Kroatien News

Grenzübergang Gradiška bleibt geschlossen – Politische Blockade lähmt Infrastrukturprojekt seit Monaten

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Gradiška. – Monate nach der ursprünglich angekündigten Eröffnung ist der neue Grenzübergang zwischen Bosnien und Herzegowina und Kroatien weiterhin nicht in Betrieb. Das Projekt, in das mehr als 100 Millionen Euro investiert wurden und dessen Bau längst abgeschlossen ist, scheitert nach wie vor an politischen Differenzen. Kurz vor Beginn der Sommersaison droht sich die Lage an der Grenze erneut drastisch zu verschärfen. Im Kern der Blockade steht der Verwaltungsrat der indirekten Steuerbehörde (UIO), dessen Zustimmung für die formale Inbetriebnahme zwingend erforderlich ist. Ohne eine Einigung können weder ein offizieller Zollcode vergeben noch IT-Systeme aktiviert oder internationale Verfahren wie NCTS und TIR implementiert werden. Der Grenzübergang bleibt damit administrativ handlungsunfähig. Die notwendige Einstimmigkeit scheitert weiterhin am Widerstand des Föderationsvertreters Zijad Krnjić. Seine Ablehnung ist Teil eines tieferliegenden Konflikts über die Verteilung der Einnahmen aus dem gemeinsamen Steuerkonto. Die Föderation Bosnien und Herzegowina fordert eine Anpassung der Verteilungsschlüssel sowie rückwirkende Ausgleichszahlungen in Höhe von rund 99 Millionen Konvertiblen Mark. Vertreter der Republika Srpska weisen diese Forderungen zurück – ein Kompromiss ist bislang nicht in Sicht. Damit ist ein zentrales Infrastrukturprojekt faktisch zum Druckmittel in einem finanzpolitischen und ethnopolitischen Konflikt geworden. Beobachter sprechen von einer Blockade, die exemplarisch für die strukturellen Spannungen innerhalb des Landes steht. Die Folgen sind längst konkret. Der bestehende Grenzübergang Gradiška arbeitet seit Jahren an der Kapazitätsgrenze. Insbesondere im Güterverkehr kommt es regelmäßig zu kilometerlangen Staus, Verzögerungen und wirtschaftlichen Einbußen. Unternehmen berichten von steigenden Transportkosten und Planungsunsicherheit. Mit Blick auf den nahenden Sommer verschärft sich die Situation zusätzlich. Jährlich nutzen Millionen Reisende – darunter viele aus Westeuropa – diese Route in Richtung Balkan. Ohne die Entlastung durch den neuen Übergang drohen erneut massive Verkehrsprobleme. Ursprünglich war die Eröffnung als politisches Signal geplant, unter Teilnahme der Vorsitzenden des Ministerrats, Borjana Krišto, sowie des kroatischen Premierministers Andrej Plenković. Dass es dazu bis heute nicht gekommen ist, verdeutlicht die Tiefe der politischen Blockade. Wann der Grenzübergang tatsächlich in Betrieb gehen kann, bleibt ungewiss. Eine neue Sitzung des Verwaltungsrats ist bislang nicht terminiert. Damit steht ein fertiggestelltes Großprojekt weiterhin ungenutzt – und die Grenze vor einer weiteren angespannten Reisesaison. Foto: Srna

