

Gornji Vakuf-Uskoplje.
Die kurzfristige Schließung der Weihnachtsveranstaltung „Advent in Uskoplje“ durch eine kantonale Inspektion in Begleitung der Polizei hat in Bosnien-Herzegowina erhebliche politische und gesellschaftliche Kontroversen ausgelöst. Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für die strukturelle Benachteiligung der kroatischen Bevölkerungsgruppe in der ethnisch gemischten Gemeinde Gornji Vakuf-Uskoplje in Zentralbosnien.
Der Vorsitzende der Kroatischen Republikanischen Partei (HRS), Slaven Raguž, machte den Vorfall am Donnerstagabend öffentlich. Nach seinen Angaben wurde die Veranstaltung genau in dem Moment unterbrochen, als sie begonnen hatte und sich zahlreiche Familien mit Kindern auf dem Gelände befanden. Die Besucher seien von den Adventshütten und dem Eislaufplatz verwiesen worden, anschließend habe die Polizei den Bereich mit Absperrband abgeriegelt.
„Wenn es formale Mängel gegeben hätte, hätte man während der Vorbereitungen einschreiten können – nicht erst, wenn Kinder auf dem Eis stehen und die Musik läuft“, schrieb Raguž in sozialen Netzwerken. Er sprach von einer Machtdemonstration staatlicher Behörden und stellte die Frage, weshalb ein ordnungsgemäß angemeldetes Ereignis erst im laufenden Betrieb gestoppt worden sei.
Mehrere Augenzeugen berichten zudem, dass bewaffnete Spezialeinheiten der Polizei auf das Gelände vorgedrungen seien, während Kinder Schlittschuh liefen, und diese zum Verlassen des Areals aufgefordert hätten. Offizielle Stellen äußerten sich zunächst nicht detailliert zu den Gründen des Einsatzes.
Politische Dimension und ethnische Spannungen
Raguž ordnete den Vorfall in einen breiteren politischen Kontext ein. Seiner Ansicht nach reiht sich die Schließung des Adventsmarktes in eine Serie von Maßnahmen ein, die den Verbleib der kroatischen Bevölkerung in der Region zunehmend erschweren sollen. Er verwies dabei auch auf einen ähnlichen Vorfall im nahegelegenen Žepče und stellte die provokante Frage, ob bereits der religiöse Charakter der Veranstaltung – der Begriff „Advent“ – als problematisch angesehen werde.
Besonders brisant ist der Hinweis Raguž’, dass der kantonale Innenminister, unter dessen Verantwortung die Polizei handelt, selbst der kroatischen Volksgruppe angehört und Mitglied der HDZ ist. Von den führenden kroatischen politischen Akteuren in der Region forderte er eine klare Stellungnahme.
Für Freitag, den 19. Dezember, wurde als Reaktion auf die Schließung ein friedlicher Protest auf einem Basketballplatz in Uskoplje angekündigt.
Parallelen zum Streit um den Kohletagebau
Der bekannte bosnisch-kroatische Schriftsteller Josip Mlakić erklärte gegenüber einem Fernsehsender, der Vorfall sei kein Einzelfall. Seit Jahren, so Mlakić, gebe es Versuche mehrheitlich bosniakisch dominierter politischer Strukturen, kroatische Gemeinden wie die in Gornji Vakuf-Uskoplje unter Druck zu setzen.
Er verwies insbesondere auf den aktuellen Konflikt um die geplante Erweiterung des Kohlebergwerks Gračanica im Ortsteil Donja Ričica. Dieses Projekt, getragen von der staatlichen Elektroprivreda BiH, würde nach Angaben kroatischer Vertreter zwischen 600 und 1.000 Menschen aus 64 überwiegend kroatischen Haushalten betreffen. Rund 78 Hektar privaten Landes stünden zur Enteignung an, im Extremfall sogar ein Friedhof.
Der kroatische Außenminister Gordan Grlić Radman äußerte sich hierzu kürzlich besorgt und sprach von einer politisch motivierten Zwangsexpropriation. Er informierte den Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt, über den Fall. Schmidt habe zugesagt, die Angelegenheit zu prüfen.
Fragile Balance
Die Ereignisse rund um den Adventsmarkt und den Bergbaustreit verdeutlichen die fragile ethnische und politische Balance in Zentralbosnien. Während die Föderation Bosnien-Herzegowina formal auf Gleichberechtigung der Volksgruppen beruht, erleben viele lokale Gemeinschaften staatliche Entscheidungen als parteiisch oder selektiv durchgesetzt.
Ob die Schließung des Advents in Uskoplje auf formalen Mängeln beruhte oder Ausdruck tiefer liegender politischer Spannungen ist, bleibt vorerst offen. Sicher ist jedoch, dass der Vorfall weit über eine lokal begrenzte Veranstaltung hinausweist – und erneut die ungelösten Fragen des Zusammenlebens in Bosnien-Herzegowina in den Fokus rückt.






