Serbien: Studenten stürzen Vučićs Regime – Machtwechsel in Belgrad zeichnet sich ab
Von Kroatien News Redaktion·25. Oktober 2026 um 22:18

Historischer Wahlausgang in Serbien: Die studentische Bewegung hat die Parlamentswahl nach den bisherigen Prognosen klar gewonnen. Aleksandar Vučić räumte die Niederlage seines politischen Lagers ein. In Belgrad feierten Tausende Menschen auf den Straßen – nach Jahren der Proteste könnte die langjährige Herrschaft der Regierungspartei SNS zu Ende gehen.
In Serbien zeichnet sich ein historischer politischer Umbruch ab. Die von der Studentenbewegung unterstützte Wahlliste „Studenten gewinnen“ hat die vorgezogene Parlamentswahl am Sonntag, dem 25. Oktober, nach den von Aleksandar Vučić vorgestellten Prognosen deutlich für sich entschieden. Der langjährige Machthaber räumte die Niederlage seines politischen Lagers ein und stellte der Opposition eine klare Mehrheit im Parlament in Aussicht.
Nach Vučićs Angaben könnte die Studentenliste zwischen 135 und 140 der insgesamt 250 Sitze erhalten. Das Lager um seine Serbische Fortschrittspartei (SNS) käme demnach auf rund 105 Mandate. Für eine absolute Mehrheit sind 126 Sitze erforderlich. Die endgültigen amtlichen Ergebnisse stehen allerdings noch aus.
Damit steht die politische Machtordnung, die Serbien seit Jahren prägt, vor ihrer bislang schwersten Niederlage. Das Regime in Belgrad ist an der Wahlurne entscheidend geschlagen worden – ein Machtwechsel rückt in greifbare Nähe.
Jubel in Belgrad: „Sieg, Sieg!“
Nach der Erklärung Vučićs brach in Belgrad Jubel aus. Auf dem Platz der Republik und in weiteren Teilen der Hauptstadt versammelten sich Menschen, feierten, riefen „Sieg, Sieg!“ und zündeten Fackeln. Die Bilder aus der Hauptstadt stehen für die Hoffnung vieler Menschen, dass sich die politische Zukunft des Landes grundlegend verändern könnte.
Für zahlreiche Demonstranten ist der Wahlausgang mehr als ein gewöhnlicher Regierungswechsel. Sie sehen darin den Erfolg einer Bewegung, die sich über Monate hinweg gegen Korruption, Machtmissbrauch und die zunehmende Konzentration politischer Macht gewehrt hat.
Vom Studentenprotest zur landesweiten Bewegung
Der Aufstieg der Studentenbewegung begann nach dem tödlichen Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024. Bei dem Unglück kamen 16 Menschen ums Leben. Die Katastrophe löste landesweite Proteste aus, bei denen die Demonstrierenden Aufklärung, politische Verantwortung und Konsequenzen wegen mutmaßlicher Korruption forderten.
Aus den zunächst von Studierenden getragenen Protesten entwickelte sich eine breite Bewegung gegen die Regierung und das politische System unter Vučić. Universitäten wurden zu Zentren des Widerstands, Demonstrationen mobilisierten Menschen im ganzen Land. Die Studentenliste wurde schließlich zur entscheidenden Herausforderung für das seit Jahren dominierende Regierungslager.
Die Parlamentswahl sollte zeigen, ob aus dem anhaltenden Protest tatsächlich eine politische Mehrheit entstehen kann. Die bisherigen Prognosen sprechen dafür.
Hohe Wahlbeteiligung und Berichte über Unregelmäßigkeiten
Der Wahltag war von großem Interesse geprägt. Vor zahlreichen Wahllokalen hatten sich bereits am Morgen lange Schlangen gebildet. Die Wahlbeteiligung erreichte nach Angaben der Wahlkommission bis zum späten Nachmittag rund 65 Prozent. Beobachter rechneten mit einer Gesamtbeteiligung von annähernd 70 Prozent – einem der höchsten Werte seit dem Zerfall Jugoslawiens.
Gleichzeitig wurden Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten und Einschüchterungsversuche gemeldet. Wahlbeobachter berichteten unter anderem über Druck auf Wähler und Probleme beim Schutz des Wahlgeheimnisses. Diese Vorwürfe müssen unabhängig geprüft werden.
Was bedeutet die Niederlage für Serbien?
Vučić und sein politisches Lager prägten Serbiens Politik über viele Jahre. Die SNS ist seit 2012 an der Regierung beteiligt; Vučić selbst war zunächst Ministerpräsident und später Präsident. Die Wahl markiert deshalb eine Zäsur für ein politisches System, in dem sich Macht und Einfluss über lange Zeit stark auf das Regierungslager konzentriert hatten.
Sollte sich die prognostizierte Mehrheit der Studentenliste bestätigen, könnte eine neue politische Kraft die Regierung übernehmen. Damit wären große Erwartungen verbunden: mehr Transparenz, eine wirksamere Korruptionsbekämpfung, unabhängige Institutionen und eine stärkere demokratische Kontrolle der politischen Führung.
Doch der Wahlsieg allein löst die strukturellen Probleme des Landes nicht. Entscheidend wird sein, ob die neue Mehrheit ihre Versprechen umsetzen und einen geordneten Machtwechsel durchsetzen kann.
Ein Wendepunkt in der jüngeren Geschichte Serbiens
Die Studentenbewegung hat es geschafft, aus Protesten gegen Korruption eine ernsthafte politische Alternative zu formen. Dass Vučić die Niederlage seines Lagers selbst eingeräumt hat, unterstreicht die Tragweite des Ergebnisses.
Noch sind die endgültigen amtlichen Zahlen abzuwarten. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Die Machtbasis des bisherigen Regierungslagers ist schwer erschüttert. In Belgrad feiern Menschen einen möglichen Neuanfang – und Serbien steht vor einem der bedeutendsten politischen Wendepunkte seiner jüngeren Geschichte.
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