50-Milliarden-Euro-Projekt in Kroatien: Größte KI-Investition Europas geplant

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Gigantisches KI-Vorhaben in Kroatien: Zwischen Vision und Realität Es sind Zahlen, die selbst in einer an Großprojekten nicht armen europäischen Infrastrukturgeschichte aufhorchen lassen: Bis zu 50 Milliarden Euro sollen in ein Vorhaben fließen, das im kroatischen Topusko entstehen könnte – ein Zentrum für Künstliche Intelligenz, Rechenleistung und digitale Innovation, geführt unter dem Arbeitstitel „Projekt Pantheon“. Sollte sich bestätigen, was bislang nur aus inoffiziellen Kreisen verlautet, wäre es die größte Einzelinvestition, die je in Mittel- und Osteuropa angekündigt wurde. Der geplante Standort liegt in der strukturschwachen Region der Sisačko-moslavačka županija. Ausgerechnet hier, fern der wirtschaftlichen Zentren, soll ein Technologiekomplex entstehen, dessen geplante Leistung von rund einem Gigawatt eher an große Industrieanlagen oder Energieprojekte erinnert als an klassische IT-Infrastruktur. Es geht nicht um ein einzelnes Rechenzentrum, sondern um ein Ökosystem aus Datenverarbeitung, Forschung und Entwicklung – ein digitaler Industriepark im Maßstab des 21. Jahrhunderts. Politische Inszenierung und geopolitischer Kontext Die offizielle Bekanntgabe soll im Rahmen des Gipfels der Three Seas Initiative in Dubrovnik erfolgen. Das ist kein Zufall. Die Initiative, die Länder zwischen Ostsee, Schwarzem Meer und Adria stärker wirtschaftlich verzahnen will, sucht seit Jahren nach Leuchtturmprojekten. „Pantheon“ könnte genau ein solches Signal sein: eine Demonstration technologischer Ambition in einer Region, die bislang eher als Werkbank denn als Innovationszentrum wahrgenommen wurde. Infrastruktur als bleibender Wert Ein bemerkenswerter Aspekt des Projekts ist die begleitende Infrastruktur. Allein deren Wert wird auf rund 500 Millionen Euro geschätzt – mehr als die Baukosten der Pelješac Bridge, eines der prestigeträchtigsten kroatischen Bauprojekte der vergangenen Jahre. Neue Stromtrassen, Umspannwerke, Glasfasernetze und Verkehrsverbindungen sollen entstehen und dauerhaft im Besitz des Staates bleiben. Damit würde das Projekt nicht nur technologische, sondern auch klassische wirtschaftliche Impulse setzen. Nationale Verankerung eines globalen Projekts Auffällig ist die starke Einbindung kroatischer Akteure. Auf Investorenseite stehen offenbar amerikanische institutionelle Kapitalgeber, doch Planung und Umsetzung liegen weitgehend in nationalen Händen. Federführend ist der Unternehmer Jako Andabak. Die technische Konzeption verantwortet Mislav Crnogorac, ein Ingenieur mit Stationen bei Amazon, Emerson und Vertiv. Sein Team besteht aus rund 25 Spezialisten, viele davon mit internationaler Erfahrung, die nun gezielt in ein heimisches Großprojekt eingebracht wird. Auch die Bauausführung soll weitgehend durch kroatische Unternehmen erfolgen. In einer Region, die häufig unter Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte leidet, könnte dies ein Gegenmodell darstellen. Chancen und offene Fragen So beeindruckend die Dimensionen sind, so zahlreich bleiben die offenen Fragen. Eine Investition dieser Größenordnung verlangt nicht nur Kapital, sondern auch langfristige Energieversorgung, regulatorische Stabilität und internationale Nachfrage nach Rechenkapazitäten. Der globale Wettbewerb im Bereich KI-Infrastruktur ist intensiv; große Technologiezentren entstehen derzeit vor allem in den USA, Westeuropa und zunehmend auch im Nahen Osten. Zugleich stellt sich die Frage nach der realistischen Umsetzung. Großprojekte dieser Art sind notorisch anfällig für Verzögerungen, Kostensteigerungen und politische Widerstände. Auch die ökologische Dimension – insbesondere der enorme Energiebedarf – dürfte in der öffentlichen Debatte eine Rolle spielen. Ein mögliches Signal für Europas Peripherie Sollte „Projekt Pantheon“ tatsächlich realisiert werden, hätte es weit über Kroatien hinaus Bedeutung. Es wäre ein Signal, dass auch kleinere Volkswirtschaften in der Lage sind, sich in strategischen Zukunftsfeldern zu positionieren – vorausgesetzt, sie verbinden internationales Kapital mit lokalem Know-how. Noch ist vieles Ankündigung, wenig ist vertraglich besiegelt. Doch schon jetzt zeigt sich: Die Ambition ist groß genug, um die wirtschafts- und technologiepolitische Landkarte Europas zumindest gedanklich neu zu zeichnen. Foto: Projekt Pantheon

Zwischen Recht und Öffentlichkeit: Der Prozess um die „Karton revolucija“ in Bosnien und Herzegowina

