvollen Projekten ihre Chancen suchen müssen.
Für Uljanik könnte gerade die Kombination aus bestehender Infrastruktur und der Lage an der Adria eine wichtige Grundlage für die Zukunft sein.
Übernahme noch nicht endgültig abgeschlossen
Trotz der grundsätzlichen Zustimmung des CERP ist der Eigentümerwechsel noch nicht vollzogen. Weil Kuzey Star ein türkisches Unternehmen ist, muss zunächst geprüft werden, ob die Übernahme nach den kroatischen Vorschriften für ausländische Investitionen zulässig ist.
Erst nach Abschluss dieses Verfahrens kann die Übertragung der Anteile endgültig umgesetzt werden.
Parallel dazu muss der Werftbetrieb weiter stabilisiert werden. Der Staat bleibt daher zumindest in der Übergangsphase gefordert. Auch künftig wird sich zeigen müssen, ob die neue Eigentümerstruktur tatsächlich genügend Kapital und Aufträge mobilisieren kann, um Uljanik langfristig auf eine wirtschaftlich tragfähige Grundlage zu stellen.
Neue Hoffnung für die Werft von Pula
Der Verkauf an Kuzey Star ist deshalb noch kein Beweis für eine erfolgreiche Sanierung. Er ist aber ein wichtiger Schritt, weil erstmals ein spezialisierter ausländischer Investor mit konkretem Interesse am Werftbetrieb die Mehrheit übernehmen soll.
Für Pula steht damit viel auf dem Spiel. Die Stadt könnte ihren traditionsreichen Schiffbaustandort dauerhaft sichern und gleichzeitig einen neuen industriellen Impuls erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass aus dem Eigentümerwechsel auch tatsächlich Investitionen, neue Aufträge und eine nachhaltige Beschäftigungsperspektive entstehen.
Nach Jahren der Unsicherheit gibt es nun zumindest eine konkrete Perspektive: Die Zukunft von Uljanik soll nicht mehr allein vom kroatischen Staat getragen werden. Ein türkischer Investor steht bereit, die traditionsreiche Werft in Pula zu übernehmen und den Schiffbau dort fortzuführen.
Ob aus diesem Schritt tatsächlich die Rückkehr zu einer dauerhaft erfolgreichen Werft wird, entscheidet sich allerdings erst in den kommenden Jahren.
Foto: Srecko Niketic / Pixsell



