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Dubrovnik und das Geschäft mit dem Sex

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Foto: AI

In der kroatischen Touristenmetropole ist Prostitution sichtbar, aber nach Einschätzung der Polizei kein großes Phänomen organisierter Kriminalität. Viele Anbieterinnen kommen aus Lateinamerika und bleiben nur wenige Tage. Ein Fall zeigt jedoch, wie schnell das Geschäft in Gewalt umschlagen kann.

Dubrovnik. Im Sommer verändert sich Dubrovnik. Die Zahl der Besucher steigt, ebenso das Angebot an Unterhaltung, Dienstleistungen und kurzfristigen Arbeitsmöglichkeiten. Zu den weniger sichtbaren Begleiterscheinungen des Massentourismus gehört die Prostitution. Nach Angaben der Polizei der Gespanschaft Dubrovnik-Neretva, über die der Dubrovački dnevnik berichtet, wurden in diesem Jahr bislang zehn Fälle als Verstöße gegen die öffentliche Ordnung und den Frieden registriert. Hinzu kam ein Fall organisierter Prostitution.

Das Bild, das sich aus den Angaben der Behörden ergibt, ist dabei weniger das einer von kriminellen Strukturen beherrschten Branche als das eines mobilen, über das Internet vermittelten Geschäfts. Die Anbieterinnen reisen demnach zwischen europäischen Städten und touristischen Zentren, mieten für kurze Zeit eine Unterkunft und wechseln anschließend den Ort. Ihre Kunden finden sie über spezialisierte Internetseiten.

Unter den in diesem Jahr wegen entsprechender Verstöße sanktionierten 17 Personen befand sich erstmals auch ein Mann. Der 38 Jahre alte spanische Staatsbürger hatte seine Dienstleistungen ebenfalls im Internet angeboten. Die übrigen Betroffenen waren Frauen. Sieben von ihnen besaßen die kolumbianische Staatsangehörigkeit, fünf waren Spanierinnen, vier Brasilianerinnen und eine Frau stammte aus Belarus. Das Alter der Betroffenen lag zwischen 21 und 41 Jahren; das Durchschnittsalter betrug 29 Jahre.

Ein Geschäft auf Zeit

Nach Darstellung des Dubrovački dnevnik konzentriert sich das Geschehen nicht auf ein bestimmtes Viertel. Als Orte, an denen entsprechende Dienstleistungen angeboten wurden, nennt die Polizei unter anderem Gruž, Lapad und Ploče. Charakteristisch sei der vorübergehende Aufenthalt: Ein Apartment wird angemietet, Kunden werden empfangen, nach einigen Tagen geht die Reise weiter.

Für ausländische Staatsangehörige kann ein solcher Verstoß weitreichende Konsequenzen haben. In sieben Fällen wurden nach Angaben der Polizei Abschiebungsentscheidungen mit einem zweijährigen Einreise- und Aufenthaltsverbot im Europäischen Wirtschaftsraum ausgesprochen. In zwei weiteren Fällen galt das zweijährige Verbot für Kroatien. In einem Fall wurde der Grenzübertritt untersagt und der Reisepass eingezogen.

Neben den Fällen, die als Ordnungswidrigkeiten behandelt werden, registrierten die Behörden auch einen Fall, der strafrechtlich schwerer wiegt. Eine 36 Jahre alte Brasilianerin steht im Verdacht, die Prostitution einer 34-jährigen Landsfrau organisiert und gefördert zu haben. Nach Angaben der Polizei soll sie über eine Internetseite Kontakte zu Kunden hergestellt und Treffen vereinbart haben. Gegen die Verdächtige wird wegen der Organisation beziehungsweise Förderung der Prostitution ermittelt.

Die gefährliche Seite des Geschäfts

Wie wenig sich die vermeintlich kontrollierte und digitale Form des Geschäfts von den Gefahren körperlicher Gewalt trennen lässt, zeigt ein Fall aus dem Sommer 2024.

Damals verabredete sich eine aus Südamerika stammende Frau über eine Internetanzeige mit zwei jungen Männern. Das Treffen fand in einer gemieteten Wohnung statt. Nach den damaligen Ermittlungsergebnissen der Polizei bedrohten die Männer die Frau mit einem Messer und zwangen sie zum Geschlechtsverkehr. Anschließend verlangten sie Geld und weitere Wertgegenstände.

Im September 2024 nahm die Polizei zwei Verdächtige fest. Gegen einen kroatischen Staatsbürger mit Wohnsitz in Bosnien und Herzegowina sowie einen Staatsbürger Bosnien und Herzegowinas wurden Anzeigen wegen Vergewaltigung und Raubes erstattet.

Die Ermittlungen führten nach Polizeiangaben noch weiter. Einer der Verdächtigen soll gemeinsam mit einer dritten Person an einem versuchten Raubüberfall auf zwei weitere ausländische Frauen beteiligt gewesen sein, die in Dubrovnik sexuelle Dienstleistungen anboten. Zudem konnte die Polizei nach eigenen Angaben einen weiteren, ähnlich geplanten Überfall verhindern.