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Im Hochland von Prokoško jezero, einem als Naturdenkmal ausgewiesenen See von seltener ökologischer Sensibilität, verdichtet sich ein Konflikt, der weit über die Grenzen der Region hinausweist. Was als lokaler Streit über Wasserleitungen begann, ist längst zu einem Symbolfall geworden – für den Zustand von Rechtsstaatlichkeit, Umweltpolitik und öffentlicher Kontrolle in Bosnien und Herzegowina. Im Zentrum stehen Aktivisten der Bewegung „Karton revolucija“, die sich seit Jahren gegen die fortschreitende Degradierung des Gebiets engagieren. Illegale Bebauung, infrastrukturelle Eingriffe und das Ausbleiben konsequenter staatlicher Aufsicht haben das einst geschützte Naturareal unter Druck gesetzt. Die Aktivisten wollten, so ihre Darstellung, durch eine spektakuläre Aktion auf diese Missstände aufmerksam machen: Sie durchtrennten Wasserleitungen, die – wie sie argumentieren – zur Versorgung nicht genehmigter Bauten dienten. Die Justiz sieht darin hingegen eine strafbare Sachbeschädigung. Vor Gericht steht somit nicht nur eine konkrete Handlung, sondern auch deren Deutung: ziviler Ungehorsam im Dienste des Gemeinwohls – oder rechtswidriger Eingriff in fremdes Eigentum. Doch der Prozess selbst ist inzwischen Teil der Kontroverse geworden. Während in frühen Verhandlungsphasen noch Audio- und Videoaufnahmen zugelassen waren, wurde dies in späteren Sitzungen untersagt. Beobachter werten diese Kehrtwende als problematisch. Denn gerade Verfahren, die ein hohes öffentliches Interesse berühren, leben von Transparenz – nicht zuletzt, um das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Justiz zu stärken. Ein nun eingereichter Antrag fordert deshalb, die anstehende Abschlussverhandlung öffentlich zu dokumentieren. Er beruft sich auf den Grundsatz der Öffentlichkeit gerichtlicher Verfahren, wie er auch in der europäischen Rechtstradition verankert ist. Tatsächlich garantiert Europäische Menschenrechtskonvention in Artikel 6 das Recht auf eine öffentliche Verhandlung – ein Prinzip, das nicht nur den Angeklagten schützt, sondern auch die Gesellschaft als Ganze. Der Fall wirft damit grundlegende Fragen auf: Wie weit darf zivilgesellschaftliches Engagement gehen, wenn staatliche Institutionen ihrer Schutzfunktion nicht nachkommen? Und wie offen muss ein Gericht agieren, wenn es über Handlungen urteilt, die sich selbst als Verteidigung des öffentlichen Interesses verstehen? Für viele Beobachter ist der Prozess ein Lackmustest. Nicht allein für den Umgang mit Umweltkonflikten, sondern für die Fähigkeit staatlicher Strukturen, Kritik auszuhalten und rechtsstaatlich einzuhegen. In einer Region, in der institutionelles Vertrauen oft fragil ist, kommt der symbolischen Dimension solcher Verfahren besondere Bedeutung zu. So steht am Ende nicht nur ein Urteil über zwei Aktivisten. Es geht auch um die Frage, wie sichtbar Recht gesprochen wird – und wem diese Sichtbarkeit zugestanden wird. Foto: Wikipedia / rejflinger

Mehr als ein Turnier: Wie Kroatiens Fußball auf die Diaspora baut

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Es ist mehr als nur ein Jugendturnier. Wenn sich in der ostkroatischen Stadt Vukovar Nachwuchsfußballer aus dem In- und Ausland versammeln, geht es um weit mehr als Ergebnisse und Tabellen. Der „Memorijal vukovarskih branitelja“ ist längst zu einem Symbol geworden – für Erinnerung, Identität und die Zukunft des kroatischen Fußballs. Bei der 22. Ausgabe des U-14-Turniers rückte in diesem Jahr vor allem eine Auswahl in den Fokus: die Mannschaft des Kroatischen Weltkongresses aus Deutschland und Schweden. Der Einzug ins Halbfinale – erstmals seit acht Jahren – markiert nicht nur einen sportlichen Erfolg, sondern unterstreicht die wachsende Bedeutung der Diaspora für den kroatischen Fußball. Schon vor dem ersten Anpfiff erhielt das Turnier eine besondere Note. Mit dem Segen eines örtlichen Geistlichen wurden Spieler, Trikots und Schuhe symbolisch unter Schutz gestellt – ein Moment, der den Geist dieses Wettbewerbs treffend einfängt: Fußball als Brücke zwischen Generationen, Regionen und Lebensrealitäten. Für die Verantwortlichen der Auswahl ist der sportliche Erfolg nur ein Teil der Geschichte. „Die Kinder lernen hier nicht nur Fußball, sondern auch die Geschichte Vukovars“, betont Teamleiter Danijel Lučić. Ebenso wichtig sei die Erkenntnis, dass junge Spieler aus dem Ausland mit Gleichaltrigen aus Kroatien auf Augenhöhe konkurrieren können. Dass aus solchen Projekten mehr erwächst als nur schöne Erinnerungen, zeigt ein Blick auf die Vergangenheit: Mehrere heutige A-Nationalspieler sammelten ihre ersten Erfahrungen genau bei diesem Turnier. Namen wie Josip Stanišić oder Marin Pongračić stehen exemplarisch für einen Weg, der in der Diaspora beginnt und bis in die internationale Spitze führen kann. Die Mannschaft selbst tritt unter der Flagge des kroatischen Weltkongresses an – ein Netzwerk, das Talente außerhalb der Landesgrenzen bündelt. Viele dieser Spieler finden später den Weg in die U-Nationalmannschaften, die regelmäßig an den entscheidenden Qualifikationsrunden großer Turniere teilnehmen. Dabei ist es nicht zuletzt der familiäre Zusammenhalt, der den Unterschied macht. Trainer und Betreuer sprechen bewusst von einem „Teamgeist wie in der A-Nationalmannschaft“. Eltern reisen aus ganz Europa an, organisieren, unterstützen und tragen ihren Teil dazu bei, dass aus einzelnen Talenten eine funktionierende Einheit entsteht. Im Vergleich zu großen Fußballnationen bleibt Kroatien ein kleines Land. Die Zahl der registrierten Spieler ist gering, doch die Erfolge sind konstant. Gerade deshalb gewinnt die Zusammenarbeit mit der Diaspora zunehmend an Gewicht. Vukovar liefert dafür jedes Jahr den Beweis: Hier entsteht jener besondere Mix aus Talent, Identität und Gemeinschaft – jener Stoff, aus dem Kroatiens zukünftige Nationalmannschaft gemacht sein könnte.

Der Mann hinter den Vatreni-Talenten: Wie Kroatien in Deutschland seine Fußball-Zukunft sichert

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Während sich viele Anhänger des kroatischen Fußballs bereits Gedanken über die Zeit nach Luka Modrić machen, gibt es hinter den Kulissen Menschen, die dieser Zukunft sehr gelassen entgegensehen. Einer von ihnen ist Danijel Lučić – ein Mann, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, dessen Einfluss auf die Entwicklung des kroatischen Nachwuchsfußballs jedoch enorm ist. Wie die kroatische Tageszeitung Jutarnji List berichtet, zählt Lučić zu den zentralen Figuren der Talentsuche in der kroatischen Diaspora in Deutschland. Manager auf Topniveau – Scout aus Überzeugung Lučić ist technischer Koordinator des kroatischen Fußballverbands für die Nachwuchsarbeit in Deutschland. Gleichzeitig blickt er auf eine beeindruckende Karriere außerhalb des Sports zurück: Als Vorstandsmitglied der deutschen Niederlassung des internationalen Industriekonzerns Saint-Gobain trägt er Verantwortung für mehrere Werke, tausende Arbeitsplätze und einen Milliardenumsatz. Dennoch findet er seit vielen Jahren Zeit für den Fußball – ehrenamtlich und aus tiefer persönlicher Überzeugung. Ehrenamt als Herzensangelegenheit Sein Engagement für den kroatischen Fußball begann 2009. Seitdem widmet sich Lučić mit großem Enthusiasmus der Aufgabe, junge Spieler mit kroatischen Wurzeln zu entdecken, zu begleiten und an den kroatischen Verband heranzuführen. Laut Jutarnji List versteht er diese Arbeit nicht als Hobby, sondern als eine Art Mission: Talente sollen nicht nur sportlich, sondern auch emotional an Kroatien gebunden werden. Namen, die man heute kennt Diese langfristige Arbeit trägt Früchte. Zahlreiche Spieler, die heute zum erweiterten oder festen Kreis der Nationalmannschaft gehören, wurden frühzeitig von Lučić und seinem Team entdeckt und begleitet. Darunter sind Namen wie Marin Pongračić, Josip Stanišić, Marco Pašalić oder Igor Matanović. Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte von Josip Stanišić. Der Verteidiger spielte in jungen Jahren für deutsche Nachwuchsnationalmannschaften und stand bereits im Fokus des deutschen Fußballsystems. Wie im Jutarnji List geschildert, genügte ein kurzer Hinweis, ein klärendes Gespräch mit der Familie und eine schnelle Entscheidung des kroatischen Verbands, um Stanišić für Kroatien zu gewinnen. Vukovar als emotionaler Anker Ein zentrales Element der Diaspora-Arbeit ist das jährliche Jugendturnier in Vukovar. Dort treffen sich Nachwuchsspieler aus Kroatien und der ganzen Welt, um sich sportlich zu messen und zugleich einen Bezug zur kroatischen Geschichte herzustellen. Viele der Jugendlichen besitzen zu diesem Zeitpunkt ausschließlich einen deutschen Pass. Der Besuch historischer Orte, Gespräche über den Krieg und die Bedeutung der Stadt hinterlassen laut Lučić tiefe Eindrücke. Nicht selten kehren die Jugendlichen nach Deutschland zurück und bitten ihre Eltern, kroatische Dokumente zu beantragen. Keine Sorge vor der Zeit nach Modrić Besonders optimistisch äußert sich Lučić über die kommenden Generationen. Die Jahrgänge 2010, 2011 und 2012 bezeichnet er als außergewöhnlich talentiert. Nach seinen Worten müsse sich der kroatische Fußball keine Sorgen um die Zeit nach Luka Modrić machen – im Gegenteil: Die Qualität, die nachrücke, verspreche eine äußerst spannende Zukunft. Entscheidend sei dabei nicht allein die Technik, sondern die innere Haltung. Herz, Identifikation und familiärer Zusammenhalt seien die Faktoren, die Kroatien immer wieder in entscheidenden Momenten stark machten. Lob für neue Köpfe im Verband Große Anerkennung findet bei Lučić auch die Arbeit von Josip Tomaško, dem neuen Generalsekretär des kroatischen Fußballverbands. Er habe die Diaspora-Arbeit bereits in Zeiten getragen, in denen sie kaum Beachtung fand. Seine Ernennung sei ein klares Signal für einen Generationenwechsel im Verband. Ein Netzwerk aus Überzeugungstätern Heute arbeiten in Deutschland rund 20 Scouts für den kroatischen Verband. Sie sind mit nahezu allen relevanten Vereinen vernetzt und verfolgen junge Spieler mit kroatischen Wurzeln – komplett ehrenamtlich. Geld spiele dabei keine Rolle, entscheidend sei die Liebe zum Land. Ein zentraler Bestandteil dieses Netzwerks ist Ante Udbinac, der seit Jahren als unermüdlicher Motor der kroatischen Nachwuchsarbeit in Deutschland gilt. Mit großem persönlichen Einsatz beobachtet er Talente, hält den direkten Kontakt zu Familien und Vereinen und sorgt für Kontinuität in der Arbeit vor Ort. Operativ ergänzt wird dieses Engagement durch Chef-Scout Marko Lucić, in der Szene als „Loki“ bekannt. Er ist nahezu jedes Wochenende auf deutschen Fußballplätzen unterwegs, sammelt Leistungs- und Entwicklungsdaten, beobachtet Spieler live und koordiniert die Zusammenarbeit innerhalb des Scout-Netzwerks sowie mit zahlreichen deutschen Klubs. Gemeinsam bilden sie das Rückgrat der praktischen Talenterfassung für den kroatischen Fußballverband in Deutschland. Lučić bringt es klar auf den Punkt: Für Kroatien solle nur spielen, wer es wirklich wolle. Leidenschaft, Identität und Stolz seien jene Faktoren, die in engen Spielen den Unterschied ausmachten.

Polizeieinsatz gegen Adventsmarkt in Uskoplje sorgt für politische Spannungen in Bosnien-Herzegowina