Nicht nur die Anbieterinnen werden getäuscht

Auch auf der anderen Seite des Geschäfts gibt es Opfer. Nach Recherchen, auf die sich der Dubrovački dnevnik beruft, sind in Dubrovnik Fälle von Betrug bekannt geworden, bei denen Interessenten über Internetseiten sexuelle Dienstleistungen suchten und zu einer Vorauszahlung aufgefordert wurden. Nach der Überweisung erschien die betreffende Person nicht zum vereinbarten Treffen. Teilweise ging es um mehrere hundert Euro.

Die Polizei geht zugleich davon aus, dass nicht jeder derartige Fall angezeigt wird. Scham und die Sorge vor gesellschaftlicher Stigmatisierung dürften dazu beitragen, dass Betroffene auf eine Anzeige verzichten.

Schwankende Zahlen

Die Entwicklung der vergangenen Jahre lässt keinen stetigen Anstieg erkennen. 2024 wurden mit 22 Personen die meisten wegen entsprechender Verstöße sanktioniert. 2023 waren es 14, 2025 elf. Im Jahr 2022 lag die Zahl bei 18. Den niedrigsten Wert verzeichnete 2021, während der Corona-Pandemie, mit neun Personen.

Auch bei der strafrechtlichen Verfolgung der Organisation von Prostitution gab es in den vergangenen beiden Jahren jeweils drei Anzeigen. Für 2024 und 2025 zusammen nennt die Polizei sechs Beschuldigte, darunter vier ausländische und zwei kroatische Staatsangehörige.

Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu lesen. Sie geben Auskunft über polizeilich registrierte und sanktionierte Fälle, nicht über das tatsächliche Ausmaß des Geschäfts.

200 bis 300 Euro für eine Stunde

Ein Blick auf einschlägige Internetangebote vermittelt zugleich einen Eindruck von der wirtschaftlichen Seite. Der Dubrovački dnevnik berichtet von einem überwiegend internationalen Angebot, in dem insbesondere Frauen aus Lateinamerika vertreten sind. Brasilianerinnen und Kolumbianerinnen bilden demnach einen großen Teil der Anbieterinnen; daneben finden sich unter anderem Spanierinnen, Russinnen und auch kroatische Staatsbürgerinnen.

Die Frauen sind überwiegend Ende zwanzig oder Anfang dreißig. Auf den Profilen werden Fotos, teilweise auch Videos, veröffentlicht. Für eine Stunde werden dem Bericht zufolge im Durchschnitt 200 bis 300 Euro verlangt. Je nach Anbieterin und gewünschter Leistung können weitere Kosten hinzukommen.

Es ist ein Geschäft, das von der Anonymität des Internets und der Mobilität des europäischen Tourismus profitiert. Die Anbieterinnen müssen keinen dauerhaften Standort aufbauen; für die Kunden genügt ein Internetprofil, für die Anbieterin ein Apartment und ein Telefon.

Ein Randphänomen mit realen Risiken

Die Polizei sieht in der Prostitution in Dubrovnik nach den vorliegenden Angaben weder ein Phänomen größeren Ausmaßes noch eine bedeutende Quelle organisierter Kriminalität. Gleichwohl zeigt der Blick auf die einzelnen Fälle, dass die geringe Zahl registrierter Delikte nicht mit Harmlosigkeit gleichzusetzen ist.

Für die Frauen kann die Tätigkeit mit erheblichen Risiken verbunden sein. Der schwere Überfall des Jahres 2024 ist dafür das deutlichste Beispiel. Für Kunden wiederum besteht neben gesundheitlichen Risiken auch die Gefahr, Opfer eines Betrugs zu werden.

Dubrovnik ist damit kein Sonderfall. Eine Stadt, deren Wirtschaft in hohem Maße vom internationalen Tourismus abhängt, zieht nicht nur Hotels, Restaurants und Ausflugsanbieter an. Auch Dienstleistungen, die sich dem offiziellen touristischen Angebot entziehen, finden ihre Nachfrage. Die Polizei registriert einen Teil davon. Wie groß der tatsächliche Markt ist, lässt sich aus den amtlichen Zahlen allein nicht ablesen.

Der Bericht des Dubrovački dnevnik macht jedoch eines deutlich: Prostitution ist in Dubrovnik vorhanden und im Internet leicht auffindbar. Zugleich gibt es nach den vorliegenden Erkenntnissen keinen Anlass, die Stadt als Zentrum eines größeren Systems organisierter Prostitution darzustellen. Zwischen diesen beiden Feststellungen liegt die Realität eines Geschäfts, das diskret, mobil und lukrativ sein kann – und dessen Risiken sich erst dann zeigen, wenn die Diskretion endet.

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