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Gornji Vakuf-Uskoplje. Die kurzfristige Schließung der Weihnachtsveranstaltung „Advent in Uskoplje“ durch eine kantonale Inspektion in Begleitung der Polizei hat in Bosnien-Herzegowina erhebliche politische und gesellschaftliche Kontroversen ausgelöst. Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für die strukturelle Benachteiligung der kroatischen Bevölkerungsgruppe in der ethnisch gemischten Gemeinde Gornji Vakuf-Uskoplje in Zentralbosnien. Der Vorsitzende der Kroatischen Republikanischen Partei (HRS), Slaven Raguž, machte den Vorfall am Donnerstagabend öffentlich. Nach seinen Angaben wurde die Veranstaltung genau in dem Moment unterbrochen, als sie begonnen hatte und sich zahlreiche Familien mit Kindern auf dem Gelände befanden. Die Besucher seien von den Adventshütten und dem Eislaufplatz verwiesen worden, anschließend habe die Polizei den Bereich mit Absperrband abgeriegelt. „Wenn es formale Mängel gegeben hätte, hätte man während der Vorbereitungen einschreiten können – nicht erst, wenn Kinder auf dem Eis stehen und die Musik läuft“, schrieb Raguž in sozialen Netzwerken. Er sprach von einer Machtdemonstration staatlicher Behörden und stellte die Frage, weshalb ein ordnungsgemäß angemeldetes Ereignis erst im laufenden Betrieb gestoppt worden sei. Mehrere Augenzeugen berichten zudem, dass bewaffnete Spezialeinheiten der Polizei auf das Gelände vorgedrungen seien, während Kinder Schlittschuh liefen, und diese zum Verlassen des Areals aufgefordert hätten. Offizielle Stellen äußerten sich zunächst nicht detailliert zu den Gründen des Einsatzes. Politische Dimension und ethnische Spannungen Raguž ordnete den Vorfall in einen breiteren politischen Kontext ein. Seiner Ansicht nach reiht sich die Schließung des Adventsmarktes in eine Serie von Maßnahmen ein, die den Verbleib der kroatischen Bevölkerung in der Region zunehmend erschweren sollen. Er verwies dabei auch auf einen ähnlichen Vorfall im nahegelegenen Žepče und stellte die provokante Frage, ob bereits der religiöse Charakter der Veranstaltung – der Begriff „Advent“ – als problematisch angesehen werde. Besonders brisant ist der Hinweis Raguž’, dass der kantonale Innenminister, unter dessen Verantwortung die Polizei handelt, selbst der kroatischen Volksgruppe angehört und Mitglied der HDZ ist. Von den führenden kroatischen politischen Akteuren in der Region forderte er eine klare Stellungnahme. Für Freitag, den 19. Dezember, wurde als Reaktion auf die Schließung ein friedlicher Protest auf einem Basketballplatz in Uskoplje angekündigt. Parallelen zum Streit um den Kohletagebau Der bekannte bosnisch-kroatische Schriftsteller Josip Mlakić erklärte gegenüber einem Fernsehsender, der Vorfall sei kein Einzelfall. Seit Jahren, so Mlakić, gebe es Versuche mehrheitlich bosniakisch dominierter politischer Strukturen, kroatische Gemeinden wie die in Gornji Vakuf-Uskoplje unter Druck zu setzen. Er verwies insbesondere auf den aktuellen Konflikt um die geplante Erweiterung des Kohlebergwerks Gračanica im Ortsteil Donja Ričica. Dieses Projekt, getragen von der staatlichen Elektroprivreda BiH, würde nach Angaben kroatischer Vertreter zwischen 600 und 1.000 Menschen aus 64 überwiegend kroatischen Haushalten betreffen. Rund 78 Hektar privaten Landes stünden zur Enteignung an, im Extremfall sogar ein Friedhof. Der kroatische Außenminister Gordan Grlić Radman äußerte sich hierzu kürzlich besorgt und sprach von einer politisch motivierten Zwangsexpropriation. Er informierte den Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt, über den Fall. Schmidt habe zugesagt, die Angelegenheit zu prüfen. Fragile Balance Die Ereignisse rund um den Adventsmarkt und den Bergbaustreit verdeutlichen die fragile ethnische und politische Balance in Zentralbosnien. Während die Föderation Bosnien-Herzegowina formal auf Gleichberechtigung der Volksgruppen beruht, erleben viele lokale Gemeinschaften staatliche Entscheidungen als parteiisch oder selektiv durchgesetzt. Ob die Schließung des Advents in Uskoplje auf formalen Mängeln beruhte oder Ausdruck tiefer liegender politischer Spannungen ist, bleibt vorerst offen. Sicher ist jedoch, dass der Vorfall weit über eine lokal begrenzte Veranstaltung hinausweist – und erneut die ungelösten Fragen des Zusammenlebens in Bosnien-Herzegowina in den Fokus rückt.

Eröffnung des neuen Grenzübergangs Gradiška erneut verschoben

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Die geplante feierliche Eröffnung des neuen Grenzübergangs Gradiška an der Grenze zwischen Bosnien und Herzegowina und Kroatien, die für heute angekündigt war, ist kurzfristig verschoben worden. Obwohl die technische Infrastruktur – darunter der neue Autobahnabschnitt und der Brückenbau über die Save – vollständig fertiggestellt ist, kann der Grenzübergang vorerst nicht in Betrieb gehen. Fehlende Zustimmung Der Grund für die Verzögerung liegt in der Sitzung des Verwaltungsrats der Verwaltung für indirekte Besteuerung (UIO), auf der es erneut keine Einstimmigkeit über Änderungen des internen Regelwerks („Pravilnik“) gab. Diese Änderungen sind notwendig, um offiziell eine neue organisatorische Einheit der Zollverwaltung am Standort „Gradiška – Neuer Brückenübergang“ einzurichten und Personal dorthin zu verlegen. Ohne diese Verwaltungsentscheidung können zentrale technische und administrative Schritte nicht abgeschlossen werden – darunter: Damit fehlen die Voraussetzungen, um dort reguläre Zoll- und Grenzkontrollen durchführen zu können. Hintergrund des Dissenses Nach übereinstimmenden Medienberichten hat erneut das Mitglied des Verwaltungsrats aus der Föderation Bosnien und Herzegowina, Zijad Krnjić, gegen die Regelwerksänderung gestimmt. Er fordert, dass parallel zum Thema Grenzübergang auch die Frage der Koeffizienten für die Verteilung der Einnahmen aus dem einheitlichen Konto der UIO geregelt wird. Die Föderation BiH argumentiert, dass aufgrund gestiegener Konsumausgaben und veralteter Berechnungsgrundlagen eine Anpassung notwendig sei. Laut diesen Berechnungen solle der Föderation ein höherer Anteil der Mehrwertsteuereinnahmen zustehen. Medien berichten, dass die Föderation für die vergangenen Jahre einen Ausgleich von rund 99,3 Millionen KM fordert. Vertreter der Republik Srpska wiederum lehnen die vorgeschlagenen neuen Koeffizienten ab. Da die Frage der Einnahmenverteilung nicht gelöst wurde, wurde auch beim Thema Gradiška keine Zustimmung erzielt. Eröffnung mit kroatischem Premier sollte heute stattfinden Für die geplante Eröffnung waren sowohl die Vorsitzende des Ministerrats, Borjana Krišto, als auch der kroatische Premierminister Andrej Plenković angekündigt. Obwohl der Übergang baulich fertiggestellt ist, kann er ohne funktionierende Zollabfertigung nicht genutzt werden. Aktuell ist unklar, wann eine erneute Sitzung stattfinden und ob kurzfristig ein Kompromiss erzielt werden kann. Bedeutung des neuen Grenzübergangs Der neue Übergang soll den bestehenden Grenzübergang Gradiška erheblich entlasten. Damit wird eine deutlich schnellere Abfertigung sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr erwartet. Der Standort zählt bereits jetzt jährlich Millionen von Reisenden und eine hohe Zahl an Fahrzeugen. Foto: Srna

Eklat um Bosniens Verteidigungsminister Helez: Beleidigungen, diplomatische Verwerfungen und mögliche Folgen

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Der bosnisch-herzegowinische Verteidigungsminister Zukan Helez hat mit einer Reihe grober, persönlich diffamierender Äußerungen gegen die kroatische Europaabgeordnete Željana Zovko sowie den US-Geschäftsmann Mate Primorac eine politische Krise ausgelöst, die inzwischen weit über die Grenzen Bosniens hinausreicht. Die Wortwahl des Ministers, von Medien als „vulgär“, „abwertend“ und „politisch brandgefährlich“ beschrieben, sorgt sowohl in Sarajevo als auch in Brüssel, Zagreb und Washington für erhebliche Irritationen. Schwere Anschuldigungen gegen Zovko und Primorac In seinen öffentlichen Angriffen zielte Helez insbesondere auf die Integrität und politische Glaubwürdigkeit von Zovko, die im Europäischen Parlament als eine der wichtigsten Stimmen der bosnischen Kroaten gilt. Die Abgeordnete wurde mit Formulierungen belegt, die Beobachter als „nationalistisch aufgeladen“ und „unter der Würde eines Regierungsmitglieds“ einstufen. Auch der in den USA lebende Unternehmer Mate Primorac, der sich regelmäßig zur politischen Entwicklung in seiner Heimat äußert, wurde Opfer harscher verbaler Attacken. Auffällig ist, dass Helezs Ausbruch unmittelbar nach Primoracs Aussage vor einem US-Kongressausschuss erfolgte – ein Umstand, der in Washington besondere Aufmerksamkeit erregte. Innenpolitischer Druck wächst Der politische Schaden für die Regierung in Sarajevo ist beträchtlich. • Rücktrittsforderungen: Oppositionsparteien sowie zivilgesellschaftliche Organisationen verlangen geschlossen den sofortigen Rücktritt des Ministers. Die Regierung steht damit unter erheblichem Rechtfertigungsdruck. • Imageverlust: Helezs Ausfälle beschädigen nicht nur sein persönliches Ansehen, sondern werfen auch ein schlechtes Licht auf die politische Kultur des Landes – insbesondere angesichts der weiterhin fragilen interethnischen Beziehungen. Diplomatische Reaktionen: Von Zagreb bis Washington Harte Worte aus Kroatien Željana Zovko reagierte scharf. In mehreren Stellungnahmen bezeichnete sie die Aussagen des Ministers als „nationalistisch motivierte Diffamierung“, die den europäischen Weg Bosnien und Herzegowinas untergrabe. Kroatiens politische Führung stellte klar, dass Attacken auf eine EU-Abgeordnete eines Mitgliedstaates nicht ohne Konsequenzen bleiben dürften – auch wenn bislang keine formelle diplomatische Note veröffentlicht wurde. EU mahnt politische Kultur an Aus Brüssel kam ein deutliches, wenn auch diplomatisch formuliertes Signal: Die EU-Delegation rief alle Seiten zur Deeskalation auf. Hinter den Kulissen jedoch wertet man den Vorfall als empfindlichen Rückschlag für das EU-Kandidatenland. Die EU-Kommission betont seit Jahren, dass Fortschritte Bosnien und Herzecowinas an politische Stabilität, rechtsstaatliche Standards und respektvolle politische Kommunikation geknüpft sind. US-Botschaft reagiert ungewöhnlich deutlich Die schärfste internationale Kritik kam aus Washington. Die US-Botschaft in Sarajevo verurteilte die Beleidigungen „aufs Schärfste“ – ein Terminus, der im diplomatischen Sprachgebrauch selten verwendet wird. Angesichts der unmittelbaren Verbindung zwischen Helezs Angriffen und Primoracs Aussage vor einem Kongressausschuss werten Beobachter die Reaktion der USA als klares Signal, dass man verbale Entgleisungen gegenüber amerikanischen Bürgern nicht tolerieren werde. Rechtliche und institutionelle Konsequenzen möglich Neben politischem und diplomatischem Druck drohen dem Minister auch institutionelle Folgen: • Verstoß gegen Ethikkodex: Die Regierung könnte interne Disziplinarverfahren einleiten, da Minister einem klar formulierten Ethik- und Verhaltenskodex unterliegen. • Zivilrechtliche Schritte: Sowohl Zovko als auch Primorac prüfen nach Angaben ihrer Büros mögliche rechtliche Schritte wegen Verleumdung und Beleidigung. Signalwirkung für Bosnien und Herzegowina Der Skandal kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Bosnien und Herzegowina bemüht sich verstärkt darum, sein angeschlagenes internationales Ansehen zu verbessern und Fortschritte auf dem Weg zu EU-Beitrittsverhandlungen vorzuweisen. Stattdessen offenbart der Vorfall erneut die politische Fragilität des Landes. Die Frage, ob Zukan Helez politisch überlebt oder das Amt räumen muss, ist offen. Sicher ist jedoch: Der Eklat hat die diplomatischen Beziehungen des Landes belastet, die Glaubwürdigkeit Sarajevos geschwächt – und die Erwartungen internationaler Partner an die politische Führung Bosnien und Herzegowinas weiter erhöht. Foto: A.K./Radiosarajevo.ba

Zrinka Ljutić auf dem Podium: Zweiter Platz beim Riesenslalom in Tremblant

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Die kroatische Skifahrerin Zrinka Ljutić setzt ihre beeindruckende Saison im Riesenslalom fort. Beim dritten Weltcup-Riesenslalom der Saison im kanadischen Tremblant sicherte sie sich den zweiten Platz, nur 94 Hundertstel Sekunden hinter der Siegerin, der Neuseeländerin Alice Robinson. Den dritten Platz belegte die Kanadierin Valerie Grenier, mit exakt einer Sekunde Rückstand auf Ljutić. Für Ljutić ist dies bereits ihr zweites Podium im Riesenslalom, nachdem sie im November 2024 beim Weltcup in Killington ebenfalls Zweite wurde. Ihre konstant starken Leistungen in dieser Saison unterstreichen ihre aufstrebende Position in der internationalen Szene: In Sölden eröffnete sie die Saison mit Platz zehn, in Copper Mountain landete sie auf Platz sieben, und im ersten Slalom der Saison in Levi erreichte sie Platz sechs. Mit 142 Punkten liegt Ljutić aktuell auf Platz drei in der Riesenslalom-Wertung und ist in der Gesamtwertung des Weltcups mit 182 Punkten auf Platz sieben zu finden. Ihre Leistungen bestätigen, dass sie sich zunehmend als eine der Top-Favoritinnen im Riesenslalom etabliert. Zrinka Ljutić zeigt damit eindrucksvoll, dass Kroatien wieder eine starke Vertreterin im alpinen Skiweltcup hat und dürfte in den kommenden Rennen weiter für Aufsehen sorgen. Foto: Michael Madrid / Reuters